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 RiskNET Newsletter vom 27. April 2010

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Scheingenauigkeit als Scheinargument

Der Nutzen eines leistungsfähigen Risikomanagements in Unternehmen wird inzwischen wohl kaum mehr bestritten: Verbesserung von Planungssicherheit, Abwehr von Krisen, Reduzierung von Eigenkapitalbedarf und Kapitalkosten und bessere unternehmerische Entscheidungen durch Abwägen erwarteter Erträge und Risiken sind überzeugende Vorteile.

Um diese Nutzenpotenziale erschließen zu können, sind quantitative (oft aggregierte) Risikoinformationen erforderlich. Und genau hier wird ein Argument gegen den zügigen Ausbau der Risikoanalysefähigkeiten angeführt: Quantifizierte Risiken würden nur Scheingenauigkeiten bieten, beispielsweise wegen der Subjektivität der Risikobewertung und der begrenzten Verfügbarkeit statistisch auswertbarer Daten.

Dieses beliebte "Totschlagargument" ist ein reines Scheinargument, das auf einer völlig falschen Sichtweise der Idee einer risiko- und wertorientierten Unternehmensführung fußt. Durch Risikoquantifizierung sollen gerade Scheingenauigkeiten vermieden werden. Risikoanalysen sollen und können für den Grad an Wissen oder Nichtwissen über die Zukunft, über Planungsunsicherheiten, den Umfang möglicher Planabweichungen und Bandbreiten der Zukunftsentwicklung informieren. Weiter

 






Ausnahmen für Nicht-Finanzunternehmen bei Derivate-Regulierung

Bei der geplanten Derivate-Regulierung der EU-Kommission sind offenbar Ausnahmen für Unternehmen außerhalb des Finanzsektors vorgesehen. Die EU-Kommission will den Derivate-Handel Großteils über Clearinghäuser abwickeln, um Effizienz und Sicherheit am Markt zu erhöhen. Wie aus einem einsprechenden Gesetzentwurf hervorgeht, in den Dow Jones Newswires am Mittwoch Einsicht hatte, werden nicht-finanzielle Unternehmen von der Regelung wohl unter gewissen Voraussetzungen ausgenommen.

Für wen die neuen Vorschriften im Derivate-Handel gelten sollen, ist eine der kontrovers diskutierten Fragen. Größere Unternehmen wie die Deutsche Lufthansa und E.ON hatten moniert, dass durch die neue Regelung der Markt für spezielle Derivate-Produkte begrenzt werde, den die Unternehmen zur Absicherung bräuchten. Die EU-Kommission will die neuen Derivate-Regeln im laufenden Jahr einführen. Weiter

 


Integriertes Risiko- und Compliancemanagement

Die strengen regulatorischen Anforderungen an Kreditinstitute erfordern eine neue Sichtweise auf das Thema Compliance. Die häufig isolierte Betrachtungsweise von Compliance- und Risikomanagement führt zu redundanten Prozessen, hohen Kosten und Lücken im Überwachungs- und Kontrollsystem. Eine aktuelle Umfrage unter deutschen Banken zeigt, dass die Problematik zwar bekannt, aber eine effektive Lösung noch in weiter Ferne ist. Der Ansatz des "Integrated Compliance & Risk Management" (ICRM) könnte hierbei Abhilfe schaffen. 

Die Finanzbranche befindet sich aufgrund der globalen Wirtschaftskrise in einem tiefgreifenden, strukturellen Umbruch. Kreditinstitute stehen steigenden Anforderungen gegenüber: Die Märkte sollen transparenter, stärker standardisiert sowie regulierter werden und die Rahmenbedingungen umfangreicher. Durch die verschärfte Branchenaufsicht und die Globalisierung werden die Risiken vielschichtiger. Weiter

 







RiskNET Planspiel & Seminar 2010: Risikomanagement in Industrie und Handel

Das Intensiv-Seminar (5.-6. Mai 2010) vermittelt Methodenkompetenz in praxisorientierten Verfahren zur Risikomessung und -berichterstattung. Neben dem klassischen Instrumentarium und den aus dem Finanzdienstleistungsbereich bekannten Value at Risk-Modellen werden neue, speziell für die Anforderungen von Industrie- und Handelsunternehmen entwickelten Cashflow at Risk (CFaR) und Budget at Risk Ansätze erläutert. Zur integrierten Betrachtung von Risiken und Chancen werden weitere Risiko-Kennzahlen vorgestellt und diskutiert.

Das Planspiel Risikomanagement bereitet die Teilnehmer auf den Umgang mit komplexen Entscheidungen im Risikomanagement vor. Planspiele ermöglichen dabei den Teilnehmern das Ausprobieren von unterschiedlichen Strategien der Risikosteuerung - basierend auf der bewährten Methode des "Action Learning". Die Teilnehmer stehen dabei im Wettbewerb mit anderen (Planspiel-)Unternehmen auf einem simulierten Markt. Durch ihre Risikomanagement-Entscheidungen wird der Erfolg ihres Unternehmens wesentlich beeinflusst.

Im Workshop "Prognose- und Frühwarnsysteme" (7. Mai 2010) entwickeln wir gemeinsam mit den Teilnehmern stochastische Prognose- und Frühwarnsysteme aus den Bereichen Marktrisiken und operationelle Risiken. Weiter

 


Das Schreckgespenst der "Global Imbalances"

Die Europäische Zentralbank hat die Märkte dieser Tage aufgeschreckt. Die globalen Leistungsbilanzungleichgewichte, so schreibt sie in ihrem neuesten Monatsbericht, nähmen im Zuge der konjunkturellen Erholung wieder zu. Das sei ernst zu nehmen. Vor drei Jahren seien es diese Salden gewesen, die "erste Anzeichen der Krise" waren. Wenn jetzt nichts gegen die neuen Ungleichgewichte getan werde, dann könnte es erneut zu einer Zuspitzung kommen. Das ist starker Tobak. Müssen wir uns an den Märkten also wieder anschnallen, weil die nächsten Turbulenzen drohen?

Warnungen der EZB sind immer ernst zu nehmen. Niemand kann ein Wiederaufleben der Krise ausschließen. Es gibt viele Schwachstellen, von den Griechenland-Problemen über die weiter labile Situation vieler Banken, bis zu den jüngsten Ausfällen bei Gewerbeimmobilien. Anschnallen ist also in jedem Fall angesagt. Die globalen Leistungsbilanzungleichgewichte rangieren dabei aber eher in der zweiten Reihe. Hier übertreibt die EZB. Weiter

 


Besteuerungsformen zur Vermeidung exzessiver Risiken

Der Internationale Währungsfonds (IWF) schlägt einem Medienbericht zufolge zwei Besteuerungsformen für Banken und Finanzinstitute vor, um Finanzkrisen zu vermeiden oder künftige Rettungsaktionen zu finanzieren. Der IWF empfiehlt den G-20-Staaten zum einen eine "Abgabe für die Finanzstabilität", um die Kosten für etwaige Zusammenbrüche von Banken wieder hereinzuholen, wie aus einem IWF-Bericht an die Regierungen der G-20-Länder hervorgeht, den der Sender BBC am Dienstagabend auf seiner Internetseite veröffentlichte. Zum anderen befürwortet der IWF eine "Steuer auf die Finanzaktivität", die sich auf Gewinne und Bonuszahlungen bezieht. Eine Transaktionssteuer sieht der IWF dagegen kritisch. Weiter

 


Abakus der Goldmänner steht am Pranger

Abakus hießen die Kreditpakete, die Goldman Sachs vor einigen Jahren an Investoren verkaufte. Angelehnt war der Name an das mehr als 3000 Jahre alte mechanische Rechenhilfsmittel, bei dem in der Regel Holz- oder Glasperlen auf Stäben aufgefädelt werden. Die Grundrechenarten Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division sowie das Ziehen von Quadrat- und Kubikwurzeln sind mit dem Abakus ohne Probleme möglich. Ob die mechanischen Rechenmaschinen jedoch auch zur Bewertung komplexer synthetischer Verbriefungspäckchen geeignet sind, ist mehr als fragwürdig.

Die Vertriebsprofis von Goldman Sachs priesen in den Verkaufsprospekten "Abakus 2007-AC1" als lukratives Investment in den US-Häusermarkt an und verschwiegen dabei wohl die potenziellen Risiken. Nicht nur die deutsche IKB fielen darauf herein. Im Verkaufsprospekt findet sich auch kein Hinweis, dass der US-amerikanische Hedge-Funds-Milliardär John Paulson auf einen Kollaps des US-Immobilienmarktes wettete und parallel an der Entwicklung der Kreditverbriefungen á la Abakus mitwirkte. John Paulson soll Goldmann dabei beraten haben, welche Kredite in das CDO-Paket gepackt wurden und wettete gegen die Investoren. Insider berichten, dass dies zur damaligen Zeit ein übliches Geschäftsmodell und Vorgehen an der Wall Street war. So sind die Sorgen vieler Experten berechtigt, die davon ausgehen, dass die SEC bis heute nur die Spitze des Eisberges gesichtet hat. Weiter

 






Kompaktseminar und Ergänzungsworkshop: Aufbau eines Risikomanagementsystems für Versicherungsunternehmen, 18.-20. Mai 2010 in München

Der Wert eines (Versicherungs-)unternehmens hängt von den zukünftigen, über die Erwirtschaftung der Kapitalkosten hinausgehenden Erträgen und den damit verbundenen Risiken determiniert. Ergo werden Versicherungsunternehmen, die über gute und effiziente Instrumente zur Messung und Steuerung ihrer Risiken verfügen, sich einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil verschaffen.

In den ersten beiden Tagen des Seminars vermitteln wir Ihnen einen Überblick über die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen des Risikomanagements von Versicherungsunternehmen. Dabei verknüpfen wir die Regelungen des BaFin-Rundschreibens 3/2009 mit Praxisbeispielen, um Ihnen die notwendigen Schritte zum Aufbau und zur Organisation eines Risikomanagementsystems gemäß den MaRisk VA näherzubringen. Am dritten (optionale) Tag entwickeln wird - gemeinsam mit den Teilnehmern - ein internes Risikomodell und entwickeln ein "einfaches" Limitsystems. Alle Teilnehmer erhalten den Praxisleitfaden "MaRisk VA erfolgreich umsetzen" (Korte/Romeike). Weiter

 


Aktuelle Uploads in der RiskNET eLibrary

Die Anfänge des modernen Reputationsrisiko-Managements wurzeln in drei Ansätzen: zum einen liegen sie in der Analyse der erfolgreichsten US-Unternehmen, so wie sie das Forbes-Magazine in Form von Rankings publizierte. Das Reputation Institute in New York führt diesen Ansatz heute weiter. Zum anderen leiten sich aus der Praxis des Issues Managements gute Gründe ab, die Unternehmensreputation systematisch zu behandeln. Schließlich kommen auch die Überlegungen zum Thema "Excellence" zu dem Punkt, an dem sich die R-Frage stellt. Diese drei Traditionen gilt es zu synchronisieren, um ein erfolgreiches Reputationsrisiko-Management aufbauen zu können.

Download des Artikels "Management des Reputationsrisikos" in der RiskNET eLibrary (Rubrik OpRisk): Weiter







Aktuelle Buchempfehlungen

Handbuch Credit Management

Von: Roland F. Erben/Stefan Hirschmann, Bank-Verlag Medien GmbH, 392 Seiten, Köln 2009

Schon seit Jahren sind Anstrengungen der Unternehmen zu konstatieren, durch aktives Forderungs- und Kreditmanagement nicht nur die Working-Capital-Position zu verbessern, sondern aktives Kreditmanagement als ein Instrument zu nutzen, um Kreditlinien seitens der Banken weniger stark zu belasten. Aktives Kreditmanagement hilft, Kreditrisiken und somit Forderungsausfälle zu vermeiden und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Liquiditätsverbesserung. Die freiwerdende Liquidität kann zur Reduzierung eigener Bankverbindlichkeiten genutzt werden, um über die Senkung der Fremdfinanzierungskosten den Unternehmenswert positiv zu gestalten.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise kommt dem Thema Kreditmanagement eine hohe Relevanz zu. Dies setzt eine Kreditprüfung voraus, die die Kreditwürdigkeit eines Schuldners prüft. Mit dem vorliegenden Buch wollen die Herausgeber den aktuellen Stand des "Credit Management" beleuchten und Ansatzpunkte für "Best-Practice" Ansätze vorstellen, um so "Ansatzpunkte zur Optimierung der Strategien und Prozesse in den Unternehmen aufzuzeigen". Das Themenspektrum wurde breit ausgewählt.  Weiter

 


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Die Mediadaten 2010 finden Sie hier: www.risknet.de/Mediadaten.480.0.html

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