01.08.2010
RiskNET - The Risk Management Network -August 2006

Autor: Frank Romeike

"Das Pendel schwingt oft zu weit"

Dies war die Aussage vom neuen US-Finanzminister Hank Paulson. „Die Herausforderung ist nun, die richtige regulatorische Balance zu finden“, so Paulson weiter in Bezug auf den weltweit umstrittenen Sarbanes Oxley Act of 2002 (SOX). SOX nimmt die Unternehmensleitung stärker für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Angaben bei der quartalsweisen und jährlichen Berichterstattung in die Pflicht. Zusätzlich ergeben sich neue Anforderungen an die Unternehmensleitung, indem fortlaufend über die Funktionsfähigkeit des internen Kontrollsystems im Rahmen des periodischen Unternehmensreportings zu berichten ist.

Viele Unternehmen klagen jedoch seit Jahren über einen hohen zusätzlichen Mehraufwand, um das Regelwerk der amerikanischen Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) zu befolgen. Darunter fallen auch die 19 deutschen Unternehmen, die an einer US-Börse gelistet sind. Einen Return on Investment erkennen nur die wenigsten Unternehmen. Er vor wenigen Wochen hatten zwei renommierte US-Experten darauf hingewiesen, dass SOX ein „kolossaler Fehler“ gewesen sei. Ziel von SOX war es ursprünglich Bilanzbetrügereien zu verhindern. So schreibt Section 404 ein strikt standardisiertes System zur internen Kontrolle der Bilanzen vor. Völlig unabhängig davon, ob dies für Unternehmen relevant ist oder nicht. Eigentlich eine Umkehr des Risikomanagement-Ansatzes, den dort konzentriert man sich auf die unternehmensrelevanten Risiken und steuert diese möglichst effizient. In einer SOX-Welt konzentriert man sich auf alle potenziellen Risiken, obwohl vielleicht nur 10 Prozent für mein Unternehmen relevant sind. Dabei wäre es sinnvoller 10 Risiken angemessen zu steuern, als 300 potenzielle Risiken akribisch zu dokumentieren.

 

Doch zurück zu Hank Paulson: Ja, das Pendel schwingt oft zu weit. Und nun schlägt es wieder zurück. Hoffentlich! Zumindest ist die Erkenntnis beim US-Finanzminister gereift, dass Aufwand und Nutzen in keinem vernünftigen Verhältnis mehr stehen. Gerechnet hat sich SOX ausschließlich für die Heerscharen an externen Beratern und Wirtschaftsprüfern. Und die Ironie dabei: Auf der Seite der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften profitieren genau die Unternehmen, die eine maßgebliche Mitschuld an den Skandalen zu verantworten hatten. „Sie müssen jetzt halt schärfer auf sich selbst aufpassen und lassen sich das fürstlich honorieren“, so Fred Smith vom Washingtoner Think-tank „Competitive Enterprise Institute“.

Mit dem Sarbanes Oxley Act haben die USA auf ein zum Teil überbürokratisiertes Kontroll- und Sanktionssystem gesetzt. Demgegenüber setzt der deutsche Gesetzgeber und die deutschen Unternehmen eher auf Selbstverpflichtung und Eigenverantwortung. Dabei ist jedoch zu beachten, dass sich das flexible System des „Comply or explain“ nur dann durchsetzen wird, wenn die Unternehmen selbst konsequent die Verbesserung der Corporate Governance vorantreiben.

 

Ziel muss es sein, die Unabhängigkeit, die Effizienz und die Transparenz der Unternehmenskontrolle in den Aufsichtsräten zu erhöhen. Ein weiteres Ziel muss es sein, eine gewisse Kompatibilität mit europäischen und internationalen Regeln zur Corporate Governance zu erreichen. Zwar haben sowohl die USA als auch Europa auf die Bilanzskandale der vergangen Jahre reagiert, jedoch jeweils mit isolierten Lösungen. Folglich droht eine Überregulierung für global agierende Unternehmen durch die Vielzahl länderspezifischer Regelwerke, so dass die Unternehmen in ihren operativen Möglichkeiten stark beeinträchtigt werden.

 

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