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 RiskNET Newsletter vom 29. Mai 2008

Die alpha-stabile Welt

Aktuell vollzieht sich ein Paradigmenwechsel im Risikomanagement. Praktiker beginnen zu verstehen, dass extreme Ausschläge an Finanzmärkten möglichst realitätsgetreu abzubilden sind. Die Fokussierung auf das Phänomen starker Schwankungen ist aufgrund der steigenden Anforderungen an das Risikomanagement sowie wegen der höheren Komplexität vieler Finanzprodukte unbedingt erforderlich. Dadurch wird die Zukunftsfähigkeit herkömmlicher Ansätze grundsätzlich in Frage gestellt. Der vorliegende Artikel beleuchtet eine viel versprechende Klasse von Wahrscheinlichkeitsverteilungen, die diesen gewachsenen Ansprüchen gerecht wird: die alpha-stabile Verteilungsklasse.

Umfangreise Analysen von Marktdaten haben gezeigt, dass finanzwirtschaftliche Verteilungen schwere Ränder aufweisen. Bei der Beobachtung empirischer Erträge von Vermögenswerten fällt auf, dass starke Schwankungen ungewöhnlich oft auftreten. Zu nennen sind hier das Platzen der Dotcom-Blase oder die Ausschläge bei Börsencrashs. Das relativ häufige Auftreten extremer Ereignisse mit besonders hohen Schäden wird durch die Normalverteilungsannahme nicht hinreichend gut wiedergegeben (umfangreiche empirische Untersuchungen einer Vielzahl von Finanzmärkten unterstreichen diese Beobachtungen, lehnen die Normalverteilungshypothese ab und formulieren stattdessen die alpha-stabile Hypothese). Weitere empirische Studien belegen außerdem, dass die Erträge nur selten symmetrisch verteilt sind. In der Regel ist die beste Beschreibung eine schiefe Verteilung. Weiter

 

RiskAcademy: Von faulen US-Hypothekenkrediten zu einer globalen Rezession?

Finanzmärkte kämpfen immer wieder mit Krisen. Obwohl jede Krise ihre eigenen Charakteristika aufweist, kann die aktuelle Subprime-Krise als 'Mutter aller Kreditkrisen' angesehen werden. Philip Gisdakis analysiert in seinem Vortrag die Mechanismen der jüngsten Finanzmarktkrise. Er beschreibt alle relevanten Spieler und Strategien, erklärt die Wirkung der involvierten Finanzinstrumente und analysiert wie Blasen entstehen und wie sie platzen. Dr. Philip Gisdakis arbeitet als Quantitative Credit Strategist bei der Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG/UniCredit. Er studierte Finanzmathematik an der University of Oxford und hat im Fach Theoretische Chemie an der Technischen Universität München promoviert.

Am 30. Mai 2008 diskutieren wir mit Dr. Philip Gisdakis, Senior Strategist, Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG, UniCredit Markets & Investment Banking über das Thema "Kreditkrise: Von faulen US-Hypothekenkrediten zu einer globalen Rezession?"

Weitere Informationen finden Sie unter www.riskacademy.de






Risikomanagement in Industrie und Handel, Schritt für Schritt professionell umsetzen

Wirtschaftliches Handeln ist immer mit Gefahren verbunden. Diese werden als Ursachen für mögliche Abweichungen von den geplanten bzw. erwarteten Werten aufgefasst, was Chancen (positive Abweichungen) ebenso einschließt wie Risiken (negative Abweichungen). Der Unternehmenserfolg ist maßgeblich davon abhängig, dass Chancen und Risiken gegeneinander abgewogen werden. Risikoorientierte Unternehmensführung ist ein ganzheitlicher Ansatz, der alle Funktionen, Prozesse und Bereiche eines Unternehmens umfasst.

Im Gegensatz zur heute noch oft anzutreffenden kapitalmarktorientierten Betrachtung eines wertorientierten Managements erfordert eine risikoorientierte Unternehmensführung, dass die überlegenen unternehmensinternen Informationen über die Risiken konsequent genutzt werden, um bessere Entscheidungen zu treffen - also speziell für die Berechnung der zu erwartenden Veränderungen des Unternehmenswerts in Abhängigkeit einer betrachteten Entscheidung ausgewertet werden. Wie kann man die offensichtlichen Vorteile eines bewussten Umgangs mit Risiken realisieren, ohne den unnötigen bürokratischen Aufwand eines überformalisierten Risikomanagementsystems akzeptieren zu müssen?

Das RiskNET-Intensiv-Seminar "Chancen-/Risikomanagement in Industrie und Handel, Schritt für Schritt professionell umsetzen" findet am 12.-13. Juni 2008 auf der Speck-Alm (Sudelfeld/Bayrischzell) statt und vermittelt Methodenkompetenz in praxisorientierten Verfahren zur Risikomessung und -berichterstattung. Weiter

 

Blickwechsel: Verbriefungsgeschäft - Wie in der Metzgerei

In weniger als zehn Jahren hat sich innerhalb des Finanzsektors eine gigantische Industrie entwickelt, deren Undurchschaubarkeit und Verflechtungen jetzt den Aufsichtsbehörden und Notenbanken Kopfzerbrechen bereiten. Eine Industrie, die Risiken sammelt, tranchiert, wieder zusammensetzt und mit neuer Verpackung schließlich weiterreicht. "Structured Finance" heißt dieser Bereich bei den Investmentbanken. Aus risikoreichen zweitklassigen Hypothekenkrediten werden so vermeintlich risikoarme Anleihen und Portfolios erstklassiger Bonität.

Was im Mittelalter die "Materia Prima" war, jener geheimnisvolle Stoff, mit dem die Alchemisten den Stein der Weisen und letztendlich Gold herstellen wollten, sind heute die Verbriefungsstrukturen, die aus risikobehafteten Krediten Triple-A-Anleihen werden lassen. Aber Risiken lösen sich nicht einfach in Luft auf. Sie können im besten Falle umverteilt werden. Ein Blick in die Bilanzen der Banken zeigt, dass ein Großteil dieser Subprime-Risiken immer noch bei den Banken lagert. Und unvermutet tauchen sie auch bei Mittelstandsbanken und Landesbanken auf - Instituten, deren Organisationsstruktur auf diese Art von Geschäften nicht ausgerichtet ist, deren Risikomanagement auf diese neuartigen Risiken nicht vorbereitet ist und die deshalb damit offenbar auch nicht umgehen können. Kreditrisiken sind eben nicht vergleichbar mit Marktpreisrisiken. Weiter

 

Sicherheitsbedenken in Deutschland steigen

Die Deutschen sind mehr denn je besorgt um ihre Sicherheit - beispielsweise wenn es um die Sicherheit mobiler Endgeräte geht. Das gleiche gilt für die Sicherheit von persönlichen Daten, Online-Transaktionen, Kreditkarten und Computern. In keinem anderen Land sind die Bedenken so hoch wie in Deutschland - was verwunderlich ist mit dem Hintergrund, dass in Deutschland in der letzten Zeit keine Terroranschläge verübt wurden und die Sicherheitsstandards im Banken- und im persönlichen Umfeld generell hoch sind. Die Studie Security Index von Unisys zu den Sicherheitsbedenken in Deutschland, Europa, Asien und USA zeigt, dass sich eine ganze Nation zunehmend um ihre Sicherheit sorgt. Die Deutschen haben die höchsten Sicherheitsbedenken, wenn es um den unerlaubten Zugriff auf und den Missbrauch von persönlichen Daten geht. 78 Prozent der Befragten gaben an, extreme oder große Angst vor dem Diebstahl und Missbrauch ihrer persönlichen Daten zu haben. Die Anzahl derer, die hier nicht besorgt sind, ist im Vergleich zu August 2007 signifikant von zwölf auf sechs Prozent gesunken. Weiter

 

IWF warnt vor neuen Ungleichgewichten

Der Wertverlust des US-Dollar und der Rückgang des US-Leistungsbilanzdefizits hat nach Einschätzung von John Lipsky die globalen Ungleichgewichte nicht verringert. Der stellvertretende Geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) warnte bei einer Rede in Tokio, dass die Abwertung des Dollar wegen der mangelnden Flexibilität einiger asiatischer Währungen (etwa des chinesischen Yuan) vornehmlich von flexiblen Währungen wie dem Euro getragen und daher ein Ausgleich der globalen Zahlungsbilanzungleichgewichte verhindert worden sei. Der IWF sehe das Risiko, dass der jüngste Abbau des US-Leistungsbilanzdefizits nicht das Ende der großen Ungleichgewichte bedeute, sondern lediglich einen Wechsel zu neuen Ungleichgewichten, sagte Lipsky. In Volkswirtschaften mit geringerer Fähigkeit zur Absorption, schwächeren Finanzmärkten und einer weniger festen Glaubwürdigkeit der Politik, wie in einigen Schwellenländern, habe sich das Risiko neuer Ungleichgewichte erhöht. Weiter

 

RiskNET-Kolumne Juni 2008: Die Probleme im Denken mit Opportunitäten, Wahrscheinlichkeiten und wissenschaftlichen Gewissheiten - am Beispiel des Klimawandels

Entscheidungen basieren auf Annahmen über den Status quo, die zu erwartende Zukunftsentwicklung und (impliziert) solchen über die maßgeblichen Sachzusammenhänge, die meist mehr oder weniger unsicher sind. Fundierte Entscheidungen erfordern eine Einschätzung des Grads an Sicherheit (oder umgekehrt des Risikos), der den Annahmen und Prognosen zu Grunde liegt - man spricht von "Entscheidungsfindung unter Unsicherheit". Es ist notwendig erwartete Ergebnisse und Risiken (Chancen und Gefahren) abzuwägen. Dies gilt in Unternehmen genauso wie in der Politik. Die notwendige transparente Einschätzung des Grads an Unsicherheit von Annahmen unterbleibt jedoch bei vielen Entscheidungen - sei es aus taktischen Gründen und persönlichen Interessen, psychologisch bedingte Fehleinschätzungen ("Kontrollillusion") oder auch wegen Ideologen. Weiter  

 

Aktuelle Uploads in der RiskNET eLibrary

Die Auseinandersetzung mit Risiken stellt seit jeher eine zentrale Aufgabe eines jeden Versicherungsunternehmens (VU) dar. Datensammlung, Risikoanalyse, Tarifierung und Reservierung sind wesentliche Bestandteile des Geschäfts von Versicherern und Rückversicherern. Dabei stand bisher meist die Analyse der Risiken der Versicherungsnehmer bzw. der resultierenden aktuariellen Risiken im Mittelpunkt. Noch relativ jung ist die systematische Betrachtung der Risiken, die das VU selbst betreffen- die Schwankung der gehaltenen Assets oder der Ausfall von Vertragspartnern. Die konsequente Fortführung dieser Entwicklung hin zu einer ganzheitlichen Analyse ist die Betrachtung der Risiken für den Betrieb des Unternehmens selbst - die operationellen Risiken (OpRisk).

Download des Artikels "OpRisk-Methoden in der Versicherungswirtschaft - ein Überblick" in der RiskNET eLibrary (Rubrik OpRisk): Weiter


Aktuelle Buchempfehlungen

Aufstieg und Fall der Titanen. Die wilden Jahre von Private Equity und Hedge-Fonds

Von: Torsten Riecke/Michael Maisch, FinanzBuch Verlag, 161 Seiten, München 2008.

Die Augen der Händler leuchten nicht mehr. Wer heute entlang der Wall Street in New York oder durch die Londoner City spaziert, blickt in sorgenvolle Gesichter, so die Autoren in ihrer Einleitung. Die aktuelle Finanzkrise hat die Finanzzentren fest im Griff und hat die Finanzwelt massiv verändert. Noch Anfang des vergangenen Jahres sah die Finanzwelt anders aus: Die Zahl der Übernahmen und Fusionen hatte weltweit mit mehr als 33.000 Transaktionen ein Rekordniveau erreicht. Dabei wurden 3,9 Billionen US-Dollar bewegt. An den Börsenplätzen der Welt herrschte Hochstimmung, da die Aktienkurse durch immer neue Spekulationen in die Höhe getrieben wurden. Für Finanzprofis ein idealer Ort, um mit riskanten Wetten schnelles Geld zu verdienen. Weiter

 


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