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Regulierung


Der Deutsche Bundestag und der Bundesrat haben 2009 das "Gesetz zur Änderung des Bundesdatenschutzgesetzes" (BDSG-Novelle I) betreffend Scoring und Auskunfteien beschlossen, das zum 1. April 2010 in Kraft getreten ist. Ziel der neuen Regelungen ist es unter anderem die Transparenz beim Einsatz von Scoring-Verfahren zu erhöhen. Unternehmen und Auskunfteien sind somit seit Anfang April 2010 dazu verpflichtet, ihren Kunden auf Anfrage deren Scoring schriftlich und verständlich offen zu legen. Wir stellen in diesem Beitrag den rechtlichen Rahmen dieser Gesetzesnovelle vor und entwickeln daraufhin ein Modell, welches eine Offenlegung für Scoringsysteme aller Art ermöglicht. Das entwickelte Konzept garantiert, dass der Kunde ausreichend in die Stärken und Schwächen seiner Bonität Einsicht nehmen kann, ohne gleichzeitig methodisch die Grundlagen multivariater Merkmalsanalysen oder Regressionsmodelle verstehen zu müssen. In einem Beispiel aus dem Bereich des Konsumentenkredit-Scoring wird das Konzept ausgeführt und zeigt eine technische Lösung, so wie sie von Banken jeder Größe implementiert werden kann.
[Quelle: Markus J. Rieder/Olaf Schulze: Ein Modell zur Scoring-Beauskunftung, in: RIsiko MANAGER 11/2010, S. 10-17.]
3400 Downloads 22.06.2010
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Mit dem Verbot ungedeckter Leerverkäufe von Wertpapieren hat die deutsche Regierung einen Schritt getan, der eine einmalige Qualität hat: Sie hat einen Alleingang riskiert und ist damit über den langen Schatten des aus der Spieltheorie bekannten Gefangenen-Dilemmas gesprungen. Diesen Schritt hat die Finanzindustrie immer gefürchtet. Er ist für die Finanzkreise eine Katastrophe. Die hysterischen Reaktionen zeigen, dass die Regierung den richtigen Nerv getroffen hat. Es geht bei der neuen Regulierung gar nicht in erster Linie um den Inhalt; es geht vielmehr um die einmalige Methode des Vorgehens, den Alleingang. Vermutlich ist sich die Regierung der Tragweite ihres Tuns noch nicht bewusst. Wenn sie in einigen Tagen verstanden haben wird, was sie getan hat, dann besteht Hoffnung auf ähnliche Maßnahmen auf anderen Feldern der Finanzmarktregulierung. Vielleicht schließen sich andere Regierungen dem deutschen Alleingang an. In diesem Fall ist der Weg frei für eine fundamentale Neuordnung der Finanzindustrie. Ein Weitermachen nach den alten Spielregeln ist dann nicht mehr möglich.
[Autoren: Volker Bieta/Hellmuth Milde, Quelle: RISIKO MANAGER 12/2010, S. 16-17]
Bieta 2894 Downloads 06.06.2010
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In der gegenwärtigen Griechenland-Krise können sich die Finanzinstitute auf das schlechte Krisenmanagement der EU-Regierungen verlassen. Die Regierungen stecken in einem Dilemma. Ohne Änderungen der Spielregeln für das Verhalten der Regierungen können die Banken ihr unverantwortliches Spiel fortsetzen.
[Autoren: Volker Bieta/Hellmuth Milde, Quelle: RISIKO MANAGER 11/2010, S. 20-23]
Bieta 3955 Downloads 06.06.2010
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Basel II bezeichnet die Gesamtheit der Eigenkapitalvorschriften, die vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht in den vergangenen Jahren zur Sicherung einer angemessenen Eigenkapitalausstattung von Instituten und die Schaffung einheitlicher Wettbewerbsbedingungen sowohl für die Kreditvergabe als auch für den Kredithandel vorgeschlagen wurden. Die Regeln müssen gemäß den EU-Richtlinien 2006/48/EG und 2006/49/EG seit dem 1. Januar 2007 in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union für alle Kreditinstitute und Finanzdienstleistungsinstitute angewendet werden.
Ein Forscherteam des Internationale Währungsfonds (IWF bzw. IMF, International Monetary Fund, auch bekannt als Weltwährungsfonds) und der Weltbank sind im Rahmen der Studie "Basel Core Principles and Bank Risk: Does Compliance Matter?" der Frage nachgegangen, ob die Baseler Grundsätze auch tatsächlich ihren Zweck erfüllen und zur Stabilisierung des Finanzsystems beitragen?
Ihr Fazit ist ernüchternd: Der Kodex ist offenbar wirkungslos und führt nicht zu einer Erhöhung der Finanzstabilität. Seit dem Jahr 1999 evaluieren Weltbank und IWF regelmäßig die Finanzsysteme ihrer Mitgliedstaaten. Sie bewerten auf einer vierstufigen Skala - von eins ("non-compliant") bis vier ("compliant") -, wie gut die Staaten jeden einzelnen der 25 Baseler Grundsätze einhalten. Um die Solidität der Banken zu messen, haben die Forscher die Bilanzen der Geldinstitute ausgewertet. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass es zwischen der Beachtung der Baseler Grundsätze und der Solidität eines Geldhauses keinen Zusammenhang gibt. Noch mehr: Einige Komponenten von Basel II sind möglicherweise sogar kontraproduktiv und führen eher zur Instabilität eines Bankensystems.
[Quelle: Asli Demirgüç-Kunt/Enrica Detragiache: Basel Core Principles and Bank Risk: Does Compliance Matter?, IMF Working Paper, IMF Institute, März 2010]
Detragiache 2536 Downloads 09.05.2010
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Since the introduction of the European CO2 emissions trading system (EU ETS), the development of CO2 allowance prices is a new risk factor for enterprises taking part in this system. In this paper, we analyze how risk emerging from emissions trading can be considered in the stochastic pro?t and loss planning of corporations. Therefore we explore which planned ?gures are a?ected by emissions trading. Moreover, we show a way to model these positions in a planned pro?t and loss account accounting for uncertainties and dependencies. Consequently, this model provides a basis for risk assessment and investment decisions in the uncertain environment of CO2 emissions trading (Henry Dannenberg, Wilfried Ehrenfeld).
Henry.Dannenberg 1739 Downloads 19.03.2010
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Im Rahmen von Risikomanagementsystemen stellen Stresstests eine wichtige methodische Ergänzung zu den „klassischen“ vergangenheitsbezogenen Risikomodellen dar. Dies wurde auch von Seiten der Aufsicht erkannt und spiegelt sich in der Neufassung der MaRisk von 2009 wider. Der Beitrag der Autoren Jürgen Steffan (Mitglied des Vorstands der Wüstenrot Bausparkasse AG), Dr. Marc Kaninke (Leiter Controlling Wüstenrot Bausparkasse AG) und Dr. Andreas Peter (Dr. Peter & Company AG) stellt die Grundzüge der Umsetzung dieser Anforderungen im Geschäftsfeld BausparBank der Wüstenrot & Württembergische-Gruppe dar. Neben der Erfüllung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen stand deren betriebswirtschaftlicher Nutzen im Vordergrund.
MQuick 3975 Downloads 12.03.2010
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Die aktuelle Finanzmarktkrise zeigt, dass spezielle Kreditinstitute die Risiken unterschätzt haben, von denen sie bedroht waren. Bankenzusammenbrüche, temporär extrem hohe credit spreads und die Notwendigkeit staatlicher Unterstützung zeigen dies sehr deutlich. Wenn man als Ursache hierfür nicht alleine ansehen möchte, dass an sich bekannte Risiken schlicht ignoriert wurden, muss man hier Defizite bei der Risikoquantifizierung und Risikoaggregation feststellen. Letztlich ist also die Qualität der heute verfügbaren, internen Risikomanagementsysteme und Risikomodelle der Kreditinstitute (aber auch vieler Industriekonzerne) zu hinterfragen.
[Quelle: Gleißner, W.: Metarisiken in der Praxis: Parameter- und Modellrisiken in Risikoquantifizierungsmodellen, in: RISIKO MANAGER, Ausgabe 20/2009, S. 14-22.]
Gleissner 2193 Downloads 19.02.2010
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In dem Beitrag "6 Ways Companies Mismanage Risk" (Harvard Business Review, March 2009] wird erklärt, was die Risikomanager in jüngerer Zeit falsch gemacht haben. Insgesamt werden sechs typische Fehler diskutiert. Dem Autor geht es aber eindeutig "nur" um praktische Umsetzungsfehler. Die implizite Annahme bei seiner Diskussion lautet: Im "Prinzip" ist die Grundstruktur der heutigen Risikomodelle richtig; es geht also lediglich um fehlerhafte Anwendungen. Im vorliegenden Beitrag wird diese Sichtweise bestritten. Wir behaupten: Das Grundmodell hat eine falsche Struktur. Wenn das Grundmodell falsch ist, warum ging es bis zum Sommer 2007 dann gut? Warum funktionierte das Grundmodell danach nicht mehr? Die Antwort ist einfach: Selbst eine Fehlkonstruktion kann funktionieren, wenn sie nicht extremen Belastungen ausgesetzt ist. Die extreme Belastung setzte im Jahr 2007 mit dem Zusammenbruch des Subprime-Marktes ein. Erst zu diesem Zeitpunkt wurden die konzeptionellen Fehler im Risikomanagement offensichtlich.
[Quelle: Bieta/Milde: Denkfehler im Risikomanagement, in: RISIKO MANAGER 16/2009]
Bieta 4325 Downloads 03.09.2009
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Risikomanager gehören zu den Gewinnern der aktuellen Finanzkrise – wie auch aller Krisen zuvor. Für die Zukunft des Risikomanagements und das Berufsbild des Risikomanagers ist eins sicher: Das Fahrwasser wird für Banken und Versicherungen (und andere Branchen) zunehmend unruhig. Da das Geschäftsmodell von Banken und Versicherungen nun einmal auf dem professionellenManagement von Risiken basiert, werden auch in Zukunft Risikomanager ein reichhaltiges Betätigungsfeld finden. Der zunehmende regulatorische Druck (Solvency II, BilMoG, Basel III) wird diese Entwicklung zusätzlich antreiben. Neben Banken, Versicherungen und Kapitalanlagegesellschaften werden auchWirtschaftsprüfer, Unternehmensberater sowie Industrie- und Handelskonzerne Risikomanager nachfragen.
[Romeike, F. (2009): Risk Manager: Entscheidend sind die Soft Skills, in: staufenbiel Banking & Finance 2009/10, S. 10-13]
Romeike 2519 Downloads 27.08.2009
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This paper explores the question of whether market participants could have or should have anticipated the large increase in foreclosures that occurred in 2007 and 2008. Most of these foreclosures stem from loans originated in 2005 and 2006, leading many to suspect that lenders originated a large volume of extremely risky loans during this period. However, the authors show that while loans originated in this period did carry extra risk factors, particularly increased leverage, underwriting standards alone cannot explain the dramatic rise in foreclosures. Focusing on the role of house prices, the authors ask whether market participants underestimated the likelihood of a fall in house prices or the sensitivity of foreclosures to house prices. The authors show that, given available data, market participants should have been able to understand that a significant fall in prices would cause a large increase in foreclosures, although loan?level (as opposed to ownership?level) models would have predicted a smaller rise than actually occurred. Examining analyst reports and other contemporary discussions of the mortgage market to see what market participants thought would happen, the authors find that analysts, on the whole, understood that a fall in prices would have disastrous consequences for the market but assigned a low probability to such an outcome.
[Authors: Gerardi, Kristopher/Lehnert, Andreas/Sherlund, Shane/Willen, Paul, Federal Reserve Bank of Boston]
Gerardi 5819 Downloads 09.04.2009
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