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 RiskNET Newsletter vom 7. April 2008

Risikotragfähigkeit als tragende Säule des Going-Concern-Gedankens

Die Risikotragfähigkeit lässt sich mit der Traglast eines Fahrstuhls vergleichen. Im Erdgeschoss beginnend kann auf dem Weg nach oben in jeder Etage ein Halt erfolgen, um zu prüfen ob weitere Lasten aufgenommen werden sollen. Dabei sollte die maximale Zuladung nicht überschritten werden. Dafür muss jedoch zunächst die Tragfähigkeit der Konstruktion bekannt sein.

In Krisenzeiten ist die Überprüfung der eigenen Tragfähigkeit eines Unternehmens sowohl für dessen Führungskräfte als auch Aufsichtsräte ratsam. Zwei Komponenten gilt es wie bei einer Waage im stetigen Gleichgewicht zu halten: Wie viel Risiko kann sich das Unternehmen leisten und welchem Risiko ist es aktuell bereits ausgesetzt? Weiter

 

Klage eines US-Monoliners: IKB-Vorstand kannte Liquiditätsrisiken frühzeitig

Bereits vor einigen Wochen wurde bekannt, dass die Financial Guarantee Insurance Company (FGIC) gegen die angeschlagene Mittelstandsbank IKB vor Gericht zieht. Basierend auf einem heute veröffentlichten Artikel der Süddeutschen Zeitung wusste der Vorstand bereits früh von den Risiken.

Nichts gehört und nichts gesehen - der Aufsichtsrat der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB weiß zur Existenzkrise des Instituts nicht viel zu berichten - sehr zum Ärger der Aktionäre. Viele Eigentümer können nicht glauben, dass niemand in der Bank von den Gefahren wusste. Auch ein so genannter Monoliner, die Financial Guarantee Insurance Company (FGIC), zieht in New York gegen die IKB vor Gericht. Es geht um rund 1,9 Milliarden Dollar Schadensersatz. Das Geschäftsmodell der Monoliner basiert darauf, dass sie ihre Top-Bonität (basierend auf in der Regel einem AAA-Rating) anderen Finanzmarktteilnehmern - vor allem Bond-Emittenten - zur Verfügung stellen. Hierfür erhalten Sie ein Entgelt - quasi eine Versicherungsprämie. Die Bondversicherer übernehmen dafür die Garantie für die Zins- und Rückzahlungen von Anleihen. Weiter

 

Das Dilemma der Bankenaufsicht: Inkompetenz oder politischer Auftrag

Ein zentraler Grund für die aktuelle Finanzmarktkrise ist die Tatsache, dass viele Entscheidungen nicht nach ökonomischen, sondern nach politischen Gesichtspunkten getroffen werden, so Volker Bieta und Hellmuth Milde in einem aktuellen Artikel, der in der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER erschienen ist. Ein sehr prominentes Beispiel hat man noch gut im Gedächtnis: Die "Bankgesellschaft Berlin" war wegen politischer Interventionen in die Krise geraten. Banken sind aber nicht die einzigen Opfer von adversen Interventionen der Politik. Auch die Finanzaufsicht ist dem permanenten Druck der Politik ausgesetzt. Die Rolle der Aufsicht wird jedoch in den derzeitigen Analysen und Kommentaren zur Finanzkrise gar nicht oder nur selten angesprochen.

Die Autoren konzentrieren sich in ihrem Artikel auf die Rolle der Finanzaufsicht in der laufenden Krise. Der häufig wiederholte Vorwurf lautet: Das Chaos - beispielsweise bei der IKB, der Sachsen LB oder der WestLB - hätte vermieden werden können, wenn die Aufsicht (in Deutschland die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, BaFin) im Vorfeld genauer hingeschaut hätte. Die Kontrollaufgaben wurden von der Aufsicht nur halbherzig und unvollständig durchgeführt. Die Kompetenz wird ganz offen angezweifelt. So oder ähnlich wird argumentiert. Weiter

 





Zinsrisiko im Bankbuch als Marktrisikoquelle

Die gezielte Übernahme und Transformation von Zinsrisiken ist ein wesentlicher Bestandteil für die Ertrags- und Risikosituation der Kreditinstitute. Angesichts veränderter Rahmenbedingungen hat sich die Schaffung von funktionstüchtigen Systemen zur Begrenzung und Steuerung von Zinsrisiken zu einer betriebswirtschaftlichen Notwendigkeit entwickelt. Der wachsende Stellenwert, den das Zinsrisiko im Bankbuch im Rahmen der Gesamtbankrisikosteuerung einnimmt, schlägt sich auch im neuen aufsichtlichen Rahmenwerk (Basel II) entsprechend nieder. Erstmals wird im Bankwesengesetz diese Risikoquelle unter den allgemeinen Sorgfaltspflichten explizit genannt. Die Oesterreichische Nationalbank und die Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA haben nun einen gemeinsamen Leitfaden zu diesem Themenkomplex vorgelegt. Weiter

 

Risiken im Blick: Basis eines effektiven Compliance-Programms

Deutsche Unternehmen  durch das Fehlverhalten ihrer Mitarbeiter jährlich Schäden in Milliardenhöhe. Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC schätzt, dass durch Wirtschaftskriminalität im vergangenen Jahr den Unternehmen bundesweit ein Schaden von gut sechs Milliarden Euro entstanden ist. Der durchschnittliche Schaden pro Fall lag in Deutschland bei 1,51 Millionen Euro. In der Studie berichtet fast jedes zweite deutsche Unternehmen von finanziellen und auch immateriellen Schäden, die es infolge von Wirtschaftskriminalität in den letzten zwei Jahren erlitten hat. 13 Prozent der Unternehmen mussten Schäden hinnehmen, die weit über eine Million Euro lagen. Bei den Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern lag der Schaden bei durchschnittlich 6,7 Millionen Euro.

Doch neben den direkten Kosten müssen auch die indirekten Folgen ernst genommen werden. Aus ihnen resultieren durchschnittlich zusätzliche 427.000 Euro Verlust, die in Deutschland für das Management der Fälle aufgewendet werden müssen. Weiter

 

Die fehlenden Variablen in Risikomanagement-Methoden

In einem aktuellen FTD-Kommentar weist Alan Greenspan, bis Anfang 2006 Vorsitzender der US-Notenbank, darauf hin, dass Risikomodelle "zwar extrem komplex geworden sind, aber immer noch so simpel sind, als dass sie die volle Bandbreite an Variablen berücksichtigen könnten, die die Weltwirtschaft antreiben." Greenspan unterstellt in seinem Kommentar, dass die Modelle des Risikomanagements versagt hätten. Als Begründung führt er an: "Die glaubwürdigste Erklärung besagt, dass die einem Modell zugrundeliegenden Daten sowohl aus Zeiten der Euphorie als aus Phasen der Furcht stammen, also aus Zeiten deutlich unterschiedlicher Dynamik." Die Modelle berücksichtigen nicht in vollem Umfang die angeborenen menschlichen Reaktionen, die zwischen Euphorie und Furcht schwanken und sich ohne spürbare Lerneffekte von Generation zu Generation wiederholen. Greenspan weist darauf hin, dass die Erklärungsvariable "rationales versus irrationales Verhalten" in den Risikomanagement-Methoden und in den makroökonomischen Modellen fehlt. Weiter

 

RiskAcademy: Erkennung von Trends und Frühen Signalen im Risikomanagement: Kritischer Faktor Spätwarnung

Ein wichtiges Instrument zur Risikoidentifikation sind Frühwarnsysteme, mit deren Hilfe Frühwarnindikatoren (etwa externe Größen wie Zinsen oder Konjunkturindizes, aber auch interne Faktoren wie etwa Fluktuation in Management oder Forderungspositionen) ihren Benutzern rechtzeitig latente (d. h. verdeckt bereits vorhandene) Risiken signalisieren, sodass noch hinreichend Zeit für die Ergreifung geeigneter Maßnahmen zur Abwendung der Bedrohung oder Schadensbegrenzung besteht. Hierdurch kann die Entwicklung des Unternehmenswertes stabilisiert und gesteigert werden. Immer häufiger fokussieren sich moderne Frühwarnsysteme nicht nur auf die Erkennung von zukünftigen Entwicklungen und Ereignissen, sondern vor allem auch auf die Erklärung von Ursache-Wirkungs-Beziehungen.

Am 24. April 2008 geht Dr. Gerrit Jan van den Brink in seinem Vortrag auf die Erfolgsfaktoren beim "Erkennung von Trends und Frühen Signalen im Risikomanagement" ein.

Weitere Informationen finden Sie unter www.riskacademy.de


Aktuelle Buchempfehlungen

Coopetition: kooperativ konkurrieren - Mit der Spieltheorie zum Geschäftserfolg

Adam M. Brandenburger/Barry J. Nalebuff, Christian Rieck Verlag, 388 Seiten, Eschborn 2008.

Im Kern beschäftigt sich die so genannte Spieltheorie mit Situationen, in denen Menschen Entscheidungen treffen und das Ergebnis dieser Entscheidung (beispielsweise ihr Profit) nicht nur von der eigenen Strategie, sondern auch von der des Gegners abhängt. Dies ist nicht nur in zahlreichen Gesellschaftsspielen, sondern auch im täglichen Wirtschaftsleben der Fall. Die Spieltheorie konzentriert sich im Wirtschaftsleben auf die Kernfrage: Wie findet man die richtige Strategie und trifft man die richtigen Entscheidungen? Weiter

 


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