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 RiskNET Newsletter vom 11. Februar 2009

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Auf der Suche nach dem schwarzen Schwan

Bevor Australien entdeckt wurde, waren die Menschen in der Alten Welt überzeugt, alle Schwäne seien weiß. Diese Überzeugung war unanfechtbar, da sie durch die empirische Evidenz anscheinend völlig bestätigt wurde. Als der erste schwarze Schwan gesichtet wurde, wurde das bisherige Gedankengebäude schwer erschüttert. Die Schwarze-Schwan-Illustration veranschaulicht eine schwerwiegende Beschränkung bei unserem Lernen durch Beobachtung oder Erfahrung und die Zerbrechlichkeit unseres (historischen) Wissens. Da die meisten Beobachter über den eigenen Tellerrand nicht hinausschauen, war für sie klar, dass alle Schwäne weiß sind. Es lag schlichtweg außerhalb der eigenen Vorstellungskraft, dass schwarze (Trauer-)Schwäne in allen Bundesstaaten Australiens vorkommen, sowohl auf dem Festland wie auch in Tasmanien.

Nassim N. Taleb, Gründer und Inhaber der Trading-Firma Empirica Capital LLC ist Autor des Buches "The Black Swan". Er behauptet, dass wir systematisch die schmerzhaften Folgen von Extremereignissen unterschätzen. Talebs Analyse ist einfach und schlicht: Wir denken in schlüssigen Geschichten, verknüpfen Fakten zu einem stimmigen Bild, nehmen die Vergangenheit als Modell für die Zukunft. So schaffen wir uns eine Welt, in der wir uns zurechtfinden. Aber die Wirklichkeit ist anders: chaotisch, überraschend, unberechenbar. Wir sprachen mit Prof. Dr. Jürgen Strohhecker, Frankfurt School of Finance & Management, über Grenzen in der Risikomodellierung und alternative Methoden aus dem Bereich System Dynamics. Weiter

 





Dramatischer Anstieg der Zahlungsausfälle

Laut einer Erhebung des Kreditversicherers Coface sind die Zahlungsausfälle bei Unternehmen im Jahr 2008 stark angestiegen. Zudem sei davon auszugehen, dass sich diese Entwicklung im laufenden Jahr weiter fortsetzen wird. Als Reaktion hat die Coface jetzt das Rating von 22 Ländern herabgestuft oder sie auf die negative Beobachtungsliste gesetzt. Darunter sind mit China und Russland zwei der großen aufstrebenden Wirtschaftsnationen. Das Länderrating von Coface misst das durchschnittliche Ausfallrisiko für Unternehmen bei kurzfristigen Geschäften mit Unternehmenskunden in den einzelnen Ländern. Damit unterscheidet sich das System von den Länderratings anderer Agenturen, die in der Regel die Staatsbonität oder Sicherheit von Anleihen zum Gegenstand haben. Die Coface-Länderratings basieren auf einer Auswertung der Zahlungserfahrungen von weltweit 130.000 Kunden. Nach Angaben der Coface haben die Zahlungsausfälle bei Geschäften zwischen Unternehmen im letzten Jahr weltweit um 47 Prozent zugenommen. In einzelnen Ländern verzeichneten die Ausfallraten einen noch deutlicheren Anstieg. Besonders dramatisch hat sich die Lage in Spanien zugespitzt, das eine Zunahme von 131 Prozent verzeichnete. Auch die USA leiden unter einem heftigen Anstieg der Ausfälle um 66 Prozent, in Deutschland liegt das Plus bei 25 Prozent. Weiter


Wissenschaftler empfehlen Solvency II auf Eis zu legen

Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie schreibt dem derzeitigen System der Bankenregulierung einen maßgeblichen Anteil an der Krise der hypothekengesicherten Wertpapiere in den USA zu, die sich zur Weltfinanzkrise ausgeweitet hat. Es sei zu befürchten, heißt es in einem Brief an den Wirtschaftsminister, dass die "zerstörerischen Wirkungen dieses Regulierungssystems im Jahre 2009 noch verstärkt werden." Die kritische Einschätzung des Einflusses der Bankenregulierung auf die Finanzkrise betreffe vor allem die Dynamik der Krise, in der Finanzmärkte und Finanzinstitutionen sich fortwährend in einer Abwärtsspirale bewegt hätten. Es stehe daher zu befürchten, dass die Krisendynamik noch nicht gebrochen sei. Vor allem die seit kurzem zu beobachtenden konjunkturellen Wirkungen der Finanzkrise könnten diese Abwärtsspirale noch weiter nach unten drehen, so Claudia Buch, Vorsitzende des Beirats. Weiter

 





Planspiel & Seminar: Risikomanagement in Industrie und Handel

Wirtschaftliches Handeln ist immer mit Gefahren verbunden. Diese werden als Ursachen für mögliche Abweichungen von den geplanten bzw. erwarteten Werten aufgefasst, was Chancen (positive Abweichungen) ebenso einschließt wie Risiken (negative Abweichungen). Der Unternehmenserfolg ist maßgeblich davon abhängig, dass Chancen und Risiken gegeneinander abgewogen werden. Risikoorientierte Unternehmensführung ist ein ganzheitlicher Ansatz, der alle Funktionen, Prozesse und Bereiche eines Unternehmens umfasst.

Das Planspiel Risikomanagement bereitet die Teilnehmer auf den Umgang mit komplexen Entscheidungen im Risikomanagement vor. Planspiele ermöglichen dabei den Teilnehmern das Ausprobieren von unterschiedlichen Strategien der Risikosteuerung - basierend auf der bewährten Methode des "Action Learning". Die Teilnehmer stehen dabei im Wettbewerb mit anderen (Planspiel-)Unternehmen auf einem simulierten Markt. Durch ihre Risikomanagement-Entscheidungen wird der Erfolg ihres Unternehmens wesentlich beeinflusst.

Das RiskNET-Intensiv-Seminar & Planspiel "Chancen-/Risikomanagement in Industrie und Handel, Schritt für Schritt professionell umsetzen" findet vom 31. März bis 1. April 2009 im Schloß Hohenkammer bei München statt. Am 2. April bieten wir einen optionalen Aufbau-Workshop zum Thema Frühwarnsysteme an. Weiter

 

Politische Stabilität könnte nächstes Opfer der Kreditkrise sein

Basierend auf der jüngst veröffentlichten "Political Risk Map" werden sich die  aktuellen wirtschaftlichen Verwerfungen auch negativ auf die politische Stabilität vieler Länder auswirken. Zu sehen sei dies insbesondere in mehreren osteuropäischen Ländern sowie in Island und Griechenland, wo einerseits ein Anstieg bei den Devisenverkehr- und staatlichen Zahlungsausfallrisiken sowie andererseits eine Zunahme der Massenproteste und Straßenunruhen zu verzeichnen waren.

Die diesjährige Ausgabe der "Political Risk Map" - herausgegeben vom Risikomanagement- und Versicherungsdienstleister AON - enthält eine so genannte "Commodity Crunch Exposure Matrix". Diese gibt an, welche Länder bei einem weiteren Verfall der Rohstoffpreise am anfälligsten für politische Instabilität sind. Bereits die Volatilität der globalen Rohstoffpreise in den 1970ern und frühen 1980ern trug in einer Reihe von Ländern zu politischer Instabilität bei. Insbesondere die Länder, die bis vor kurzem noch von den sehr hohen Rohstoffpreisen profitierten, werden durch die jüngsten Entwicklungen massiv unter Druck geraten. Weiter

 





Zahl der Pessimisten wächst

Basierend auf den Ergebnissen des "Mittelstandsbarometers 2009" der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young, für das 3.000 mittelständische Unternehmen in Deutschland befragt wurden, hat internationale Finanz- und Wirtschaftskrise nun endgültig den Mittelstand erreicht. Demnach erwarten die Unternehmen nicht nur eine Verschlechterung ihrer eigenen Situation, sie wollen auch weniger investieren und weniger Mitarbeiter als im Vorjahr einstellen. Per Saldo ist sogar ein Rückgang der Beschäftigung in deutschen mittelständischen Unternehmen zu erwarten.
Obwohl sich die Geschäftslage im deutschen Mittelstand im Vergleich zum Vorjahr eingetrübt habe, macht die Mehrheit der Unternehmen derzeit dennoch gute Geschäfte: 79 Prozent der Mittelständler bewerten ihre aktuelle Lage positiv - vor einem Jahr lag der Anteil allerdings noch bei 89 Prozent. Besonders gut ist die Stimmung in Hamburg, wo 90 Prozent der Unternehmen ihre wirtschaftliche Situation als gut bezeichnen. Am stärksten von der Krise getroffen scheint hingegen Baden-Württemberg zu sein: Hier sank der Anteil der Zufriedenen von 93 auf 73 Prozent. Weiter

 

RiskNET-Kolumne: ISO 31000 - Risikomanagement als Führungsaufgabe

Ende November 2008 wurde die Internationale Norm ISO 31000 "Risk Management - Prinicples and Guidelines" von der Expertengruppe verabschiedet. Gleichzeitig überarbeitete sie den ISO/IEC Guide 73 "Vocabulary". Diese beiden Dokumente sollen im Oktober 2009 veröffentlicht werden. Damit gibt es erstmals einen weltweit abgestützten Standard zum Risikomanagement, der eine wesentliche Erweiterung des (vor allem in der Revisoren-Gemeinschaft angewendeten - Stichworte SOX und OR 663 b12) amerikanischen COSO Regelwerkes darstellt.

ISO 31000 weist drei spezifische Merkmale auf: Es handelt sich erstens um einen umfassende Top-down-Ansatz, zweitens wird Risikomanagement als Führungsaufgabe (und nicht nur als Prozess) dargestellt und drittens handelt es sich um eine allgemein gehaltene Basis-Norm. Weiter

 

 





Aktuelle Buchempfehlungen

Risk Management Practices of SMEs – Evaluating and Implementing Effective Risk Management Systems

Von: Thomas Henschel, Erich Schmidt Verlag, 436 Seiten, Berlin 2008.

Die Vorschriften des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) verpflichten deutsche Unternehmen seit Ende der 90er Jahre zur Einführung eines geeigneten Risikofrüherkennungs- und -managementsystems. Wenngleich der deutsche Gesetzgeber mittels des KonTraG zunächst direkt das Aktienrecht um den neu eingeführten § 91 Abs. 2 AktG ergänzte, so postulierte er in der Gesetzesbegründung doch unmissverständlich eine mittelbare "Ausstrahlungswirkung" der neuen Anforderungen auf Unternehmen anderer Rechtsformen - womit an mittelständische Unternehmen gleich welcher Rechtsform grundsätzlich die aktienrechtlichen Anforderungen an ein angemessenes Risikomanagement gestellt werden.

Art und Ausprägung des geforderten Risikofrüherkennungs- und -managementsystems bleiben in den gesetzlichen Normen undefiniert. Vor diesem Hintergrund und angesichts der überragenden Bedeutung des Mittelstands für die deutsche Unternehmenslandschaft überrascht es, dass die umfangreiche empirische Literatur zur Ausgestaltung von Risikomanagementsystemen den Bereich der "small and medium enterprises" (SMEs) bislang fast vollständig vernachlässigt hat. Der Autor versucht im Rahmen seiner vorliegenden Dissertation an der Napier University, Edinburgh (UK), welche in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Merseburg verfasst wurde, diese zweifellos bestehende Lücke in der empirischen Managementliteratur zu schließen. Weiter

 


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