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 RiskNET Newsletter vom 2. November 2010

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Nachruf auf Benoît B. Mandelbrot

Hätten die Marktteilnehmer in den vergangenen Jahren auf den Mathematiker Benoît B. Mandelbrot gehört, dann wären sie von den turbulenten Ereignissen nicht besonders überrascht gewesen und hätten sich hoffentlich präventiv vorbereitet. Der in Polen geborene, in den USA forschende und in Frankreich lebende Wissenschaftler hatte das Thema lange vor den jüngsten Marktturbulenzen auf den Punkt gebracht: Wenn ein Seefahrer ein Schiff baut, interessiert ihn nicht, wann genau der nächste Sturm kommt. Er baut das Schiff so, dass es jeden denkbaren Sturm überlebt. Die Finanzmarktakteure haben sich so verhalten, als gäbe es nur Sonnentage.

Mandelbrot setze sich auch kritisch mit dem beliebten Risikomaß auseinander: "Dass ich nicht lache. Der Value at Risk soll das potenzielle Risiko anzeigen? […] Wenn Sie sich anschauen, wie das Risiko von verschiedenen Finanzprodukten gemessen wird, stellen Sie fest, dass fast alles unter der Annahme der Normalverteilung beurteilt wird. Deshalb wird das Risiko systematisch unterschätzt. Ich hoffe, dass meine Theorie der Fraktale eines Tages so leicht anwendbar sein wird wie die Normalverteilung. Dann werden Sie sehen, dass das Risiko in Wahrheit viel größer ist." Weiter

 

 






Nächster Start: Master Risiko- und Compliancemanagement

Die Hochschule Deggendorf hat mit dem Komptenzportal RiskNET und dem TÜV Süd den deutschlandweit einzigartigen Weiterbildungsstudiengang Master Risiko- und Compliancemanagement entwickelt. Dieser ist eine Antwort auf die Finanz- und Wirtschaftskrise. Denn die Branche ist sich einig, dass neben Banken vor allem auch Industrie-, Dienstleistungs- und Handelsunternehmen ihr Risikomanagement im Sinne eines "Frühwarnsystems" professionalisieren müssen. Die Vorlesungen finden am Wochenende statt  und das komplette Programm besteht aus drei Semestern. In den ersten beiden Semestern finden Vorlesungen statt, zum Beispiel zu den Themen Risikomanagement pro Abteilung, Produkthaftungsrisikosteuerung, Versicherbarkeit von Risiken, aktuelle Risikomanagementstandards und Compliancemanagement. Die Masterarbeit wird im dritten Semester angefertigt. Bei erfolgreichem Studium dürfen die Absolventen den international anerkannten Titel "Master of Arts" tragen, der auch zur Promotion berechtigt.

Das Studium beginnt im März 2011. Damit die Zulassungsvoraussetzungen erfüllt sind, müssen die Studierenden einen erfolgreichen Abschluss eines Hochschulstudiums, in welchem mindestens 240 ECTS-Kreditpunkte erworben wurden, vorweisen. Weiter

 



Der globale Kampf um Rohstoffe

Seit mehr als zwei Jahrzehnten beklagt die Industrie in regelmäßigen Abständen Gewinneinbußen infolge schwankender Marktpreise für Rohstoffe und Wechselkursschwankungen bei Exporterlösen. Die Liste der geschädigten Unternehmen liest sich wie das "who-is-who" der deutschen Wirtschaft: BMW, Daimler, Lufthansa sowie zahlreiche Mittelständler gehören zu dem Kreis der Betroffenen. Teilweise finden sich inzwischen in den Jahresberichten Hinweise auf einen Ausbau der Risikomanagementsysteme um auch die Marktpreisschwankungen zu managen.  Vielfach mangelt es jedoch an geeigneten Ansätzen zur Risikomessung und -steuerung, insbesondere in mittelständischen Unternehmen.

Der Branchendienst KI Kunststoffinformation hat gemeinsam mit dem Einkaufsdienstleister Inverto aus Köln unlängst eine Befragung unter 220 Vorständen, Geschäftsführern und Einkaufsleitern deutscher Unternehmen durchgeführt. Die Ergebnisse bestätigen das althergebrachte Bild: Bei rund 84 Prozent der befragten Unternehmen wurde seit 2007 das Unternehmensergebnis schon einmal durch Rohstoffpreisschwankungen negativ beeinflusst. Weiter

 



Die Welt im Währungskrieg?

Ist das wirklich ein Währungskrieg, wie es jetzt von vielen behauptet wird? Solche Dramatisierungen sind vor Tagungen des Internationalen Währungsfonds (die am Wochenende in Washington beginnt) nicht ungewöhnlich. Man sollte sie nicht überbewerten. Andererseits ist der Gedanke eines Währungskrieges nicht abwegig. Ich erinnere mich nicht, dass es in den letzten Jahren weltweit in so kurzer Zeit so viele und so starke Wechselkursveränderungen gegeben hat.

Es fing an mit dem Schweizer Franken. Er brach seit Jahresbeginn von 1,49 Franken je Euro auf 1,28 ein (Aufwertung um 14 Prozent). Der japanische Yen ging gegenüber dem US-Dollar von dem schon sehr niedrigen Niveau zu Jahresanfang (93 Yen je Dollar) noch einmal um 10 Prozent nach unten. Das britische Pfund schwächte sich gegenüber dem Euro seit Ende Juni ab von 0,81 auf 0,86 Euro (7 Prozent). Der brasilianische Real ging trotz heftiger Interventionen der Notenbank um 10 Prozent nach unten. Zuletzt ist auch der Euro ausgebrochen. Dabei sind die Probleme mit den Staatsfinanzen in Südeuropa und in Irland noch keineswegs zu Ende. Weiter

 


88 Prozent der Unternehmen ohne Risikostrategie unterwegs

Der Umgang mit Risiken im Unternehmen der Realwirtschaft und die nachhaltige Steuerung dieser Risiken haben aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklungen seit 2008 stark an Bedeutung gewonnen, so die Experten des Wirtschaftsprüfers PricewaterhouseCoopers (PWC) in der aktuellen Studie "Risk-Management-Benchmarking 2010". Unternehmen müssen auch in wirtschaftlich volatilen Situationen in der Lage sein, Risiken frühzeitig zu erkennen, die Gesamtrisikosituation zu bewerten und durch Einleiten adäquater Gegenmaßnahmen auf sie zu reagieren.

Die Benchmark-Studie zeigt auf, wie sich deutsche Großunternehmen der Realwirtschaft aktuell dieser Herausforderung stellen und wie ihr Risikomanagementsystem (RMS) ausgestaltet ist. Beim Thema Risikomanagement muss unterschieden werden zwischen den Anforderungen an ein Risikofrüherkennungssystem (RFS) nach § 91 II AktG und einem weiterentwickelten RMS, das in die Unternehmenssteuerungsprozesse integriert ist und zum Beispiel auch die Chancenberichterstattung berücksichtigt. Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass die große Mehrheit der untersuchten Großunternehmen die gesetzlichen Anforderungen erfüllt. In Bezug auf ein umfassendes RMS besteht jedoch noch viel ungenutztes Potenzial. Weiter

 



Stresstests: Komplexität von Risikomesssystemen nimmt zu

Die Bedeutung von Stresstests ist nicht zuletzt im Zuge der Finanzkrise enorm gestiegen. Dabei werden bestimmte Szenarien, die in der Regel eine Vielzahl von Risikofaktoren betreffen, zu Grunde gelegt und Parameterkonstellationen berücksichtigt, die zu besonders großen Änderungen im Wert des Portfolios bzw. in der Risikokennzahl führen. Der Eintritt eines solchen Szenarios erfolgt zwar mit niedriger Wahrscheinlichkeit, bleibt jedoch plausibel. Deswegen nehmen heute Stresstests einen sehr viel größeren Stellenwert im Risikomanagement einer Bank ein und müssen auch alle wesentlichen Zusammenhänge angemessen berücksichtigen. Zudem müssen sie selbst stärker in den Normalbetrieb integriert werden.

Dies bringt für die Risikomanager mitunter erhebliche Herausforderungen mit sich. "Neben den Regulatoren sind insbesondere die internen Adressaten von Stresstest-Ergebnissen wichtige zu berücksichtigende Anspruchsgruppen", sagt Carsten Wehn, Leiter Marktrisiko-Controlling bei der DekaBank in Frankfurt. Dabei stellt sich auch die Frage, welche Gremien in die unterschiedlichen Zielsetzungen diverser Stresstests einzubinden sind. Diese werden beispielweise bei der Limitierung oder als Ausweis im Rahmen des regelmäßigen Reportings berücksichtigt. Weiter

 

 






RiskNET Kolumne November 2010: Risiko aus Business Cases und Projekten - Wie sag ich's meinem Vorstand…?

"Business Cases" und "Projektkalkulationen" kommen eine entscheidende Rolle für den Projekterfolg zu: Sie sind die Basis für die Entscheidung für oder gegen das Vorhaben und "schlagen die Pflöcke ein" für alle weiteren Planungs- und Umsetzungsschritte. Die spätere Erfolgsbeurteilung hinsichtlich Budget, Zeit und oft auch Ergebnis fußt ebenfalls darauf. Projekte sind nun aber zumeist unsicher und risikobehaftet.  Das Risiko eines Projekts oder Business Cases besteht darin, die kalkulierten Kosten, geplanten Zeiten und angestrebten Ergebnisse - in Form von Mittelrückflüssen sowie neuen oder zu erhaltenden Handlungsmöglichkeiten - nicht einzuhalten.

In der Praxis hält inzwischen vermehrt das Bewusstsein Einzug, dass die Projektkalkulation bzw. Business Cases das entsprechende Risiko berücksichtigen und ausweisen sollten. Gefragt sind also Methodik und Reporting. Methodik und Reporting hängen beim Thema Risiko ein gutes Stück weit miteinander zusammen - allerdings nicht unzertrennbar. Der Zusammenhang von Risiko-Methode und Risiko-Reporting ist dabei einfach: Mit einem "lahmen Ackergaul" als Methode lässt sich die Darstellung nicht auf "Rennpferdniveau" bringen. Mit einer "Rennpferdmethode" hingegen ist ein systematisches Weglassen oder Verdichten von Informationen bis hin zur gewünschten, entscheidergerechten Darstellung stets möglich. Weiter

 


Aktuelle Buchempfehlungen

Compliance von A-Z

Von: Thomas Grützner/Alexander Jaokob, Verlag C. H. Beck, 160 Seiten, München 2010.

Compliance ist seit vielen Jahren in aller Munde. Für einige Geschäftsführer und Vorstände handelt es sich eher um eine zeit- und ressourcenkonsumierende Bürokratisierung. Sie weisen darauf hin, dass persönliche Integrität und individuelle Führungsverantwortung die Basis für eine gute Unternehmensführung (Corporate Governance) bildet und diese individuelle Verantwortung durch nichts - auch nicht Compliance - ersetzt werden kann. Andere Unternehmenslenker betrachten das Thema als ein wirksames Werkzeug der Haftungs- und Strafvermeidung. Compliance umfasst grundsätzlich die Einhaltung und Überwachung von Gesetzen, Richtlinien, internen Standards (beispielsweise eines Code of Conduct) und freiwilligen Kodizes innerhalb eines Unternehmens.

Tatsache ist, dass das Themenspektrum im Kontext Compliance eine große Spannbreite aufweist und sich vom Arbeitsrecht über das Kartellrecht, bis zum betriebswirtschaftlichen Risikomanagement und Wirtschafsstrafrecht erstreckt und eine Klammer um viele "etablierte" Themen setzt. Bei vielen Themen handelt es sich um "alten Wein in neuen Schläuchen". Weiter

 


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