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 RiskNET Newsletter vom 8. Juni 2010

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Blick hinter die Kulissen: Risikomanagement bei der METRO Group

Die METRO Group gehört zu den weltweit größten Handelsunternehmen und steht derzeit hinter Wal-Mart und Carrefour auf Platz 3 der Top10, dicht gefolgt von Tesco. In ihren rund 2.100 Niederlassungen in 33 Ländern arbeiten rund 290.000 Beschäftigte. Die bekanntesten Marken der METRO Group sind Metro Cash & Carry, Real, Galeria Kaufhof, Media Markt und Saturn. Die Wurzeln der heutigen METRO Group reichen bis in die 60er Jahre - als von den beiden Duisburger Spar-Großhändlern Reiner und Michael Schmidt-Ruthenbeck der erste SB-Großmarkt in Essen eröffnet wurde. Später kamen die Familie Haniel und Otto Beisheim als weitere Gesellschafter hinzu. Es entstand eine der erfolgreichsten Unternehmensgründungen der Nachkriegsgeschichte. Der Sitz der Gesellschaft wurde später nach Mülheim a. d. Ruhr verlegt und befindet sich heute in Düsseldorf.

Mit Ausnahme von "Media Markt" und "Saturn" haben alle Marken der METRO Group von 2008 bis 2009 einen Umsatzrückgang verzeichnet. Der Umsatz der Gruppe ging saldiert um 3,6 % auf 65,5 Mrd. EUR zurück. Das Risikomanagement der METRO Group wurde im Jahr 2009 neu strukturiert, um eine Verbesserung der Risikoerfassung und Risikobeurteilung in den weltweit tätigen Tochtergesellschaften zu erzielen. Auf der Vorlage der Standards der METRO AG sollen weltweit einheitliche Strukturen, Prozesse und zentrale Vorgaben zur Risikosteuerung umgesetzt werden. Das Risikomanagement wird dabei als ein integraler Bestandteil einer wertorientierten Unternehmenssteuerung betrachtet. Eine wichtige Messgröße für den Unternehmenserfolg ist der EBITaC (EBIT after Cost of Capital). Daran orientiert sich der Grad der Risikobereitschaft. Weiter

 






Terrorismus innerhalb der USA auf dem Vormarsch

Die weltweiten Krisengebiete sind auch die Brennpunkte des Terrorismus: Der Irak, Pakistan, Afghanistan, Indien, Somalia und der Jemen sind die Kriegsschauplätze der heutigen Zeit. Dies geht aus der Weltkarte der Terrorgefahren 2010 hervor, die der weltweit größte Versicherungsmakler Aon jetzt veröffentlichte. Das positive Ergebnis der Aon-Analyse: Die internationalen Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung funktionieren. Sie schränken die Fähigkeiten der Terrorgruppen, verheerende Anschläge vom Ausmaß des 11. September 2001 zu verüben, stark ein. "Seit dem 11. September ist es Al-Qaida nicht gelungen, die nötige Stärke zu erlangen, um eine weitere Operation dieser Tragweite durchzuführen. Dies ist zum Teil auf die Entschlossenheit der Regierungen zurückzuführen, den internationalen Terrorismus auf vielen Ebenen militärisch bis finanziell zu bekämpfen. Was uns aber weiter Sorgen bereitet ist, dass Terroristen auch in Zukunft versuchen werden, Anschläge mit einer hohen Zahl von Opfern zu verüben und hierfür Schwarmtaktiken anwenden werden, so wie im November 2008 in Mumbai", sagt Sabrina Jestrich, Terrorexpertin von Aon in Deutschland.

Die Analyseergebnisse zeigen, dass vor allem Al-Qaida gezwungen ist, Netzwerke in den traditionellen Krisengebieten zu bilden. Solche Netzwerke und ihre Gefolgsleute in Europa und Nordamerika gäben weiterhin Anlass zur Sorge - obwohl bezogen auf die Anschlagshäufigkeit in den vergangenen Monaten eine leicht rückläufige Entwicklung zu verzeichnen sei. Weiter

 


Der deutsche Ausbruch aus der Gefangenschaft

In dem RiskNET-Beitrag "Regierungs- und Bankenverhalten in der Griechenland-Krise" (siehe auch RISIKO MANAGER 11/2010) wurde das Regierungs- und Bankenverhalten während der Griechenlandkrise spieltheoretisch analysiert. Am 18. Mai reagierte die deutsche Regierung mit einem für die Märkte unerwarteten Gegenschlag. Wir untersuchen die neue Situation und kommen zu einer völlig neuen Bewertung der Euro-Krise.

Mit dem Verbot ungedeckter Leerverkäufe von Wertpapieren hat die deutsche Regierung einen Schritt getan, der eine einmalige Qualität hat: Sie hat einen Alleingang riskiert und ist damit über den langen Schatten des aus der Spieltheorie bekannten Gefangenen-Dilemmas gesprungen. Diesen Schritt hat die Finanzindustrie immer gefürchtet. Er ist für die Finanzkreise eine Katastrophe. Die hysterischen Reaktionen zeigen, dass die Regierung den richtigen Nerv getroffen hat. Es geht bei der neuen Regulierung gar nicht in erster Linie um den Inhalt; es geht vielmehr um die einmalige Methode des Vorgehens, den Alleingang. Vermutlich ist sich die Regierung der Tragweite ihres Tuns noch nicht bewusst. Wenn sie in einigen Tagen verstanden haben wird, was sie getan hat, dann besteht Hoffnung auf ähnliche Maßnahmen auf anderen Feldern der Finanzmarktregulierung. Vielleicht schließen sich andere Regierungen dem deutschen Alleingang an. In diesem Fall ist der Weg frei für eine fundamentale Neuordnung der Finanzindustrie. Ein Weitermachen nach den alten Spielregeln ist dann nicht mehr möglich. Weiter

 







Systemische Risiken für Finanzsystem nur leicht verringert

Die systemischen Risiken für das Finanzsystem des Euroraums haben sich nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) in den vergangenen sechs Monaten leicht verringert, was vor allem an der verbesserten Gewinnsituation großer Finanzinstitute (Large and Complex Banking Groups - LCBG) lag. "Viele der großen Banken haben 2009 wieder moderate Gewinne ausgewiesen, und ihre finanzielle Entwicklung hat sich im ersten Quartal 2010 weiter verbessert", heißt es in dem am Montag veröffentlichten halbjährlichen Finanzstabilitätsbericht der EZB. Erstmal seit 2007 habe keine große Bank im jüngsten Berichtsquartal einen Nettoverlust ausgewiesen.

Das spreche zusammen mit einer Aufstockung der Eigenkapitalpuffer auf Stände deutlich über Vorkrisenniveau dafür, dass die meisten dieser Institute große Fortschritte auf dem Weg zu einer finanziellen Erholung gemacht hätten. Wörtlich heißt es in dem Bericht: "Die breit angelegte Verbesserung der Schockabsorptionsfähigeit im Jahr 2009 bedeutet, dass sich die systemischen Risiken für das Finanzsystem bis zu einem gewissen Grad verringert haben und dass der Charakter der Risiken innerhalb des Finanzsystems stärker institutsspezifisch geworden ist." Weiter

 


Sand ins Getriebe

Schüttet man Sand ins Getriebe eines Motors, zwingt man diesen unstrittig zu Verlangsamung - bis zum Stillstand. Mit der politisch geforderten Transaktionssteuer wird genau dies erreicht - Verlangsamung, möglicherweise auch gänzliche Austrocknung mit der Folge, dass sich blühende Finanzmärkte in Oasen zurückziehen.

Die Geschwindigkeit, mit der sich in den letzten drei Jahrzehnten der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien die Finanzmärkte weiter entwickelten, überstieg jede Erwartung. In der Finanzkrise seit 2007 erwiesen sich insbesondere solche Finanzinstrumente als schwer zu beurteilen und "toxisch", die als Finanzinnovationen erst vor wenigen Jahren auf den Markt gebracht wurden. Ratingagenturen verließen sich auf Datenangaben von Banken und anderen Emitenten, die mit dem Ziel der Ausplatzierung von Kreditportfolien Zweckgesellschaften gründeten, größtes Interesse an guten Ratings hatten und dafür gerne zu Auftraggebern der Ratingagenturen wurden. Weiter

 






RiskNET Kolumne Juni 2010: Regierungs- und Bankenverhalten in der Griechenland-Krise

In der gegenwärtigen Griechenland-Krise können sich die Finanzinstitute auf das schlechte Krisenmanagement der EU-Regierungen verlassen. Die Regierungen stecken in einem Dilemma. Ohne Änderungen der Spielregeln für das Verhalten der Regierungen können die Banken ihr unverantwortliches Spiel fortsetzen.

Wir haben es seit Jahren gewusst: Griechenland ist bankrott. Dennoch war der "Run" auf Griechenland-Anleihen bis zur Rating-Änderung ungebrochen. Banken investierten Milliarden in griechische Anleihetitel, obwohl klar war, dass der Markt früher oder später zusammenbrechen würde. Nur der Zeitpunkt war unklar. Warum haben sich die Banken so verhalten? Im Prinzip ist das heutige Bankenverhalten völlig identisch mit dem Bankenverhalten vor dem Ausbruch der Subprime-Krise im Jahr 2007. Jeder wusste damals, dass der Verbriefungsmarkt zusammenbrechen würde. Dennoch haben alle Akteure das Hoch-Risiko-Spiel mitgemacht. Was ist der Grund für die Parallelität im Bankenverhalten? Lernen die Banker gar nichts aus den vergangenen Erfahrungen? Doch, die Banker haben sogar sehr viel gelernt. Ihr Lernprozess zeigte ihnen nämlich gerade erst, dass sie weitermachen können wie bisher. Wie ist das möglich? Im Beitrag zeigen wir, dass die Banken eine Dilemma-Situation der Regierungen ausnutzen können. Weiter

 


Werden "Risk Managers" zu "Risky Managers"?

Die Finanzkrise nahm ihren Anfang in den USA. Bei der Analyse der Ursachen werden gemeinhin Friktionen im Wertschöpfungsprozess, Mängel im Risk Management der Kapitalmarktakteure und generell eine unzureichende Risikokultur angeführt. Die Autoren wählen einen anderen Ansatz. Sie stellen die politischen Verhältnisse in den USA in den Fokus. Ihre These: Alle Marktteilnehmer haben sich rational innerhalb der staatlich gesetzten Rahmenbedingungen verhalten. Nicht der Markt hat versagt, sondern die Krise wurde durch staatliche Interventionen verursacht. Das Fatale: Diese Mechanismen wirken weiterhin.

Wie bei jeder Krise so werden auch bei der jetzigen Schuldige gesucht und schnell gefunden. Aktuell führen Wall Street Banker, Private Equity und Hedge Fund Manager die Liste an. "Risk Managers" werden zu "Risky Managers" umbenannt, da diese Berufssparte nach landläufiger Meinung eigenhändig Vermögen in Billionenhöhe vernichtete, private Anleger täuschte, verführte und gleichzeitig hohe Boni verdiente. Bevor jedoch Schuldzuweisungen erfolgen, müssen Ursachen und Treiber der Krise genau bekannt sein. Es ist nämlich fraglich, wie die USA von einer anscheinend stabilen Wirtschaftslage in diese Krise kam und wie sich Probleme im Marktsegment zweifelhafter Hypothekenforderungen zu einer internationalen Finanzmarktkrise ausweiten konnten. Weiter

 






Aktuelle Buchempfehlungen

Risikomanagement und Frühwarnverfahren in Kreditinstituten

Von: Ulrich Bantleon/Axel Becker (Hrsg.), ESV, 560 Seiten, Berlin 2010.

Das Management von Risiken sollte zum Kerngeschäft von Kreditinstituten gehören. Die Herausgeber weisen in diesem Kontext darauf hin, dass die Dominanz des Risikomanagements uneingeschränkt auch gegenüber dem Vertrieb gilt, denn nur risikoadäquat bepreiste Dienstleistungen und Produkte erhöhen den Unternehmenswert. Angesichts des "Risikococktails" bei gleichzeitig geschäftsmodellbedingten niedrigen bilanziellen Eigenkapitalquoten und der damit verbundenen niedrigen Risikodeckungspotenziale ist ein funktionsfähiges Risikomanagement unverzichtbar. Im Rahmen der Finanzmarktkrise haben einige methodische Ansätze im Risikomanagement den Praxistest nicht bestanden, andere sind an ihre Grenzen gestoßen.Bankaufsichtsrechtlich wurde dies unter anderem durch die Überarbeitung der Mindestanforderungen an das Risikomanagement zum 14. August 2009 vollzogen. In einem einführenden Beitrag werden die wesentlichen Neuerungen der MaRisk (BA) dargestellt. Die Autoren weisen darauf hin, dass es sich nicht um völlig neue Anforderungen handelt, sondern vielmehr um Konkretisierungen und Verschärfungen der existierenden Anforderungen. Wesentlich an Bedeutung gewonnen haben insbesondere Vergütungssysteme, Risikokonzentrationen, Stresstests und Liquiditätsrisiken. Die Autoren werten die neuen Anforderungen der MaRisk insgesamt als sinnvoll. Allerdings weisen die Autoren - mit einem Blick auf kleine Institute - darauf hin, dass die Verhältnismäßigkeit auch in der Prüfungspraxis beachtet werden sollte. Weiter

 


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