Ratingagenturen mitverantwortlich für "Blutbad" in der FinanzindustrieUngewohnt scharf hat Jerome Cazes, Chef des weltweit drittgrößten Kreditversicherers Coface, die internationalen Ratingagenturen und ihre Rolle bei der durch drittklassige US-Hypothekenkredite (Subprimes) verursachten Krise verurteilt. Während die Höchstnote 'AAA' im Unternehmensbereich nur für eine Hand voll Industriekonzerne vergeben worden sei, hätten die Ratinganalysten mehrere Tausend strukturierte Finanzprodukte mit Triple-A-Ratings etikettiert, die sich im Nachhinein als weitgehend wertlos erwiesen hätten. Damit sei den Investoren gegenüber ein Risikogehalt von annähernd Null signalisiert worden, obwohl die Ausfallwahrscheinlichkeiten in Wahrheit um ein Vielfaches darüber gelegen hätten. Im Zuge der anschwellenden Krise auf dem US-Markt hätten die Analysten erst zu einem Zeitpunkt reagiert, als schon seit längerem bekannt war, dass unerwartet viele Kreditnehmer ihre Schulden nicht mehr bedienen können. Weiter
Die Wiederentdeckung des RisikomanagementsAus Schaden wird man klug. Nach und nach wird die Bedeutung des Risk Managements in Finanzunternehmen stärker gewichtet. So hat die UBS AG infolge der Kreditkrise jetzt verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung ihres Risikomanagements ergriffen. Teil der neuen Initiative ist die Repositionierung des Geschäfts in den Bereichen Immobilien und Kreditverbriefung unter der neuen Leitung von Ramesh Singh, wie aus einem internen Memo von CEO Marcel Rohner hervorgeht. Zudem hat UBS eine Arbeitsgruppe geschaffen, die Exit-Strategien für das existierende Portfolio von UBS entwickeln soll, indem sie nach Alternativen im Markt und nach innovativ strukturierten Lösungen sucht. Im Geschäftsbereich Rohstoffe will UBS ihre Präsenz in Kanada verringern und aus bestimmten europäischen Strom- und Gasmärkten aussteigen. UBS musste im vergangenen Jahr etwa 14,2 Mrd. US-Dollar für Subprime-Vermögenswerte abschreiben und hat immer noch Werte in ihren Büchern stehen. Die hohen Kosten zwangen die Bank dazu, nach neuem Kapital zu suchen, und einige Analysten glauben, dass das Unternehmen sich eventuell noch mehr Mittel beschaffen muss, weil weitere Abschreibungen anstehen. "Wir glauben fest daran, dass diese Veränderungen das Immobilien- und Kreditverbriefungsgeschäft flexibler machen werden und wir so zu unseren Grundprinzipen wie Kundenservice und Risikostreuung zurückkehren werden", so Rohner. Weiter


Monoliner: Verlagerung von Risiken aus dem Bankensystem in die AssekuranzDie Aktien von Anleiheversicherern in den USA sind auf Talfahrt gegangen, nachdem die Ratingagentur Moody's angekündigt hat, eine Herabstufung des 'Aaa'-Ratings von Ambac Assurance Corp zu prüfen. Die Aktien der Konzernmutter Ambac Financial Group Inc und von Wettbewerber und Marktführer MBIA Inc stürzten daraufhin um 60 Prozent bzw. 30 Prozent ab. Auch auf US-Bankwerte drückte die Nachricht, da Bond-Versicherer auch die handelbaren Verbindlichkeiten einiger der größten US-Banken garantieren. Ambac will sich für wenigstens eine Mrd. US-Dollar frisches Kapital besorgen, nachdem der Finanzkonzern aus New York, der neben seinen Versicherungsprodukten auch mit strukturierten Wertpapieren handelt, für das vierte Quartal auf mark-to-market-Basis Verluste im Volumen von 5,4 Mrd. US-Dollar vor Steuern auf sein Portfolio von Kreditderivaten verbuchte. Davon fallen 1,1 Mrd. US-Dollar Abschreibungen an, die Ambac im Zusammenhang mit Collateralized Debt Obligations (CDOs) entstehen. Nach Ansicht von Moody's stellen die jüngsten Angaben von Ambac eine erhebliche Veränderung gegenüber der bisher vertretenen Einschätzung dar, was die Risiken solcher Wertpapiere angeht. Zuvor hatte sich bereits die Ratingagentur Fitch kritisch zur Kapitalausstattung von Ambac geäußert und erklärt, der Anleiheversicherer brauche etwa eine Mrd. US-Dollar frisches Kapital, um das 'AAA'-Rating zu rechtfertigen. Eine solch hohe Bonitätseinstufung ist für das Geschäft von Anleiheversicherern überlebenswichtig, weshalb eine Herabstufung des Ratings zur Insolvenz von Ambac führen könnte. Weiter
RiskAcademy: Szenario-Analyse in 15 SchrittenExpertenschätzungen werden nicht immer gern gesehen. Insbesondere wenn vermutet wird, dass die Experten sich eher durch ein gewünschtes Ergebnis statt durch die Realität leiten lassen. Der Geruch der Subjektivität ist oft negativ besetzt. Darum wird manchmal lieber nach "harten Daten" gegriffen. Im Bereich der operationellen Risiken handelt es sich dabei um Verluste, die durch Operational-Risk-Ereignisse verursacht wurden. Mittlerweile ist aber klar, dass Verlustdaten alleine für die adäquate Darstellung des Operational-Risk-Profils nicht ausreichen. Es herrscht Konsens unter Operational-Risk-Experten, dass die Szenario-Analyse eine wichtige Rolle spielen muss. Es ist jedoch nicht immer klar, wie man eine Szenario-Analyse so aufsetzen kann, dass sie auch zu verwertbaren Ergebnissen führt.
Dr. Gerrit Jan van den Brink beschreibt in seinem Risk-Academy-Vortrag die Schritte einer Szenario-Analyse im Rahmen des Operational-Risk-Prozesses.
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Alle Jahre wieder: Gerüchte um Fusion von Willis mit Rivalen MarshBasierend auf einem Bericht des US-Fernsehsender CNBC hat der weltweit drittgrößte Versicherungsmakler Willis dem Marktführer Marsh & McLennan Verhandlungen über einen Zusammenschluss vorgeschlagen. Investoren und Aktionäre reagierten positiv auf die Ankündigung. Basierend auf dem Fernsehbericht hat Willis in einem Brief an den Marsh-Verwaltungsrat Fusionsgespräche angeregt. Das letzte Jahre endete für Marsh recht turbulent: Insbesondere drehte sich das Personalkarussel immer schneller. Zunächst haben die Marsh & McLennan Companies (MMC) Daniel S. Glaser zum Chairman und Chief Executive Officer seiner größten Tochterfirma Marsh Inc. berufen. Glaser kommt vom Versicherer AIG, wo er zuletzt als Managing Director für Europa sowie als Regional President UK/Irland für die AIG-Gesellschaft American International Underwriters (AIU) verantwortlich war.
Doch er kennt auch die Marsh-Welt schon recht gut: 1982 hatte er seine Laufbahn in der Versicherungsbranche als Makler bei Marsh begonnen. Dort war er zehn Jahre vor allem in New York, Saudi Arabien und London tätig und betreute einige der wichtigsten Kunden der Öl- und Energiebranche. Anschließend war er acht Jahre beim Versicherungsmakler Willis. Im Jahr 2000 kam er als President der Global Energy Division zum Versicherer AIG und wurde 2002 Managing Director von AIG in Europa sowie Regional President UK/Irland der AIG-Gesellschaft American International Underwriters (AIU). Weiter
BaFin fordert Aufrüstung beim RisikomanagementDie Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat in der Subprime-Krise vor Ansteckungsgefahren bei Versicherern gewarnt. Versicherer könnten Teil einer großen internationalen Gruppe sein oder eines Finanzkonglomerates, was sie Ansteckungsgefahren aussetze, sagte Bafin-Präsident Jochen Sanio zum Neujahrspresseempfang der BaFin in Frankfurt Dies sei etwa dann der Fall, wenn in dem Verbund eine Bank ein SIV oder Conduit unterhalte. "Es geht dabei vor allem um Reputationsrisiken, die man aber nicht unterschätzen sollte", warnte Sanio. Die besondere Vorsicht der deutschen Versicherer habe sich indes bezahlt gemacht. "Nachdem wir die Erst- und Rückversicherer mehrmals nach ihren Anlagerisiken befragt haben, können wir feststellen, dass bei ihnen die finanziellen Auswirkungen der Subprime-Krise begrenzt sind", sagte er. "Hinzu kommt, dass deutsche Versicherer aufgrund ihres eingeschränkten Geschäftszwecks keine Liquiditätslinien für SIVs oder Conduits zur Verfügung stellen dürfen." Sie seien deshalb auch keinen Liquiditätsrisiken ausgesetzt, die mit denen der Banken vergleichbar sind. Weiter
Wenn Reputationsrisiken schlagend werdenBelastet von den Folgen der US-Immobilienkrise hat der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate die angepeilte Eigenkapitalrendite von 12 Prozent im Geschäftsjahr 2007 nicht erreicht. Der Münchener DAX-Konzern legte am Dienstag unerwartet schwache Zahlen vor. Danach brach das Vorsteuerergebnis um ein Viertel auf 890 Mio. EUR ein, während die Eigenkapitalrendite lediglich bei 9 Prozent liegen wird. Der Aktienkurs des Instituts stürzte nach der Hiobsbotschaft um zeitweilig 30 Prozent ab und zog auch den Leitindex DAX nach unten. Hauptgrund für den Gewinnrückgang ist eine Neubewertung des US-Portfolios an Collateralized Debt Obligations (CDOs). Sie sind Teil eines insgesamt 1,5 Mrd. US-Dollar schweren Portfolios aus mehr als 6.000 Anleihen, auf die das Geldistitut bereits im dritten Quartal 265 Mio. EUR als Neubewertungsreserve verbucht hatte. Jetzt ist eine weitere Abschirmung von 390 Mio. EUR fällig. Mit einer Senkung der Dividende für 2007 auf 0,50 EUR und damit ein Drittel des Vorjahres vermeidet der Vorstand nach eigener Darstellung eine Kapitalerhöhung. Weiter



Risikomanagement in Industrie und Handel, Schritt für Schritt professionell umsetzen
Wirtschaftliches Handeln ist immer mit Gefahren verbunden. Diese werden als Ursachen für mögliche Abweichungen von den geplanten bzw. erwarteten Werten aufgefasst, was Chancen (positive Abweichungen) ebenso einschließt wie Risiken (negative Abweichungen). Der Unternehmenserfolg ist maßgeblich davon abhängig, dass Chancen und Risiken gegeneinander abgewogen werden. Risikoorientierte Unternehmensführung ist ein ganzheitlicher Ansatz, der alle Funktionen, Prozesse und Bereiche eines Unternehmens umfasst.
Im Gegensatz zur heute noch oft anzutreffenden kapitalmarktorientierten Betrachtung eines wertorientierten Managements erfordert eine risikoorientierte Unternehmensführung, dass die überlegenen unternehmensinternen Informationen über die Risiken konsequent genutzt werden, um bessere Entscheidungen zu treffen - also speziell für die Berechnung der zu erwartenden Veränderungen des Unternehmenswerts in Abhängigkeit einer betrachteten Entscheidung ausgewertet werden. Wie kann man die offensichtlichen Vorteile eines bewussten Umgangs mit Risiken realisieren, ohne den unnötigen bürokratischen Aufwand eines überformalisierten Risikomanagementsystems akzeptieren zu müssen?
Das RiskNET-Intensiv-Seminar "Chancen-/Risikomanagement in Industrie und Handel, Schritt für Schritt professionell umsetzen" vermittelt Methodenkompetenz in praxisorientierten Verfahren zur Risikomessung und -berichterstattung. Weiter
Aktuelle Uploads in der RiskNET eLibraryDie Immobilienkrise der letzten Jahre in Deutschland verdeutlichte, dass die bis dahin ausgewiesene Risikoarmut bei Immobilienfonds vermutlich kein dauerhaftes Phänomen ist. Die Aussage "Immobilienanlagen sind sicher" bekam erste Risse. Schnell wurde klar, dass diese Assetklasse so professionell wie Renten oder Aktien gesteuert werden muss. Allerdings weist die Klasse der Immobilienanlagen deutliche Unterschiede zu den beiden anderen Assets auf, die eine Anwendung der klassischen Kapitalmarkttheorie (Betafaktoren, Volatilitäten als Risikomaß etc.) verbieten. Die Annahme sehr liquider Märkte bei geringen Transaktionskosten ist beileibe nicht gegeben, wie insbesondere die offenen Immobilienfonds während der Krise erfahren durften.
Download des Artikels "Portfoliosteuerung und risikogerechte Bewertung" in der RiskNET eLibrary (Rubrik Credit Risk): Weiter 

Aktuelle BuchempfehlungenStatistik, Ökonometrie, Optimierung. Methoden und ihre praktischen Anwendungen in Finanzanalyse und Portfoliomanagement
Von: Th. Poddig/H. Dichtl/K. Petersmeier, Uhlenbruch Verlag, 794 S., Bad Soden 2008.
Ohne ein fundiertes mathematisches Grundwissen sind moderne Finanzanalyse, Portfoliomanagement und Risikomanagement nicht denkbar. Das in vierter Auflage erschienene Buch "Statistik, Ökonometrie, Optimierung" konzentriert sich - und unterscheidet sich daher wesentlich von der Mehrzahl der statistischen und ökonometrischen Einführungen - auf die wichtigsten Methoden und Verfahren, welche für die Finanzanalyse und das Portfoliomanagement von Bedeutung sind, in kompakter Weise auf etwa 800 Seiten. Die Autoren haben das Ziel verfolgt, möglichst wenige Methoden zu vermitteln, mit denen sich jedoch möglichst viele typische finanzwirtschaftliche Probleme und Aufgaben lösen lassen. Daher werden dem Leser kein umfassender Methodenüberblick bzw. tief gehende Detailbetrachtungen geboten.
Der Aufbau des Buches ist stringent und logisch. Das Buch gliedert sich in die Teilbereiche Statistik, Ökonometrie und Optimierung. Weiter

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