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 RiskNET Newsletter vom 7. September 2010

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Märkte auf dem Pulverfass?

So viel Unsicherheit gab es selten. Wer jetzt aus dem Urlaub kommt, findet, dass sich in seinem Portfolio vielleicht nicht allzu viel getan hat. Wenn er sich aber die gesamtwirtschaftliche Lage anschaut, stößt er auf eine Welt voller Widersprüche. Es ist schwer, sich eine Meinung über die weitere Entwicklung zu bilden. Hier ein paar Beispiele:

Die Wirtschaft in Europa boomt, die in den USA liegt darnieder. Ich kann mich nicht erinnern, dass es das in diesem Ausmaß je gegeben hat. Es widerspricht aller Erfahrung (nach der die Amerikaner bei der Bewältigung von Krisen viel pragmatischer und flexibler sind). Haben die Vereinigten Staaten ihre Kraft verloren? Funktionieren die ausgleichenden Effekte einer globalen Wirtschaft über Welthandel und internationalen Kapitalverkehr nicht mehr?

Der US-Dollar hat sich seit Jahresbeginn von USD 1,46 auf zeitweise USD 1,19 je Euro aufgewertet. Das sind fast 20 Prozent. Haben die Devisenmärkte nicht gemerkt, wie es um die USA steht? Eine Zeit lang konnte man die Entwicklung mit den hohen Staatsschulden in Südeuropa erklären. Inzwischen hat sich die Lage aber zumindest in einigen Ländern (vor allem Spanien) gebessert. Weiter

 





BCM: Risiken in der Supply Chain

Laut einer aktuellen Studie des Maklerunternehmens Marsh sind Sicherungskonzepte zur Betriebsfortführung im Krisenfall inzwischen ein fester Bestandteil des Risikomanagements. Dem "Business Continuity Benchmark Report 2010" zufolge wuchs in den vergangenen zwei Jahren insbesondere der Anteil an Unternehmen, welche die Risiken innerhalb ihrer Lieferantennetzwerke managen.

Bis vor wenigen Jahren waren Sicherungskonzepte zur Betriebsfortführung im Krisenfall nach Einschätzung von Marsh ein Randthema des Risikomanagements, das eher abgehakt als konsequent verfolgt wurde. Die aktuelle Analyse zeige, dass sich dies geändert habe. So bezeichneten 83 Prozent der befragten Unternehmen in Europa und im Mittleren Osten Business Continuity Management (BCM) als "integralen Bestandteil" ihres Risikomanagements. Im Vergleich zur Untersuchung vor zwei Jahren stieg dieser Anteil damitum sieben Prozentpunkte. Ebenso viele sind der Ansicht, BCM werde von der Führungsebene verstanden und unterstützt. Als wesentliche Faktoren für die zunehmende Bedeutung dieses Themas nannten 62 Prozent der Befragten "Best Practice", 38 Prozent "Verluste in der Vergangenheit" und 31 Prozent "gesetzliche Vorgaben". Weiter

 

 


Zentrale Kontrolle des Derivatehandels geplant

Die EU-Kommission will einem Zeitungsbericht zufolge die künftige Kontrolle des Derivatehandels nicht allein der Finanzaufsicht der EU-Mitgliedstaaten überlassen. Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf einen Richtlinienentwurf der Kommission zum Derivatehandel berichtet, soll die geplante europäische Börsenaufsicht European Securities and Markets Authority (ESMA) dabei eine "zentrale Rolle" übernehmen. In dem Entwurf fordert die Kommission dem HB zufolge auch für sich selbst wichtige Befugnisse ein. So müsse auf "EU-Niveau" definiert werden, "welche bilateral gehandelten Derivate künftig über einen zentralen Kontrahenten abgewickelt werden müssen", heißt es in dem Entwurf. Entsprechende Kriterien sollten die EU-Kommission und die ESMA entwickeln und in einem Register veröffentlichen. Das bedeutet: Über die Börsenpflicht von Derivategeschäften soll künftig in Brüssel beziehungsweise Paris entschieden werden. In der französischen Hauptstadt wird die ESMA voraussichtlich ihren Sitz haben. Weiter

 

 







Sachkunde und Zuverlässigkeit von Aufsichtsräten

Ein Jahr nach dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Stärkung der Finanzmarkt- und der Versicherungsaufsicht hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bislang bei keiner einzigen wichtigen Bank Einspruch gegen die Ernennung von Aufsichtsräten erhoben. Seit der Einführung seien rund 3.000 neu berufene Aufsichtsräte überprüft worden, sagte ein Sprecher der Behörde. Lediglich in 10 Fällen habe die Behörde dabei die Abberufung wegen mangelnder Eignung gefordert, sagte der Sprecher auf Anfrage. In keinem davon sei eine Großbank oder ein systemrelevantes Institut betroffen gewesen.

Die Versicherungsaufsicht habe in den vergangenen 12 Monaten keine Abberufung eines Aufsichtsrats fordern müssen, sagte eine BaFin-Sprecherin. Die Zahl der neu berufenen Mandatsträger sei in diesem Bereich zum einen deutlich geringer, da in Deutschland ca. 2.000 Kreditinstituten nur rund 650 Versicherer gegenüber stehen. Zudem habe es vorab Anfragen von Unternehmen gegeben, bei denen in einstelliger Zahl auf eine Berufung verzichtet wurde. Zumeist habe hier die Behörde wegen Überschreitung der zulässigen Mandatsanzahl Bedenken geäußert, fügte die Sprecherin hinzu. Weiter

 


Untergrund Banking: Geldwäsche über das Internet

Im neuesten Jahresbericht der Financial Intelligence Unit Deutschland des Bundeskriminalamts in Wiesbaden wird eine dramatische Zunahme der Geldwäscheanzeigen um fast ein Viertel verzeichnet. Signifikant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass die Verdachtsanzeigen internetbasierter Zahlungsmittel sich fast verdreifacht haben. Hinter diesen virtuellen Straftaten stehen häufig kriminelle Netzwerke wie auch Terroristen. Neben dem Ausspähen von Zugangsdaten nutzen diese das Internet inzwischen verstärkt, um illegal erhaltenes Geld in den legalen Wirtschaftskreislauf einzuschleusen. Die Geldwäscher machen sich dabei die relative Anonymität des Internets zu nutze. Auf elektronischem Wege lassen sich Gelder von erfahrenen Usern mit wenigen Mausklicks in kürzester Zeit über den gesamten Globus verschieben. Für deutsche Unternehmen sind mit diesen Aktivitäten erhebliche Risiken verbunden. Sie müssen im Rahmen ihrer Compliance-Aufgaben Wege finden, nicht ungewollt Teil des so genannten Cyber-Laundering von Kriminellen zu werden. Weiter

 

 






RiskNET Intensiv-Seminar & Planspiel 2010: Risikomanagement in Industrie und Handel

Das RiskNET-Intensiv-Seminar (6.-7. Oktober 2010) vermittelt Methodenkompetenz in praxisorientierten Verfahren zur Risikomessung und -berichterstattung. Neben dem klassischen Instrumentarium und den aus dem Finanzdienstleistungsbereich bekannten Value at Risk-Modellen werden neue, speziell für die Anforderungen von Industrie- und Handelsunternehmen entwickelten Cashflow-at-Risk- (CFaR) und Budget-at-Risk-Ansätze erläutert. Zur integrierten Betrachtung von Risiken und Chancen werden diverse Risiko-Kennzahlen vorgestellt und diskutiert.

Das Planspiel Risikomanagement bereitet die Teilnehmer auf den Umgang mit komplexen Entscheidungen im Risikomanagement vor. Planspiele ermöglichen dabei den Teilnehmern das Ausprobieren von unterschiedlichen Strategien der Risikosteuerung - basierend auf der bewährten Methode des "Action Learning". Die Teilnehmer stehen dabei im Wettbewerb mit anderen (Planspiel-)Unternehmen auf einem simulierten Markt. Durch ihre Risikomanagement-Entscheidungen wird der Erfolg ihres Unternehmens wesentlich beeinflusst.

Im Workshop "Prognose- und Frühwarnsysteme" (8. Oktober 2010) entwickeln wir gemeinsam mit den Teilnehmern stochastische Prognose- und Frühwarnsysteme aus den Bereichen Marktrisiken und operationelle Risiken. Weiter

 


RiskNET Kolumne September 2010: Die Finanz- und Wirtschaftskrise: Ursachen und Implikationen

Die durch die Subprimekrise ausgelöste weltweite Finanzkrise unterscheidet sich auf den ersten Blick im Kern nicht von früheren Bankkrisen. Ausgelöst durch niedrig Realzinsen und Finanzinnovation kam es zu spekulativen Exzessen auf den Immobilien- und Kreditmärkten, insbesondere zu stark steigenden Preisen der Immobilien, was nach dem Platzen der Blase stark sinkende Immobilien- und Aktienpreise und - auch psychologisch bedingt - einen starken Rückgang der Nachfrage, speziell nach Investitionsgütern zur Folge hatte (Auch die savings and loan crisis in den 80er Jahren wurde ausgelöst durch die starke und unerwartete Zinserhöhung der amerikanischen Zentralbank, die durch die Maßnahme die hohen Inflationsraten bekämpfen wollte). Ungewöhnlich im Vergleich zu anderen Bankkrisen ist jedoch, dass die USA als primär betroffener Staat der Subprimekrise nicht von einem plötzlichen Stopp der Kapitalimporte betroffen war und auch der US-Dollar stabil blieb.

Die relativ schweren realwirtschaftlichen Auswirkungen der Krise sind darauf zurückzuführen, dass zwei in der Vergangenheit zu beobachtende "übliche" Krisenkomponenten in Kombination eingetreten sind. Zu der etwas früher oder später zu erwartenden Krise durch das Platzen der Asset Price Bubbles an vielen internationalen Immobilienmärkten (1. Krisenkomponente) kam im Herbst 2008 eine weitere Krisenkomponente, die wesentlich überraschender war. Weiter

 






Aktuelle Buchempfehlungen

Stochastik für Einsteiger. Eine Einführung in die faszinierende Welt des Zufalls

Von: Norbert Henze, 8. Auflage, Vieweg+Teubner Verlag, 366 Seiten, Wiesbaden 2010.

Der Zufall führt Regie bei den wöchentlichen Ziehungen der Lottozahlen, und er steht Pate bei Spielen wie Mensch-ärgere-Dich-nicht! oder Roulette, wobei Zufall meist mit Glück oder Pech verbunden wird. Das Wort Stochastik steht als Sammelbegriff für die Gebiete Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik und kann kurz und prägnant als "Mathematik des Zufalls" bezeichnet werden. Im Vorwort definiert der Autor Stochastik als "Kunst des geschickten Vermutens". Er verweist darauf, dass Stochastik keinesfalls nur ein Teilgebiet der Mathematik ist, sondern vielmehr eine interdisziplinäre Wissenschaft mit vielfältigen Anwendungen, deren formale Sprache die Mathematik ist.

Das Buch von Norbert Henze (Professor am Institut für Stochastik an der Universität Karlsruhe) bietet einen kompakten und einfachen Einstieg in die faszinierende Welt des Zufalls. Hierbei werden nur elementare mathematische Grundkenntnisse vorausgesetzt. In den einführenden Kapiteln finden die Leser die Grundlagen des Zufallsexperiments, der Ergebnismenge, der Ereignisse, der Zufallsvariable, der relativen Häufigkeit sowie der Grundbegriffe der beschreibenden Statistik. Weiter

 






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