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 RiskNET Newsletter vom 29. April 2008

Risikomanager bauen Leitplanken und stellen keine Stoppschilder auf

In einem aktuellen Interview mit der Süddeutschen Zeitung verweist Wolfgang Hartmann, Vorstandsmitglied der Commerzbank und Chief Risk Officer, auf die Gier der Marktteilnehmer im Zusammenhang mit der aktuellen Finanzkrise. "Im Nachhinein muss man natürlich sagen, dass viele Finanzmarktakteure einfach zu gierig waren. Die Margen waren lukrativ, es gab den Gütestempel der Ratingagenturen, die damit viel Geld verdient haben. Rund 40 Prozent ihrer Erträge kamen aus diesem Geschäft." Vielen Marktteilnehmern fehlte schlicht der Überblick - von Transparenz keine Spur. Hartmann: "Ich kann es kaum gestandenen Bankern erklären, die Wirkungsketten sind sehr komplex und schwer zu verstehen." Die jetzt so problematischen "Wert-"papiere galten lange als attraktiv in der Branche. Weiter

 

Risikomanagement bei der UBS: Sämtliche Sicherungen durchgebrannt

Die Schweizer Großbank UBS hat wenige Tage vor der Hauptversammlung in einem ausführlichen Bericht eine ganze Serie von Fehlern im Geschäft mit US-Hypothekenverbriefungen aufgelistet, die das Geldhaus zum ersten Mal in seiner Geschichte in die Verlustzone gebracht und im letzten Jahr Konzernchef Peter Wuffli und mit Verzögerung auch den UBS-Präsidenten Marcel Ospel ihre Ämter gekostet haben. Die Analyse lässt kein gutes Haar an der Strategie, am Risikomanagement ("abwesend"), an der Risikokontrolle ("lückenhaft"), an den Anreizsystemen, an den Managern der Investmentbank sowie an der Konzernleitung und an den Kontrollorganen.

Der Bericht, der für die Schweizer Bankenaufsicht EBK erstellt und von der Bank veröffentlicht wurde, beschreibt unter anderem, welche Geschäftsbereiche von den Verlusten betroffen waren und skizziert die Geschäftsmodelle und Wachstumsinitiativen in den von den Verlusten betroffenen Bereichen sowie die wesentlichen Ursachen. Weiter

 

Es gibt keine geschenkte Rendite. Der Preis ist immer ein höheres Risiko

Die US-Subprime-Krise hat die Finanzmärkte nach Einschätzung des auf Risikomanagement spezialisierten Unternehmens RiskMetrics nach wie vor fest im Griff. "Von einer Beruhigung kann keine Rede sein", meint Ran Fuchs, Leiter des Kreditrisikobereichs der RiskMetrics Group. "Wie unsicher der Markt ist, spiegelt sich in den nach wie vor heftigen Kursschwankungen wider." Diese Unsicherheit ist laut Fuchs gerechtfertigt. "Noch ist völlig unklar, wie hoch die Folgerisiken sind und welche Auswirkungen die Subprime-Risiken auf die Realwirtschaft in den USA haben." Bei den Investitionen in Ramschimmobilien habe der Markt eine Grundregel ignoriert. Fuchs: "Es gibt keine geschenkte Rendite. Der Preis ist immer ein höheres Risiko." Bei Subprime-Investitionen erschien es einfach, viel Geld zu verdienen. "Und das ging auch lange gut, was die besonnenen Investmentmanager stark unter Druck gesetzt hatte." Nicht das irrationale Verhalten musste damals erklärt werden, sondern das rationale. Weiter

 





Aktuelle Studie: Testosteron als Ursache für exzessive Risiken

Wir wissen aus dem Biologieunterricht, dass Testosteron das mit Abstand wichtigste männliche Geschlechtshormon (Androgen) ist. Frauen hingegen produzieren in den Eierstöcken und der Nebennierenrinde nur sehr geringe Mengen an Testosteron. Testosteron ist übrigens ein Kunstwort, das von testis (Hoden) und Steroid abgeleitet werden kann.

Einer aktuellen - im US-Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichten - Studie zufolge sind auch die Spekulationen von Aktienhändlern von ihrem aktuellen Testosteronspiegel abhängig. Je höher die Dichte des männlichen Sexualhormons im Blut, desto höher sind die Gewinne - dummerweise auch bei einem höheren Risiko. Denn die Grundregel des Risikomanagements, dass hohe Erträge nur möglich sind beim Eingehen von hohen Risiken, kann Testosteron nicht aushebeln. So liegt die Frage auf der Hand, ob CDO-Händler - und möglicherweise auch Bankenvorstände und nicht wissende Aufsichtsräte - in den vergangenen Jahren systematisch gedopt haben? Weiter

 

Fehlersuche beim Risikomanagement

Das Subprime-Debakel bei der schweizerischen Großbank UBS ist auf eine Reihe von Mängeln beim Risikomanagement und der Risikokontrolle, nicht aber auf eine grundsätzlich falsche Strategie zurückzuführen. Dies ist der Tenor eines Berichts, den die Zürcher Bank am Montag vorlegte und der die Hauptverantwortung der Investmentbank zuschiebt. Bei dem zwei Tage vor der Generalversammlung veröffentlichten Bericht handelt es sich um eine 50-seitige Zusammenfassung der Antworten, die die UBS der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) gegeben hat. Die Großbank hatte diesen Bericht vergangenen März der Anlagestiftung Ethos versprochen, die im Gegenzug darauf verzichtete, eine Sonderprüfung der UBS auf gerichtlichem Weg zu verlangen. Ethos wollte den Inhalt zunächst nicht kommentieren. Bei der EBK hieß es auf Anfrage, der vollständige Bericht von 400 Seiten werde zurzeit analysiert. Danach werde man über die weiteren Schritte und die allfällige Einleitung eines aufsichtsrechtlichen Verfahrens entscheiden. Weiter

 

Risikomanager zeigen sich selbstkritisch

Wie war es bloß möglich, dass im Vorfeld der aktuellen Finanzkrise bei weltweit führenden Kreditinstituten elementare Grundsätze des internen Risikomanagements fahrlässig über Bord geworfen und für den schnellen Kapitalertrag geopfert wurden? Angesichts der Komplexität von Wirkungsketten, extrem kurzen Produktzyklen und immer schwieriger zu durchschauenden Geschäftsprozessen tun sich selbst ausgewiesene Risikoexperten schwer, die Interdependenzen vollständig zu verstehen und zu erklären. Zugegeben: Deutschlands Banken haben im internationalen Vergleich die Verwerfungen - mit wenigen Ausnahmen - gut weggesteckt. Das deutsche Bankensystem hat sich in der Krise abermals als relativ robust erwiesen. Nach den USA und der Schweiz belegt Deutschland mit einem Anteil von knapp 15 % an den gesamten Abschreibungen den dritten Platz hinsichtlich der absoluten Abschreibungshöhe. Die großen Probleme sind in den USA entstanden. Dort sind die Turbulenzen auch am heftigsten zu spüren. Im Verhältnis zur Größe der jeweiligen Institute (gemessen am Buchwert) führen aber die Schweizer Banken das Negativranking an. Allerdings tun auch kleine Wunden weh. Weiter

 

RiskNET-Kolumne Mai 2008: Zukunft der Finanzindustrie

Im Sommer 2005 läuft im Immobilienmarkt der USA alles bestens. Bei gleichbleibend niedrigen Zinsen klettern die Hauspreise in schwindelerregende Höhen. Dies erlaubt hohe Besicherungswerte bei Hypotheken, neue Kredite werden mit leichter Hand vergeben. Der Immobilienmarkt steigt weiter.

Die Finanzindustrie führt die die bei der Erschaffung von Hypothekenpfandbriefen, Mortgage Backed Securities, (MBS) ausgesonderten, minderwertigen Tranchen (Sub-primes) einer neuen Verwendung zu. Investmentbanken bündeln diese zu Collateralized Debt Obligations (CDO). Die Ratingagenturen schaffen es mit scheinbar einleuchtender Methodik, diese mit AAA Noten zu versehen: liegt der zu erwartenden Verlust einer Tranche etwa 3 Prozent über der Verlusterwartung einer AAA-Tranche, unterlegt man einfach 3 Prozent mehr Hypotheken und schon hat auch diese Tranche eine AAA-Verlusterwartung. Weiter  

 

Aktuelle Buchempfehlungen

Handbuch der wert- und risikoorientierten Steuerung von Versicherungsunternehmen

Tristan Nguyen, Verlag Versicherungswirtschaft, 529 Seiten, Karlsruhe 2008.

Wirtschaftliches Handeln bedeutet für alle Unternehmen auch immer, Risiken einzugehen. In der Versicherungswirtschaft basiert das Geschäftsmodell darauf, gezielt Risiken zu übernehmen. In diesem Zusammenhang werden Risiken als Ursachen für mögliche Abweichungen von den geplanten bzw. erwarteten Werten aufgefasst, was Chancen (positive Abweichungen) ebenso einschließt wie Gefahren (negative Abweichungen). Der Versicherer übernimmt für die Versicherungsnehmer einen Risikoausgleich im Portfolio und in der Zeit. In diesem Kontext wird schnell deutlich, dass der langfristige Erfolg eines Versicherungsunternehmens durch das Wert- und Risikomanagement bestimmt wird, da der Unternehmenswert - als Erfolgsmaßstab - erwartete Erträge und Risiken miteinander verbindet und in eine Balance bringt. Weiter

 


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