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 RiskNET Newsletter vom 30. Juli 2010

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Marktbewegungen stellen Stressszenarien in den Schatten

Was haben wir dann letzten Freitag gesehen? Die Umsetzung bzw. die Parameterfestlegung des Stresstests für europäische Banken erinnert doch sehr an die Wohlfühlparolen, die auch von höchsten europäischen Stellen in den letzten Wochen ausgerufen wurden. Mit einem gesunden Zweckpessimismus lässt sich allerdings eine gewisse Ignoranz der Regulierungsbehörden bezüglich den ökonomischen Realitäten feststellen, welche politisch und psychologisch vielleicht nachzuvollziehen ist, jedoch nicht zur Stabilität des Finanzsystems beitragen wird, da keine Tendenz zu erkennen ist, die prinzipiellen Funktionsstörungen desselben beheben zu wollen. Wir stressen im Folgenden das System auf ganz rudimentäre Weise - nämlich mit den im Markt bereits eingepreisten Ausfallwahrscheinlichkeiten und Verwertungsquoten europäischer Staaten.

Im Vorfeld des Stresstests gab es natürlich von vielen Seiten Kritik an der Durchführung und leider wurde diese nach Bekanntgabe der Ergebnisse ex post gerechtfertigt. Am Freitagnachmittag wurden bereits die ersten Zweifler bestätigt, nachdem bekannt wurde, dass der Stresstest ausschließlich auf die Handelsbücher und nicht die gesamten (EU Staatsanleihen-)Bestände der Banken angewendet wird. Die ersten Reaktionen am Markt waren auch dementsprechend zynisch, nur eine sei hier anonym zitiert: "Wer ist dann noch so ungeschickt und fällt durch?" Offensichtlich sieben Institute, die nicht schnell genug ihre Bestände umbuchen konnten bzw. so horrende Risiken (relativ zu ihrem Eigenkapital) in ihren Büchern haben, dass sie nicht in der Lage waren, diese zu verschleiern. Alle großen und systemrelevanten Banken haben somit den Test locker bestanden, was letztlich nicht verwundern sollte, da eher davon auszugehen ist, dass dies als Ergebnis bereits feststand und die Parameter des Tests entsprechend festgelegt wurden. Weiter

 


Unternehmen scheuen Risiken des Cloud-Computing

Im Internet wird seit einigen Jahren die nächste Revolution der Computerbranche eingeläutet: Cloud Computing soll die Zukunft der Informations- und Kommunikationstechnologie ganz wesentlich beeinflussen. Als Cloud Computing bezeichnet man die Möglichkeit, Speicherkapazitäten, Rechenleistung und Software über das Internet zu mieten. Die IT-Infrastruktur, etwa  das Rechenzentrum, Mail- oder Kollaborationssoftware oder auch Spezialsoftware wie Customer-Relationship-Management (CRM) oder Business-Intelligence  (BI) wird durch den Anwender nicht mehr selbst betrieben oder bereitgestellt, sondern von externen Anbietern als Dienstleistung gemietet. Logische Konsequenz ist, dass die Anwendungen und Daten sich nicht mehr auf dem lokalen Rechner oder im Firmenrechenzentrum befinden, sondern in der (metaphorischen) Wolke. Der Zugriff auf die entfernten Systeme erfolgt über ein Netzwerk, beispielsweise das Internet.

Vorreiter der Cloud-Entwicklung sind die zahlreichen Gratisangebote im Netz der Netze: Internetgestützte E-Mail-Dienste wie Google Mail oder Web.de oder Bilderdienste wie Picasa oder Flickr. Nach einer Schätzung der International Data Corporation (IDC) wird der Branchenumsatz europäischer Clouddienste auf etwa sechs Milliarden Euro im Jahre 2013 ansteigen. Weiter

 






RiskNET Intensiv-Seminar & Planspiel 2010: Risikomanagement in Industrie und Handel

Das RiskNET-Intensiv-Seminar (6.-7. Oktober 2010) vermittelt Methodenkompetenz in praxisorientierten Verfahren zur Risikomessung und -berichterstattung. Neben dem klassischen Instrumentarium und den aus dem Finanzdienstleistungsbereich bekannten Value at Risk-Modellen werden neue, speziell für die Anforderungen von Industrie- und Handelsunternehmen entwickelten Cashflow at Risk (CFaR) und Budget at Risk Ansätze erläutert. Zur integrierten Betrachtung von Risiken und Chancen werden weitere Risiko-Kennzahlen vorgestellt und diskutiert.

Das Planspiel Risikomanagement bereitet die Teilnehmer auf den Umgang mit komplexen Entscheidungen im Risikomanagement vor. Planspiele ermöglichen dabei den Teilnehmern das Ausprobieren von unterschiedlichen Strategien der Risikosteuerung - basierend auf der bewährten Methode des "Action Learning". Die Teilnehmer stehen dabei im Wettbewerb mit anderen (Planspiel-)Unternehmen auf einem simulierten Markt. Durch ihre Risikomanagement-Entscheidungen wird der Erfolg ihres Unternehmens wesentlich beeinflusst.

Im Workshop "Prognose- und Frühwarnsysteme" (8. Oktober 2010) entwickeln wir gemeinsam mit den Teilnehmern stochastische Prognose- und Frühwarnsysteme aus den Bereichen Marktrisiken und operationelle Risiken. Weiter

 


Konkretisierung der Überwachungspflichten von Aufsichtsräten

Der mit dem BilMoG geänderte § 107 Abs. 3 Satz 2 AktG enthält zwar keine neuen gesetzlichen Anforderungen, konkretisiert aber die Überwachungspflichten von Aufsichtsräten. Demnach tragen Aufsichtsräte die Verantwortung für die Überwachung des Rechnungslegungs- und Prüfungsprozesses, der Wirksamkeit des internen Kontrollsystems, des Risikomanagement-Systems sowie des internen Revisionssystems. Laut der Studie "Neue Pflichten für Aufsichtsräte?" der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young nehmen 94 Prozent der befragten Aufsichtsräte diese Konkretisierung ihrer Überwachungsaufgabe als Verschärfung ihrer Pflichten wahr. Gleichzeitig begrüßen 88 Prozent der Befragten die Konkretisierung.

Immerhin 44 Prozent der Befragten halten die öffentliche Kritik, die im Zuge der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise an der Arbeit ihrer Zunft laut wurde, für gerechtfertigt. Mit nur 31 Prozent bezeichnet ein deutlich geringerer Anteil die Kritik als unberechtigt Zudem sind die Aufsichtsräte hinsichtlich des Umsetzungsstandes der Anforderungen durch § 107 Abs. 3 Satz 2 AktG in den Unternehmen sehr viel skeptischer als die befragten Vorstände und Geschäftsführer: Während 75 Prozent der Aufsichtsräte glauben, dass das Risk-Management-System in den Unternehmen effizienter und leistungsfähiger sein könnte, sind nur 33 Prozent der Vorstände und Geschäftsführer dieser Meinung. Weiter

 



Wozu ein Standard zur Prüfung von Compliance-Management-Systemen?

Der vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) im März 2010 vorgestellte Entwurf eines Standards zur Prüfung von Compliance Management Systemen (CMS) wurde in der Öffentlichkeit nicht nur mit Zustimmung aufgenommen. Auch hier auf dem Kompetenzportal RiskNET zweifelten Peter Hager und Frank Romeike in ihrem Beitrag "IDW EPS 980: Risiken und Nebenwirkungen ausufernder Kontrollsysteme" vom 12. Mai 2010, ob der Standard das Thema Compliance nicht nur zum Erzeugen von neuem Beratungs- und Prüfungsaufwand instrumentalisieren würde. Der Standard würde inhaltlich wenig neue Erkenntnisse, aber im Gegenzug viel Papier mit sich bringen. Die Online-Zeitschrift "Compliance" der Finance-Redaktion stellt in Ihrer April Ausgabe die Frage, ob der Standard ein "Bürokratiemonster" sei.

Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll näher zu betrachten, warum das IDW die Notwendigkeit für einen solchen Standard sah, was das IDW mit dem Standardentwurf beabsichtigte und was der Standard  erreicht. Das Thema "Compliance" hat in den letzten Jahren (nicht nur in Deutschland) eine immer höhere Bedeutung für Unternehmen erlangt. Dies liegt nicht nur an einer merklich gestiegenen Verfolgung von Verstößen bspw. gegen Anti-Korruptionsvorschriften durch die US-amerikanischen und auch die deutschen Strafverfolgungsbehörden sowie der Öffentlichkeitswirksamkeit  insbesondere von Verfahren gegen große deutsche Unternehmen. Auch in anderen Bereichen, beispielsweise den Datenschutzvorschriften, müssen Unternehmen erkennen, dass sie nicht zur zunehmend schnell Bekanntschaft mit der Staatsanwaltschaft machen, sondern ihr öffentliches Image ebenso schnell Schaden nehmen kann. Weiter

 






Nächster Start: Master Risiko- und Compliancemanagement

Die Hochschule Deggendorf hat mit dem Komptenzportal RiskNET und dem TÜV Süd den deutschlandweit einzigartigen Weiterbildungsstudiengang Master Risiko- und Compliancemanagement entwickelt. Dieser ist eine Antwort auf die Finanz- und Wirtschaftskrise. Denn die Branche ist sich einig, dass neben Banken vor allem auch Industrie-, Dienstleistungs- und Handelsunternehmen ihr Risikomanagement im Sinne eines "Frühwarnsystems" professionalisieren müssen. Die Vorlesungen finden am Wochenende statt  und das komplette Programm besteht aus drei Semestern. In den ersten beiden Semestern finden Vorlesungen statt, zum Beispiel zu den Themen Risikomanagement pro Abteilung, Produkthaftungsrisikosteuerung, Versicherbarkeit von Risiken, aktuelle Risikomanagementstandards und Compliancemanagement. Die Masterarbeit wird im dritten Semester angefertigt. Bei erfolgreichem Studium dürfen die Absolventen den international anerkannten Titel "Master of Arts" tragen, der auch zur Promotion berechtigt.

Das Studium beginnt im März 2011. Damit die Zulassungsvoraussetzungen erfüllt sind, müssen die Studierenden einen erfolgreichen Abschluss eines Hochschulstudiums, in welchem mindestens 240 ECTS-Kreditpunkte erworben wurden, vorweisen. Weiter

 



440 Katastrophen im ersten Halbjahr verursachen 70 Mrd. USD Schaden

Der Rückversicherer Munich Re hat im ersten Halbjahr des laufenden Jahres zahlreiche Naturkatastrophen und ein außergewöhnlich hohes Ausmaß an verursachten Schäden registriert. Von Januar bis Juni haben sich 440 Vorfälle ereignet, wie die Munich Re am Mittwoch mitteilte. Das sei die zweithöchste Anzahl in einem ersten Halbjahr seit dem Jahr 2000. Die volkswirtschaftlichen Schäden bezifferte der Rückversicherer auf 70 Mrd US-Dollar. Diese Summe liege nach sechs Monaten bereits höher als im gesamten Vorjahr und auch deutlich über dem Halbjahresdurchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Versichert gewesen seien davon 22 Mrd US-Dollar, mehr als doppelt so viel wie im Durchschnitt der ersten Halbjahre seit 2000 und auch mehr als im bislang schadenträchtigsten ersten Halbjahr 2008.

"Nach einem recht glimpflichen Jahr 2009 hatten wir in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bereits drei so genannte große Naturkatastrophen", sagte Peter Höppe, Leiter der GeoRisikoForschung von Munich Re. Vor allem die Erdbeben in Haiti und in Chile zählten zu den verheerendsten jemals aufgezeichneten Ereignissen. In Haiti starben am 12. Januar 223.000 Menschen, 1,2 Millionen Menschen wurden obdachlos. Die volkswirtschaftlichen Schäden seien gemessen an der Wirtschaftskraft des Landes enorm gewesen. Da so gut wie kein Versicherungsschutz bestand, seien die versicherten Schäden mit 150 Mio US-Dollar dagegen gering ausgefallen. Weiter

 


Aktuelle Uploads in der RiskNET eLibrary

ISO 31000 versteht sich als international abgestützter, vielseitig anwendbarer, umfassender und offener Risikomanagement-Standard. Die ISO 31000 sieht das Risk Management als Führungsaufgabe. Das komplette Risikomanagementsystem basiert auf dem Prinzip des PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act). In der Veröffentlichung "A structured approach to Enterprise Risk Management (ERM) and the requirements of ISO 31000" finden Sie Hinweise und Tipps für die Umsetzung eines integrierten Risikomanagements.

Download der Dokumentation "A structured approach to Enterprise Risk Management (ERM) and the requirements of ISO 31000" in der RiskNET eLibrary (Rubrik OpRisk): Weiter

 



Aktuelle Buchempfehlungen

Täuschwirtschaft - Wie die Wirtschaft sich selbst und uns alle betrügt

Von: Alexander Dill, FinanzBuch Verlag, 190 Seiten, München 2010.

Mit Nach der "Der große Raubzug" (Rezension sowie Interview mit dem Autor auf RiskNET) folgt nun eine Abrechnung mit der nationalen und internationalen Finanzwirtschaft sowie der Wirtschaft insgesamt. In seiner bekannt offensiven Art lüftet Alexander Dill unter dem Begriff der "Täuschwirtschaft" diverse Fehlentwicklungen durch Interessengruppen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. In weiten Teilen unseres täglichen Lebens werden wir - so der Autor - übers Ohr gehauen. So werden beispielsweise rund 69 Prozent des Einkommens durch Lohnsteuer, Sozialabgaben und Umsatzsteuer gepfändet. Dill weiter: "Es widerspricht der angeblich existierenden Marktwirtschaft, wenn ein Großteil des Einkommens zwangsverpfändet wird, anstatt sich in angeblich konkurrierenden Märkten aussuchen zu dürfen, wohin es fließt."

Das Buch ist in drei Teile gegliedert und enthält einen kleinen Anhang, der sich mit einem bei der Investment-Bank Goldman Sachs vor wenigen Monaten aufgedeckten Betrugsfall (Buddies First: Warum der Fall Goldman Sachs keine Ausnahme, sondern die Regel ist) befasst. Im ersten Teil des Buches erfährt der Leser - basierend auf 13 Beispielen - warum wir systematisch durch gezielte Fehlinformationen getäuscht werden. Wussten Sie beispielsweise, dass Mineralwasser an Tankstellen in Deutschland 425 Prozent teurer ist als in der Schweiz? Oder das der deutsche Staat Stundenlöhne von 2.000 Euro zulässt? Dass mit Dispositionskrediten an Arbeitslose eine Rendite von 1.600 Prozent erreicht wird? Weiter

 






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