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 RiskNET Newsletter vom 16. Dezember 2009

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ALM: Immer in Balance

Die Bedeutung des Risikomanagements für Versicherungen nimmt durch die veränderte Kapitalmarktsituation (anhaltende Niedrigzinsphase, Turbulenzen auf den Aktienmärkten) und wegen neuer, verpflichtender Grundsätze im Rahmen von Solvency II zu. Asset Liability Management (ALM), die zielgerichtete Steuerung von Aktiva und Passiva, ist dabei zentraler Bestandteil und Grundlage für das Risikomanagement. Unzureichende Abstimmung von Aktiva und Passiva führte in der Vergangenheit immer wieder zu Zahlungsproblemen, teilweise sogar Insolvenzen von Versicherungsunternehmen (Nissan Mutual Life, General American Life, Mannheimer Leben), weshalb die Kontrolle und Verringerung von Markt- und Ausfallrisiken sowie versicherungstechnischen Risiken von großer Bedeutung ist. Weiter

 


Turning Risk into Value

Welchen Stellenwert wird das Risikomanagement in der Zukunft einnehmen? Was sind die größten Herausforderungen im Risikomanagement der Zukunft? Wie wird die Welt des Risikomanagements in 5 oder 10 Jahren aussehen? Was sind die wesentlichen Lehren aus der jüngsten Finanzkrise? Aus dem Mosaik an Meinungen und Stimmungen ergibt sich ein klares Bild: Das Thema Risikomanagement wird zukünftig eine noch größere Bedeutung haben und muss noch stärker mit der strategischen Steuerung im Unternehmen verknüpft werden. Die Redaktion der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER hat - im Rahmen ihrer 100. Jubiläumsausgabe - Risikomanager aus Banken und Versicherungen sowie Wissenschaftler nach Ihrer Einschätzung befragt.

Joachim Oechslin, Chief Risk Officer, Munich REJoachim Oechslin, Chief Risk Officer, Munich RE: Turning Risk into Value: Unser Produkt ist Risikomanagement. Unsere Mission heißt: "Turning Risk into Value". Als Weltmarktführer in der Rückversicherung und als global tätige Versicherungsgruppe ist es unser Ziel, den Standard in Sachen Risikomanagement zu setzen. Schmerzvolle Erfahrungen in der Vergangenheit haben uns das klar vor Augen geführt. Heute können wir sagen, dass sich unser Risikomanagement-Ansatz in einer der schwersten Finanzkrisen der letzen 100 Jahre bewährt hat. Weiter

 


Das Risiko, ein Risiko falsch einzuschätzen

Noch immer berücksichtigen viele Risikomanagementsysteme zu wenig die empirischen Erkenntnisse, dass der Risikoumfang selbst volatil ist und extreme Marktbewegungen ("crashs") wesentlich häufiger auftreten als dies der Standardansatz nahe legt. Die notwendigen Verfahren (beispielsweise aus der Extremwerttheorie bzw. aus dem Ansatz der pareto-stabilen Verteilungen) zur Beschreibung und Steuerung von Risiken haben bis heute nicht die notwendige Verbreitung gefunden. Entsprechend wurden die in letzter Zeit zu beobachtenden extremen Marktbewegungen von vielen Marktteilnehmern als so unwahrscheinlich eingeschätzt, dass diese keiner Beachtung wert wären. Die Subprime-Krise ist dafür ein Paradebeispiel. Langlaufende Asset Backed Securities (ABS) wurden an ein so genanntes "Conduit" außerhalb der Bilanz verkauft, das sich über Commercial Papers (CPs) refinanzierte. Für den Fall, dass CPs aufgrund einer Marktstörung nicht mehr begeben werden könnten, stellte die Bank eine "Liquiditätslinie" - eine Eventualverbindlichkeit. Praktisch gingen alle Institute davon aus, dass dieser Fall sehr unwahrscheinlich war, nachdem der CP-Markt auch nach dem 11. September 2001 funktioniert hatte. Weiter

 


Sieben wichtige Entwicklungen auf den Finanzmärkten

Wer in diesen Tagen nach London kommt, reibt sich verwundert die Augen. Es sieht so aus, als hätte die Finanzbranche nichts aus der Krise gelernt. Risikoneigung, Investment Banking, Boni und auch die generelle Stimmung der Banker sind fast schon wieder so wie vorher. Das einzige, was noch an die Krise erinnert, sind einige leere Büros. Diese "Rückkehr zur Normalität" fällt umso mehr auf, als sich das politische und gesellschaftliche Umfeld der Banken in der Zwischenzeit um 180 Grad gedreht hat. Es gibt neue Prioritäten. Bekannte Phänomene werden in neuem Licht gesehen. Anleger sind verunsichert. Sie haben die erlittenen Verluste nicht vergessen und wollen das nicht noch einmal erleben.

Die Gegensätzlichkeit der Entwicklung innerhalb und außerhalb der Finanzbranche kann nicht so weitergehen. Einerseits verschärft sie die Kritik der Öffentlichkeit an den Banken. Sie werden an den Pranger gestellt und gelten als die Unverbesserlichen. Das ist keine gute Basis für neues Geschäft. Andererseits verführt sie Investoren zu falschen Entscheidungen, wenn sie die Trends nicht frühzeitig identifizieren.  Weiter

 


Prävention systemischer Risiken

Über die Ursachen der Finanzkrise gibt es längst tief greifende Analysen. Klar ist, es gibt nicht die eine Ursache, die erklären kann, wie es zu dieser schweren Finanzkrise kommen konnte. Vielmehr war es ein ganzes Bündel von Ursachen, die zusammenwirkten. Unzulänglichkeiten in der Mikroökonomik der Finanzmärkte paarten sich mit Schwächen in der Regulierungspraxis und wirtschaftspolitischen Fehlentwicklungen, auch aber nicht nur in der Geldpolitik. Zu den mikroökonomischen Unzulänglichkeiten gehören mit Sicherheit die Schwächen im Verbriefungsprozess.

Erinnern wir uns: Die Krise begann im Subprime-Segment des US-amerikanischen Immobilienmarktes. In einem makroökonomischen Umfeld, in dem Liquidität sehr reichlich vorhanden war, kam es auf den Kreditmärkten zu gefährlichen Auswüchsen. So wurden die Vergabestandards bei Immobilienkrediten zunehmend laxer, und der Hypothekenmarkt für Schuldner zweitklassiger Bonität explodierte förmlich. Das ging so lange gut, wie die Zinsen niedrig waren und die Häuserpreise weiter anstiegen.  Weiter

 


Die nächste Krise kommt bestimmt

Kreditkrisen haben - im Unterschied zu Aktienkrisen - typischerweise einen recht komplexen Verlauf. Während reine Aktienkrisen meist wenig Schaden in der Realwirtschaft verursachen, sind die Auswirkungen von Kreditkrisen dramatischer - in der Realwirtschaft und in den Finanzmärkten. Dr. Philip Gisdakis, Leiter Credit Strategy & Structured Credit Research, Unicredit Group, skizzierte auf der Jahreskonferenz der Risk Management Association (RMA) e.V. in der vergangenen Woche in München die Typologie von Finanzkrisen. Philip Gisdakis wies in seinem Vortrag darauf hin, dass am sogenannten "Black Monday", dem 19 Oktober 1987, der S&P500 mehr als 20 Prozent an Wert verloren hatte.

Dieser massive Eintagesverlust stellt sogar die beiden schlimmsten Tage während der großen Depression - den 28. und 29. Oktober 1929 in den Schatten, an dem der S&P500 jeweils um die 10 Prozent verloren hatte. Der 87er Crash mündete nicht in eine Rezession (von 1986 bis 1988 wuchs die Wirtschaft in den G7 Staaten im Durchschnitt mit 16 Prozent; erst 1989 kam ein Einbruch auf 4 Prozent, während 1990 die Wirtschaft in den G7 Staaten bereits wieder mit 10 Prozent wuchs) und Anfang 1989 (also etwa 1.5 Jahre später) hatten die Aktienmärkte den gesamten Verlust wieder wettgemacht. Die Ereignisse nach dem "Black Monday" zeigen schön den relativ linearen Verlauf einer Aktienkrise, so der UniCredit-Analyst. Auf eine heftige und unter Umständen kurzfristige Kurskorrektur folgt eine etwas langsamere aber stetige Erholung. Der gesamtwirtschaftliche Kontext wird eher marginal beeinflusst. Weiter

 






Aktuelle Buchempfehlungen

IT-Sicherheit

Von: Claudia Eckert, Oldenbourg Verlag, 6. Auflage, 981 S., München 2009.

Informationstechnologie (IT) durchdringt unsere Gesellschaft in fast allen Bereichen. Immer mehr sensitive Maßnahmen und Geschäftsprozesse werden mit, durch und in der Informationstechnologie abgebildet. Dazu gehören Gesundheit, Mobilität, Bildung, Unterhaltung, Produktion, Logistik ebenso wie Handel, Finanzen und öffentliche Verwaltung. Durch die zunehmende Einbettung von IT in unternehmerische, industrielle Abläufe und Alltagsgegenstände sowie durch die starke Vernetzung von IT-Systemen kommt der IT-Sicherheit eine Schlüsselrolle zu.

Insgesamt bietet das Buch eine (wissenschaftlich) fundierte und sehr ausführliche (981 Seiten!) Einführung in die Welt der IT-Sicherheit. Die Ausführungen zur Risikoanalyse sind leider zu allgemein und helfen dem Praktiker nicht weiter. Vielmehr führen einige Ausführungen in die Irre. So werden beispielsweise durch die Multiplikation (vgl. S. 188) von Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß Extremereignisse mit einer geringen Eintrittswahrscheinlichkeit und einem extremen Schadensausmaß "wegmultipliziert". Moderne, stochastische Bewertungsmethoden findet der Leser im Buch leider nicht. Die Autorin setzt sich auch nicht mit der Aggregation von mehreren Risiken auseinander, die ggf. über Korrelationen miteinander verknüpft sind. Weiter

 


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