Book Review

Mit den richtigen Zahlen führen

11 Irrtümer über Kennzahlen

Redaktion RiskNET04.08.2016, 08:00

Dem französischen Autor Jean Hyppolyte Giraudoux soll einmal gesagt haben, dass man den Irrtum daran erkennt, dass alle Welt ihn teilt. Mit Hilfe des Buches soll der Leser vor allem erkennen, auf welche Kennzahlen es wirklich ankommt, um die Komplexität in einem Unternehmen in griffige und aussagekräftige Zahlen zu gießen. Das Buch hat sich in 12 Kapiteln zum Ziel gesetzt, mit der Kennzahlen-Illusionen aufzuräumen und zu zeigen, wie Kennzahlen richtig eingesetzt werden
Wer ein Unternehmen oder eine Abteilung sicher in die Zukunft führen will, muss wissen, wohin die Reise geht und ob der Kurs stimmt. Genau das leisten Kennzahlen: Sie helfen bei der zuverlässigen Standortbestimmung und dienen als Frühwarnsystem – für jedes Unternehmen, jede Branche, jeden Funktionsbereich. Als unverzichtbare Hilfsmittel für Führungskräfte und Unternehmer reduzieren Kennzahlen das komplexe Unternehmensgeschehen auf griffige Zahlen und dienen damit als Grundlage für Planung, Steuerung und Entscheidung.

Nehmen wir als "ganz einfache" Kennzahl den Umsatz (Kapitel 1). Was sagt diese Kennzahl eigentlich aus? Doch nur, wie viel Unternehmen insgesamt zu welchen Preisen abgesetzt haben. Genügt das? Sollte man nicht Produkt- oder Dienstleistungsgruppen bilden und die Lebensdauer des Produkts berücksichtigen? Innovationen sollten von eingeführten Produkten unterschieden werden. Es sollte auch verglichen werden, wie viel im letzten Quartal oder Jahr umgesetzt wurde.

Das anschließende Kapitel 2 setzt sich mit einem "halben Irrtum" auseinander, nämlich dass man aus der Bilanz alles herauslesen kann, was der Unternehmer braucht. Fazit des Kapitels: Unternehmen kommen um eine interne Rechnungslegung, um eine sinnvoll aufgebaute Kostenrechnung nicht umhin. Irrtum und gleichzeitig Kapitel 3 setzt sich mit dem Irrglauben auseinander, dass es völlig ausreicht, wenn der Steuerberater einmal im Jahr rechnet. Irrtum 4 diskutiert den Glauben an "gute Software", die alles für das Unternehmen erledigt. Das anschließende fünfte Kapitel diskutiert denn Irrglauben "Viel hilft viel". Mit dem Irrtum "Systematik killt Kreativität und Spontanität" setzt sich Kapitel 6 auseinander. Warum vergangenheitsorientierte Kennzahlen vielleicht doch einen Mehrwert bieten ist Inhalt des siebten Kapitels. Irrtum 8 konzentriert sich auf den weitverbreiteten Glauben "Mein Unternehmen ist einzigartig – Vergleichbares gibt es nicht". Das anschließende Kapitel 9 trägt die Überschrift "Irrtum 9: Zahlen lügen nicht – weiche Kennzahlen und Bilanzpolitik sind Sozial-Chichi". Irrtum 10 ist in der Praxis weitverbreitet: "Für Controlling ist mein Unternehmen zu klein". In diesem Kontext weisen die Autoren darauf hin, dass Controlling – entgegen der "gefühlten" Wortnähe zu "Kontrolle" – eben nicht nur Kontrolle, sondern ein zukunftsorientiertes Führungs- und Planungsinstrument ist.

Kapitel 11 und gleichzeitig Irrtum 11 ("No risk – no fun") setzt sich mit dem Risikomanagement auseinander. Im Kern konzentriert sich das Kapitel auf die Lagebericht- und Risikoberichterstattung als Teil des Jahresabschlusses, dem Krisenmanagement sowie dem Changemanagement auseinander. Risikomanager werden hier nur wenig Neues erfahren. Insgesamt liest sich das Kapitel eher wie ein unstrukturierter Fleckenteppich an höchst unterschiedlichen Themen.

Das abschließende zwölfte Kapitel fasst die wesentlichen und wichtigsten Kennzahlen in einem kompakten Kapitel zusammen.

Fazit: Mit "11 Irrtümer über Kennzahlen" bieten die Autoren ein sehr praxisorientierte Einführung in den mitunter etwas undurchdringlichen Dschungel der Kennzahlen und liefern vor allem Antworten auf die Fragen: Weshalb sind Kennzahlen für jedes Unternehmen wichtig? Welche Kennzahlen sollten Entscheider verstehen? Warum sind "harte" Kennzahlen nicht alles?


Review details

Author: Claudia Ossola-Haring | Andreas Schlageter | Stephan Schöning
Number of pages: 274
Publisher: Springer Gabler Verlag
Place of publication: Wiesbaden
Date of publication: 2016

RiskNET rating:

sehr gut practical relevance
gut content
sehr gut understandability
gut total rating

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