01.08.2010
RiskNET - The Risk Management Network -Cash Flow at Risk

International tätige Unternehmen sind zahlreichen finanziellen Risiken ausgesetzt. Im Fokus stehen Wechselkursrisiken, Rohstoffpreisrisiken, Zinsrisiken und Aktienrisiken.

Sowohl Investoren als auch Kunden, Lieferanten und der Gesetzgeber drängen auf eine transparente Berichterstattung, um eine objektive Darstellung der Geschäfts- und Finanzrisiken zu erhalten. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich finanzielle Risiken auf die Ertragslage eines Unternehmens auswirken.

Industrie- und Handelsunternehmen sind im Gegensatz zu reinen Finanzdienstleistern mit zusätzlichen Unwägbarkeiten konfrontiert. Häufig sind operative Cash Flows von Markt- und Rohstoffpreisrisiken abhängig. Eine ungünstige Wechselkursentwicklung kann beispielsweise zu Exportrückgängen führen. Steigende Rohstoffpreise mindern bei konstanten Absatzpreisen den Gewinn.

Ein ungünstige Zinsentwicklung erschwert den Kapitaldienst und kann geplante Investitionen unrentabel werden lassen. Alle Risikofaktoren zusammen können die Liquidität eines Unternehmens gefährden.

 

Aber wie wirkt sich eine Veränderung der Rohstoffpreise und der Wechselkurse auf die operativen Cash Flows, den Gewinn oder den Umsatz aus? Mit welcher Wahrscheinlichkeit werden die operativen Cash Flows den Finanzbedarf des Unternehmen decken (Liquiditätssicherung)?

Zur Beantwortung derartiger Fragen bedarf es einer speziell auf Unternehmen und deren individuelle Risikoposition zugeschnittenen Methode.

Der Cash Flow at Risk-Ansatz beantwortet die Frage, wie groß die Abweichung des tatsächlichen Cash Flows von einem geplanten oder budgetierten Wert mit einer Wahrscheinlichkeit von z.B. 95 % in den nächsten 12 Monaten aufgrund von Schwankungen der zugrundegelegten Risikofaktoren ist.

Mit dem Earnings at Risk-Ansatz erfolgt auf handelsrechtlicher Ebene eine ähnliche Betrachtung. Hier stehen nicht die pagatorischen Ein- und Auszahlungen (Cash Flows) im Vordergrund, sondern handelsrechtliche Gewinne und Verluste. So lässt sich beispielsweise ermitteln, wie groß die Abweichung des handelsrechtlichen Gewinns von einem geplanten Jahresgewinn mit 95 % Wahrscheinlichkeit ausfallen kann.

Der Value at Risk-Ansatz dient der Messung von Risiken aus Vermögenspositionen wie z.B. Aktienportfolios, Rentenportfolios oder Rohstoffvorräten.

 

Für Unternehmen erscheint ein Prognosehorizont von 12 oder mehr Monaten sinnvoll, da Maßnahmen zur Risikoreduktion im operativen Geschäft Zeit zur Umsetzung benötigen.

Wie große Supertanker in voller Fahrt müssen Unternehmen Risiken möglichst frühzeitig erkennen, um rechtzeitig gegensteuern zu können. Sonst ist eine Kollision unvermeidbar.

In der folgenden Abbildung ist die Cash Flow at Risk-Messung schematisch dargestellt. Mit Hilfe statistischer Prognosemodelle werden für alle relevanten Risikofaktoren Vertrauensintervalle für einen Zeitraum von 12 Monaten geschätzt.

 

Die statistischen Prognoseverfahren simulieren eine Vielzahl von Szenarien für die Entwicklung der relevanten Risikofaktoren. Zu jedem Risikofaktor wird ein zweiseitiges Vertrauensintervall erstellt. Für jedes Szenario (= Veränderung eines Risikofaktors) wird die Auswirkung auf die operativen Cash Flows analysiert. So entsteht eine Häufigkeitsverteilung der zukünftigen Cash Flows.

Mit Hilfe derartiger Verteilungen kann ein Unternehmen z.B. beurteilen, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein erwarteter Cash Flow tatsächlich realisierbar ist, wie groß die Abweichung von diesem Zielwert mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit ausfällt, oder mit welcher Wahrscheinlichkeit die Liquidität des Unternehmens gefährdet sein kann.

 

Weitere Informationen finden Sie in dem Buch:

Peter Hager: Corporate Risk Management – Cash Flow at Risk und Value at Risk, Bankakademie Verlag, Frankfurt 2004, 306 Seiten, ISBN 3-9331-6599-7

Eine Rezension des Buches finden Sie im RiskNET-Bookshop!

 

Internetressourcen:

http://www.cfar.de/

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