Autor: Frank Romeike

If everything is under control you are just not driving fast enough
Mit diesem Ausspruch wird der ehemalige britische Formel-1-Fahrer Sir Stirling Crauford Moss in Verbindung gebracht, der als der beste Formel-1-Fahrer gilt, der nie Weltmeister wurde. Übertragen auf das Risikomanagement, könnte man auch sagen: Wer Risiken mit aller Macht vermeidet, läuft Gefahr, irgendwann an Langeweile zu sterben. Oder bezogen auf ein Unternehmen: Eine Risikolandkarte, in der keine "orangen" oder "roten" Risiken existieren, übersieht potenzielle Chancen und ist einfach zu langsam auf den kurvenreichen Formel-1-Strecken der Weltmärkte unterwegs. Und wird auch leider nie Weltmeister!
Und um Weltmeister zu werden ist auch ein neues Rollenverständnis von Finanzvorständen erforderlich. So stellten auf dem CFO-Circle 2007 Referenten und Teilnehmer einstimmig fest, dass sich in den vergangenen Jahren das Rollenverständnis der Finanzvorstände radikal gewandelt hat. "Der Chief Financial Officer auf dem Weg vom Chefbuchhalter zum Risikomanager", so überschrieb die FTD die zukünftigen Entwicklungen. In der Vergangenheit konzentrierten sich Finanzchefs vor allem auf Themen wie Finanzierung, Rechnungswesen und Controlling. Heute muss er auf der einen Seite Vertriebsprofi gegenüber potenziellen Investoren sein und auf der anderen Seite sich im komplexen Geflecht aus rechtlichen Auflagen, Anforderungen von Finanzaufsicht und Börse, Ratingagenturen und Wirtschaftsprüfern ebenso auskennen wie mit Gesetzen und den zunehmenden Risiken innerhalb und außerhalb der Unternehmen.
"Der CFO muss wesentlich mehr sein als ein solider Finanzexperte", so der 40-Jährige Finanzvorstand von Continental, Alan Hippe. "Er muss auch unternehmerische Risiken vorantreiben und ab und an im Angriff selbst ein Tor erzielen."
Für Christian Laux, Professor am Lehrstuhl für Finanzierung und Risikomanagement der Universität Frankfurt am Main, ist vor allem die Integration von Risikomanagement eine der zentralen Herausforderungen für den CFO. Hierbei kommt insbesondere der Verknüpfung der Methoden des Risikomanagements mit der strategischen Unternehmenssteuerung eine wesentliche Bedeutung zu.
So kommt die jüngst von der IBM vorgestellte "CFO Study 2007", bei der mehr als 1.200 Chief Financial Officers (CFOs) und Führungskräfte aus Finanz¬abteilungen aus 79 Ländern befragt wurden, zu dem Ergebnis, dass Unternehmen auf einschneidende Risiken nur unzureichend vorbereitet sind: 62 Prozent der Unternehmen mit einem Umsatz von über fünf Milliarden Dollar hatten in den vergangenen drei Jahren mit strategischen, operativen oder geopolitischen Problemen zu kämpfen – und 42 Prozent der Unternehmen waren nicht gut darauf vorbereitet. In Deutschland – mit 80 befragten Finanzexperten – waren zwar weniger Unternehmen massiven Risiken ausgesetzt (46 Prozent), aber sogar die Hälfte der CFOs fühlte sich darauf schlecht vorbereitet.

Obwohl Risiken ständig gegenwärtig sind, haben sehr viele Unternehmen kein formalisiertes Risikomanagement-System umgesetzt. Nur 52 Prozent gaben an, dass sie irgendeine Form eines solchen Programms haben, während 42 Prozent historische Vergleiche im Unternehmensgeschehen hinzuziehen, um Risiken zu vermeiden. Nur 32 Prozent arbeiten mit spezifischen Risikogrenzwerten und nur 29 Prozent entwickeln risikobezogene Vorhersagen und Pläne. In Deutschland sieht das Bild etwas positiver aus: 73 Prozent der befragten Unternehmen haben ein Risikomanagement systematisch umgesetzt, 43 Prozent ziehen historische Vergleiche heran, um Risiken zu vermeiden. 55 Prozent arbeiten mit spezifischen Risikogrenzwerten und 50 Prozent entwickeln Risiko-bezogene Vorhersagen und Pläne.
Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass sich Integrierte Finanzorganisationen (IFOs) proaktiver und analytischer mit den Risiken für ihr Unternehmen auseinandersetzen: 66 Prozent der IFOs sind "offiziell" dafür verantwortlich, unternehmensweit Risiken zu identifizieren und zu managen (51 Prozent bei den nicht-integrierten), 63 Prozent führen regelmäßig ein Monitoring ihres Managements durch (49 Prozent) und 51 Prozent nutzen historische Vergleiche (41 Prozent).
[Bildquelle: Photocase]
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