Autoren: Frank Romeike und Jürgen Braatz
Gutes Rating - schlechte Corporate Governance
Mit exzellenten Benotungen bei Bürgel ging die Akzenta AG und deren Vertriebspartner in der Vergangenheit auf Werbetour für ihr scheinbar überzeugendes Modell der Umsatzbeteiligung. Der leibhaftige Präsident eines Branchenverbandes der Finanzdienstleistung reiste 2004 extra aus Berlin an, um der Eröffnung der neugebauten Firmenzentrale zusätzlichen Glanz zu verleihen. Die Firma konnte sich damit schmücken, einen der bekanntesten Köpfe der deutschen Ratingszene als Vorsitzenden des Beirats gewonnen zu haben. Mit der Corporate Governance aber sah es finster aus. Nachdem Gründer Ulrich Chmiel die Akzenta GmbH in eine AG umgewandelt hatte, war er zunächst Vorsitzender des Aufsichtsrats geworden und hatte einen seiner Söhne zum Vorstand gemacht. Später wechselte er vom Aufsichtsrat wieder in den Vorstand und übernahm dessen Vorsitz, sein Sohn behielt seinen Vorstandsposten. Auch ein weiterer Chmiel-Sohn im zarten Alter von 23 Jahren war im Akzenta-Geflecht aktiv. Die unwahrscheinlich große unternehmerische Begabung der Söhne von Ulrich Chmiel (siehe Bild, Quelle: HJ Buchholz/CASH) irritierte Geschäftspartner und Beiräte offensichtlich nicht.
Jetzt wird gegen Vorstand und Aufsichtsrat wegen gewerbsmäßigen Kapitalanlagebetrugs ermittelt. Alle volljährigen männlichen Mitglieder der Familie Chmiel wurden am 31. Mai verhaftet, dazu ein weiterer Manager und ein Aufsichtsrat. Nur wegen Krankheit erhielt Gründer und Vorstandsvorsitzender Ulrich Chmiel Haftverschonung. An der Geschäftsführung und Reisen ins Ausland, etwa zu Kongressen, hatte ihn die Krankheit bis zur Verhaftung nicht gehindert.
Am 31. Mai diesen Jahres hatten 150 Kriminalbeamte, Steuerfahnder und 9 Staatsanwälte der Staatsanwaltschaft München II 25 Objekte in Bayern und ein Objekt in Hessen durchsucht, die mit der Akzenta AG mit Firmensitz in Neubeuern bei Rosenheim in Verbindung stehen. Die Kripo Erding (Kommissariat zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität) ermittelt gegen Verantwortliche der Akzenta AG, die u.a. im Verdacht stehen, gewerbsmäßigen Kapitalanlagebetrug in organisierter Form zu begehen. Insbesondere gegen die Mitglieder des Vorstands der Dachorganisation besteht – nach Aussagen der Staatsanwaltschaft – der dringende Tatverdacht für die Bildung einer kriminellen Vereinigung.
Dubioses Geschäftsmodell bereits seit einiger Zeit in der Kritik
Die Funktionsweise des Geschäftsmodells der Akzenta AG ist dubios. Sie bietet ihren Kunden mehrere Varianten an, über eine Umsatzbeteiligung sehr hohe Gewinne zu realisieren. Kauft ein Kunde beispielsweise ein Auto, muss er den Kaufvertrag an die Akzenta AG schicken. Diese geht mit dem Händler in eine Nachverhandlung und verspricht dafür viele weitere Akzenta-Kunden. Gewährt der Händler den Rabatt, schließt die Akzenta mit dem Autokäufer einen Vertrag. Über ein schneeballähnliches System soll er mittels der Händlerprovisionen binnen mehrer Jahre den Kaufpreis des Autos zurückerhalten. Funktionieren kann dieses Pyramidengeschäft aber nur, wenn in der Basis zunehmend Neugeschäft akquiriert wird. Wie das ausgetüftelte Bonussystem tatsächlich funktionieren soll, wird allerdings firmenintern streng unter Verschluss gehalten.
Vor den Produkten der sonderbaren Geldvermehrung der Akzenta AG wurde in den vergangenen Jahren insbesondere seitens der Anlegerschutzpresse dringend gewarnt. Bereits im Oktober 2002 wurde in der Fachzeitschrift „Finanztest“ mit der Überschrift „Wundersame Geldvermehrung“ vor dem Geschäftsmodell der Akzenta gewarnt: „Die Rosenheimer Akzenta AG wirbt mit einer spektakulären Umsatzbeteiligung. Doch wie das Geschäftsmodell funktionieren soll, ist unklar.“ Auch in der Zeitschrift „Kapital-Markt intern“ (Ausgabe 22/2002) wurde drastisch vor der Akzenta AG gewarnt unter der Überschrift „Vorsicht bei der Akzenta AG: Ein bayerischer Luftballon“. Der Artikel endete mit dem Fazit: „Der beste Aufbewahrungsort für Akzenta-Flyer ist u. E. die Ablage P (= Papierkorb)“.
Vorstandsvorsitzender mit dunkler Vergangenheit
Nach Recherchen der Schweizer SonntagsZeitung ist der Firmengründer der Akzenta AG, Ulrich Chmiel, der Justiz kein Unbekannter. Er wurde Mitte der Neunzigerjahre in Schaffhausen zu 12 Monaten Freiheitsstrafe wegen Betrugs und Veruntreuung verurteilt. Zudem habe die Schweizer Aufsichtsbehörde EBK (Eidgenössische Bankenkommission) bereits im Juni 2004 in Akzenta ein illegales Schneeballsystem erkannt und beim Untersuchungsrichteramt Biel-Seeland eine entsprechende Strafanzeige eingereicht. Dort sei das Verfahren seither anhängig. Unbedarfte Anleger riskierten, wegen Teilnahme an einem unerlaubten Glücksspiel bestraft zu werden, so die SonntagsZeitung.
Die französische Finanzaufsichtsbehörde Autorité des Marchés Financiers (AMF) in Paris habe die Akzenta AG und ihre Tochterfirma Akzenta France SA im Visier – der Fall sei zudem an den Gerichtshof in Strasbourg (Parquet de Strasbourg) weitergegeben worden. In Italien habe die Börsenaufsichtsbehörde Consob die Ausübung der Tätigkeit verboten.
Intransparenz mit System
Auch im Bereich geschlossener Fonds hat die Akzenta Gruppe ihre Finger im Spiel. Beim Business Invest Beteiligungsfonds ist das Geschäftsmodell der Akzenta AG sogar der Investitionsgegenstand, indem sich der Investor direkt an der Akzenta AG beteiligt.
In einem Gespräch mit unserer Redaktion hatte der Vorstandsvorsitzende, Ulrich Chmiel, erst im Mai 2006 erläutert, dass Intransparenz ein Teil des Akzenta-Geschäftsmodells sei. In diesem Kontext ist auch das Firmenkonstrukt wegen der vielen Verflechtungen schwer zu durchschauen. So hat die Akzenta AG Beteiligungen an mindestens 14 Tochterfirmen. Auch im Ausland war das Unternehmen aktiv, so beispielsweise in Dubai, Italien, Frankreich und in der Schweiz.
Chmiel hat es schon in der Vergangenheit geschafft, die Welt in glühende Anhänger und nahezu ebenso fanatische Ablehner zu spalten. Internetforen zeugen von jahrelangen Debatten über die Seriosität des Geschäftsmodells der Akzenta und der handelnden Personen. Die Partner, die ihre eigene persönliche Bonität für die Firma in die Waagschale legten, auf Veranstaltungen der Akzenta auftraten und sich sogar offen dem System anschlossen, hätten also gewarnt sein können. Hier zeigt sich: Eine gute Bonitätseinschätzung sagt wenig bis nichts über die Seriosität der handelnden Personen aus.
Autoren:
Frank Romeike, Chedredakteur (V.i.s.d.P.) RISIKO MANAGER
Jürgen Braatz, Herausgeber des Newsletters Fondswissen
Bücher des Monats
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