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 RiskNET Newsletter vom 16. August 2010

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Die Finanz- und Wirtschaftskrise: Ursachen und Implikationen

Die durch die Subprimekrise ausgelöste weltweite Finanzkrise unterscheidet sich auf den ersten Blick im Kern nicht von früheren Bankkrisen. Ausgelöst durch niedrig Realzinsen und Finanzinnovation kam es zu spekulativen Exzessen auf den Immobilien- und Kreditmärkten, insbesondere zu stark steigenden Preisen der Immobilien, was nach dem Platzen der Blase stark sinkende Immobilien- und Aktienpreise und - auch psychologisch bedingt - einen starken Rückgang der Nachfrage, speziell nach Investitionsgütern zur Folge hatte (Auch die savings and loan crisis in den 80er Jahren wurde ausgelöst durch die starke und unerwartete Zinserhöhung der amerikanischen Zentralbank, die durch die Maßnahme die hohen Inflationsraten bekämpfen wollte). Ungewöhnlich im Vergleich zu anderen Bankkrisen ist jedoch, dass die USA als primär betroffener Staat der Subprimekrise nicht von einem plötzlichen Stopp der Kapitalimporte betroffen war und auch der US-Dollar stabil blieb.

Die relativ schweren realwirtschaftlichen Auswirkungen der Krise sind darauf zurückzuführen, dass zwei in der Vergangenheit zu beobachtende "übliche" Krisenkomponenten in Kombination eingetreten sind. Zu der etwas früher oder später zu erwartenden Krise durch das Platzen der Asset Price Bubbles an vielen internationalen Immobilienmärkten (1. Krisenkomponente) kam im Herbst 2008 eine weitere Krisenkomponente, die wesentlich überraschender war. Weiter

 

 


Risiko- und Chancenmanagement bei der Deutschen Bahn

"Gute Unternehmensführung beinhaltet auch den verantwortungsbewussten Umgang mit Chancen und Risiken, die im Zusammenhang mit der Geschäftsführung entstehen. Für Vorstand und Aufsichtsrat ist deshalb die frühzeitige Identifizierung und Begrenzung von geschäftlichen Risiken von hoher Bedeutung." (Vgl. Geschäftsbericht 2008, S. 25). Soweit die Theorie. Die Rubrik "Technikrisiken" existierte im Geschäftsbericht des Jahres 2008 noch nicht. Aber nicht nur technische Pannen bereiten der Bahn im Sommer wie im Winter Ärger. Auch die Monopolkommission der Bundesregierung sorgte unlängst mit ihrer Forderung nach einer konsequenten Trennung zwischen Schienennetz und Schienenverkehr für Unbehagen. Hinzu kommt der Druck seitens der Bundesregierung, der dazu führt, dass die Bahn sich für den Aktienmarkt gesund spart. Seit der Bahnreform 1994 und der damit verbundenen Umwandlung in die private Rechtsform einer Aktiengesellschaft wird der Börsengang der Deutschen Bahn AG geplant.

Doch insbesondere Reputationsrisiken sind für die Deutsche Bahn AG seit dem letzten Jahr häufig schlagend geworden. Im Frühjahr musste der langjährige Vorstandsvorsitzende Hartmut Mehdorn wegen einer Spitzelaffäre seinen Platz räumen. Die Deutsche Bahn AG hatte wiederholt Stammdaten ihrer Mitarbeiter mit anderen Datenbanken abgeglichen und dabei zum Teil intime private Informationen über ihrer Mitarbeiter gesammelt (beispielsweise deren Kontakte oder Bankkonten). Auch das Radreifenproblem und die verkürzten Wartungsintervalle bereiteten der Bahn im Jahr 2009 wie auch im Jahr zuvor zunehmende Probleme. Weiter

 

 






RiskNET Intensiv-Seminar & Planspiel 2010: Risikomanagement in Industrie und Handel

Das RiskNET-Intensiv-Seminar (6.-7. Oktober 2010) vermittelt Methodenkompetenz in praxisorientierten Verfahren zur Risikomessung und -berichterstattung. Neben dem klassischen Instrumentarium und den aus dem Finanzdienstleistungsbereich bekannten Value at Risk-Modellen werden neue, speziell für die Anforderungen von Industrie- und Handelsunternehmen entwickelten Cashflow-at-Risk- (CFaR) und Budget-at-Risk-Ansätze erläutert. Zur integrierten Betrachtung von Risiken und Chancen werden diverse Risiko-Kennzahlen vorgestellt und diskutiert.

Das Planspiel Risikomanagement bereitet die Teilnehmer auf den Umgang mit komplexen Entscheidungen im Risikomanagement vor. Planspiele ermöglichen dabei den Teilnehmern das Ausprobieren von unterschiedlichen Strategien der Risikosteuerung - basierend auf der bewährten Methode des "Action Learning". Die Teilnehmer stehen dabei im Wettbewerb mit anderen (Planspiel-)Unternehmen auf einem simulierten Markt. Durch ihre Risikomanagement-Entscheidungen wird der Erfolg ihres Unternehmens wesentlich beeinflusst.

Im Workshop "Prognose- und Frühwarnsysteme" (8. Oktober 2010) entwickeln wir gemeinsam mit den Teilnehmern stochastische Prognose- und Frühwarnsysteme aus den Bereichen Marktrisiken und operationelle Risiken. Weiter

 


Risikofaktor: Explizite und implizite Staatsverschuldung

Diese Tage stieß ich auf eine Statistik, die mich nachdenklich machte. Sie zeigt die Staatsverschuldung im internationalen Vergleich - aber nicht, wie sonst üblich, nur die explizite Verschuldung. Hinzu gefügt war auch die implizite Verschuldung. Also das, was auf den Leistungsversprechen beruht, die die Staaten ihren Bürgern für die Zukunft gegeben haben (zum Beispiel Pensions- und Rentenzahlungen, Zusagen für die Gesundheitsvorsorge). Ein ordentlicher Kaufmann würde dafür Rückstellungen bilden. Beim Staat erscheint es nur "implizit". Die implizite Staatsverschuldung ist normalerweise erheblich höher als die explizite. In Deutschland beträgt sie 250 % des Bruttoinlandsprodukts, die explizite dagegen "nur" 75 %.

Das Ergebnis dieser Statistik: Explizite und implizite Staatsverschuldung zusammen genommen sind nicht etwa in Südeuropa am höchsten. Die größten Werte weisen vielmehr die USA und Großbritannien auf. Dann folgen mit weitem Abstand Frankreich und Deutschland. Dann Österreich. Am besten steht Spanien da. Das ist genau die umgekehrte Reihenfolge, die heute an den Finanzmärkten eingepreist ist. Griechenland ist nicht enthalten. Es ist die Ausnahme von der Ausnahme. Es würde sich vermutlich eher in der Größenordnung der USA bewegen. Weiter

 

 



Höhere Kapitalanforderungen für Versicherer basierend auf QIS5

Nach Veröffentlichung des ersten Entwurfs zu QIS5 Mitte April dieses Jahres hat die EU-Kommission am 5. Juli 2010 die endgültige Anleitung zur Durchführung von QIS5 herausgegeben. Ob QIS5 die letzte quantitative Studie sein wird, mit der die Versicherer ihre Solvenzkapitalanforderung testweise bestimmen können, bevor das neue Aufsichtssystem am 1.1.2013 endgültig in Kraft treten wird, ist noch offen. Die EU-Kommission erwartet, dass mindestens 60 Prozent aller europäischen Versicherer und mindestens 75 Prozent aller europäischen Versicherungsgruppen an der Studie teilnehmen. Karel van Hulle, Referatsleiter "Versicherungen und Renten" der Europäischen Kommission, hat der Versicherungsindustrie ein deutliches Signal gegeben: Die Rücklaufquote ist ein entscheidendes Kriterium, ob QIS6 erforderlich scheint. Versicherer haben bis Ende Oktober dieses Jahres Gelegenheit ihre Ergebnisse an CEIOPS zu leiten, Gruppen bis Mitte November. Die Ergebnisse sollen Ende April 2011 veröffentlicht werden.

Die Ergebnisse der letzten quantitativen Auswirkungsstudie QIS4 haben die Notwendigkeit für weitere Adjustierungen aufgezeigt, sei es im Hinblick auf die Kalibrierung der einzelnen Parameter, aber auch im Hinblick auf einige grundsätzliche Aspekte der Formel. Die Aufseher sehen in der Finanzkrise weitere Indikatoren, die Kapitalanforderungen zu verschärfen. Weiter

 

 






Nächster Start: Master Risiko- und Compliancemanagement

Die Hochschule Deggendorf hat mit dem Komptenzportal RiskNET und dem TÜV Süd den deutschlandweit einzigartigen Weiterbildungsstudiengang Master Risiko- und Compliancemanagement entwickelt. Dieser ist eine Antwort auf die Finanz- und Wirtschaftskrise. Denn die Branche ist sich einig, dass neben Banken vor allem auch Industrie-, Dienstleistungs- und Handelsunternehmen ihr Risikomanagement im Sinne eines "Frühwarnsystems" professionalisieren müssen. Die Vorlesungen finden am Wochenende statt  und das komplette Programm besteht aus drei Semestern. In den ersten beiden Semestern finden Vorlesungen statt, zum Beispiel zu den Themen Risikomanagement pro Abteilung, Produkthaftungsrisikosteuerung, Versicherbarkeit von Risiken, aktuelle Risikomanagementstandards und Compliancemanagement. Die Masterarbeit wird im dritten Semester angefertigt. Bei erfolgreichem Studium dürfen die Absolventen den international anerkannten Titel "Master of Arts" tragen, der auch zur Promotion berechtigt.

Das Studium beginnt im März 2011. Damit die Zulassungsvoraussetzungen erfüllt sind, müssen die Studierenden einen erfolgreichen Abschluss eines Hochschulstudiums, in welchem mindestens 240 ECTS-Kreditpunkte erworben wurden, vorweisen. Weiter

 



Risikofaktor und Schreckgespenst Inflation

Es ist eine verbreitete These, dass man durch Inflation die Last der Schulden verringern kann. Bei steigenden Preisen - so heißt es - verringert sich der Wert der Verbindlichkeiten. Der Kreditnehmer kann dann nämlich mit einem Geld zurückzahlen, das weniger wert ist als zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme. Das gilt für Finanzminister genauso wie für private Schuldner. Es ist vor allem in Zeiten hoher Staatsschulden ein wichtiger Zusammenhang.

Daraus leiten sich bedeutsame Schlussfolgerungen ab. Zum einen müssten die Finanzminister gegenwärtig alles daran setzen, um Inflation zu fördern. Nur so könnten sie das Staatsschuldenproblem lösen, ohne stärker sparen zu müssen. Wir müssten uns also darauf einstellen, dass sich der Geldwert künftig verschlechtert. Zum anderen könnten sich die Investoren diese Zusammenhänge aber auch für ihre eigene Anlagepolitik zunutze machen. Wenn sie Schulden aufnehmen, können sie sich gegen Inflation schützen. Bei so wichtigen Zusammenhängen muss man freilich drei Mal hinschauen. Da darf man sich keinen Fehler erlauben. Ist das also wirklich richtig? Ich möchte ein bisschen Wasser in den Wein gießen. So einfach wie oft behauptet, sind die Dinge leider nicht. Sie gelten nur unter bestimmten, eher restriktiven Annahmen. Es besteht daher die Gefahr von Fehlschlüssen. Weiter

 

 


Aktuelle Buchempfehlungen

Handbuch Länderrisiken 2010

Von: Coface Deutschland AG, F.A.Z.-Institut, 5. Auflage, 494 Seiten, Frankfurt 2010

Das nunmehr in der fünften Auflage erschienene "Handbuch Länderrisiken 2010: Auslandsmärkte auf einen Blick" skizziert detailliert auf rund 500 Seiten die wirtschaftliche Lage in 156 Ländern. Das Besondere ist die Einschätzung des Zahlungsausfallsrisikos für Lieferanten oder Dienstleister. Allgemeine Kriterien, wie Größe des Absatzmarktes und Wirtschaftspotenzial, werden ergänzt um die Einschätzung des kurz- und mittelfristigen wirtschaftlichen und politischen Risikos sowie um den Zahlungsindex für die Unternehmen eines Landes. Die Analyse findet ihren Ausdruck im jeweiligen Länderrating. Es umfasst sieben Stufen in vier Klassen: A1 bis A4 (Investmentgrades entsprechend), B, C und D (mittleres bis hohes Risiko). Die Ratingdimension Geschäftsumfeld bietet eine eigenständige Bewertung der Rahmenbedingungen für Investitionen und Geschäftsbeziehungen in den einzelnen Ländern. Nützliche Informationen über die in den Ländern üblichen Zahlungsmodalitäten ermöglichen dem Leser einen sehr konkreten Zugang zu den relevanten Märkten. Übersichtsbeiträge über bestimmte Regionen und die Behandlung aktueller makroökonomischer und geopolitischer Themen runden das Handbuch ab.

Ein Blick in das "Handbuch Länderrisiken 2009" hätte Unternehmen bereits Anfang 2009 diverse Frühwarnindikatoren für die dann im Jahr 2010 drohende Zahlungsunfähigkeit Griechenlands geliefert. "Für 2009 ist eine weitere Abschwächung der Konjunktur zu erwarten, der die grundlegenden Strukturschwächen des Landes noch deutlicher aufdecken dürfte. [...] dürfte der griechische Staat kaum noch über weiteren Handlungsspielraum verfügen, da die Staatsverschuldung und das Haushaltsdefizit bereits über den zulässigen Richtwerten liegen." Weiter

 






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Die Mediadaten 2010 finden Sie hier: www.risknet.de/Mediadaten.480.0.html

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