Bear Stearns: In der Abwärtsspirale des MisstrauensDer dramatische Kollaps der Investmentbank Bear Stearns zeigt sehr deutlich, wie schnell sich Misstrauen in turbulenten Marktsituationen derart verschlechtern kann, dass man gegen die Wand fährt. Und dies trotz eines exzellenten Risikomanagements. Noch Mitte der vergangenen Woche hatte konzernchef Alan Schwartz öffentlich erklärt, dass die Bank ein ausreichendes Liquiditätspolster habe, um die Finanzkrise durchzustehen. "Die Spekulationen seien lächerlich", hieß es aus der Bank. Am Freitag der vergangenen Woche musste Schwartz dann einräumen, dass sich die Liquiditätslage innerhalb von 24 Stunden "deutlich verschlechtert" hat. Die Schuld sieht es jedoch vor allem bei den Marktteilnehmern: "Bear Stearns war Gegenstand unzähliger Gerüchte. Wir haben versucht, Fakten von Fiktionen zu trennen."
Damit hat Schwartz den Nagel auf den Kopf getroffen, den Bear Stearns hatte in den vergangenen Monaten ihre Reputation bei den Marktteilnehmern verspielt. Weiter
Täterprofil Wirtschaftskriminalität: männlich, älter als 40, engagiert und korrektFrauen sind weniger in Korruption verwickelt, und weniger bereit, Bestechlichkeit gutzuheißen. Im Vergleich der Staaten ist Korruption dort weniger verbreitet, wo Frauen einen größeren Anteil am Arbeitsmarkt haben, und wo Frauen eine größere Zahl von Parlamentssitzen innehaben. Dies ist das Ergebnis einer an der University of Maryland (übrigens von vier Männern) erstellten Studie, die bereits frühere Erhebungen stützt. Auch eine aktuelle Analyse der französischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ricol, Lasteyrie & Associés hat gezeigt, dass Unternehmen mit mehr Frauen in den oberen Managementetagen weniger anfällig für Korruption sind. Der Grund ist einfach: Bordellbesuche, Lustreisen mit Schmiergeld und Sexpartys wie bei Volkswagen oder Elf Aquitaine sind eher Männerfreuden - und das übrigens weltweit. Zudem sind je nach Kriminalitätssegment 80 bis 95 Prozent der Kriminellen männlich und fast ausschließlich deutscher Nationalität. Weiter
Gutachten SachsenLB: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing ...Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hat in einem aktuellen Gutachten auf der einen Seite dem ehemaligen Vorstandsgremium der SachsenLB eklatante Fehler vorgeworden und auf der anderen Seite den Verwaltungsrat zumindest indirekt von jeglichen Fehlern freigesprochen. Bis zum Juli 2007 habe sich der Vorstand nicht mit der US-Subprimekrise befasst und die möglichen Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Sachsen LB zu spät erkannt, heißt es in einem Bericht. Die Risiken des Engagments der Zweckgesellschaft Ormond Quay, für die die SachsenLB und die Tochterbank SLBE in Dublin im vollem Umfang gerade stehen mussten, hätten zudem seit 2004 in den Jahresabschlüssen aufgeführt werden müssen. "In der Unterlassung dieser Angaben sehen die Gutachter ein Versäumnis des Gesamtvorstandes", erklärte das Finanzministerium. Weiter
Subsidence: Wenn einem der Boden unter den Füßen wegbrichtIn der Regel kündigen sie sich an: entweder mit klemmenden Türen und Fenstern oder auch diagonalen Gebäuderissen. Gemeint ist eine Bodensenkung, die vor allem in Gebieten auftritt, in denen Tonböden vorherrschen, und vor allem in England als Subsidence bezeichnet wird. In Südengland und Frankreich kostete diese Naturgefahr die Versicherer in den vergangenen Jahrzehnten sehr viel Geld, so die Münchener Rück. Denn die Böden können sich verschieben und unterschiedlich (differenziell) absinken, so dass man quasi den Boden unter den Füßen verliert.
Die Ursachen für Senkungen und Einstürze des Bodens sind vielfältig: Zum einen, wenn sich unterirdische Hohlräume bilden - wie in Karstgebieten. Dort löst die Kohlensäure im Regen- und Grundwasser das gesteinsbildende Mineral Calcit aus dem Kalksteinuntergrund. So entstehen Hohlräume (von Experten auch als Sinkholes bezeichnet), die unter der Last massiver Bebauung oder auch von selbst teilweise völlig überraschend einstürzen. Weiter



IKB-Analyse: Denn Sie wussten nicht was Sie tun ..."Der Vorstand hat uns über die Risiken nicht informiert. Wie waren völlig überrascht", lautet die Entschuldigung der Aufsichtsorgane bei der stark angeschlagenen IKB Deutsche Industriebank AG. Was haben die Kontrollorgane wirklich gewusst? Was hätten sie wissen müssen, wenn sie ihre Aufgabe ernst genommen hätten?
Bestätigt werden die Kontrolleure durch ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers. Danach hat der Vorstand den Aufsichtsrat insgesamt nur unzureichend über das wirtschaftliche Gesamtbild der IKB informiert. "Dem Aufsichtsrat war es damit nicht möglich, die besondere Risikosituation, die zur Existenzkrise der IKB führte, zu erkennen." Man könnte die Frage auch an die Wirtschaftsprüfer richten: Was haben die Wirtschaftsprüfer wirklich gewusst? Was hätten sie wissen müssen, wenn sie ihre Aufgabe ernst genommen hätten? Weiter
Systemische Risiken: Kettenreaktion an den FinanzmärktenFür massive Turbulenzen an den Märkten sorgte in den vergangenen Tagen die Schieflage des Hedge-Funds Carlyle Capital, der übrigens nicht im risikoreichen Subprime-Segment engagiert war, sondern in praktisch mündelsicheren Hypotheken-Bonds investierte. Der auf der Kanalinsel Guernsey registrierte, an der Amsterdamer Börse gehandelte und von New York aus geleitete Funds wurde in den vergangenen Tagen mit substanziellen Nachforderungen an Sicherheiten ("margin calls") seitens der Kreditgeber konfrontiert.
Angesicht der äußerst knappen Liquidität kann Carlyle Capital die Forderungen jedoch nicht erfüllen. Ein Blick in die Bilanz schafft Klarheit: Der Hedge-Funds basiert auf einer Eigenkapitaldecke von etwa 670 Mio. US-Dollar und finanziert seine Engagements daher in einem hohen Maße bei Banken, um die Rendite auf das Eigenkapital zu erhöhen. Bei einem Anlagevolumen von 21,7 Mrd. US-Dollar beträgt der "leverage" mehr als 32. Kurzum: Die Risikotragfähigkeit basiert auf äußerst tönernen Füßen. Weiter
Neues Compliance-Beben von Pittsburgh aus?Risikomanagement ist nicht Risikobuchhaltung. Das gilt besonders im Risikomanagement der Wirtschaftskriminalität. Hier ändern sich die Rahmenbedingungen rapide. Da alte Geschäftspraktiken sich nicht von einem Tag auf den anderen ersetzen lassen, ist es nötig, frühe Signale aufzunehmen und entsprechend Konsequenzen zu ziehen. Das zeigt sich an folgendem Beispiel mit größter Dringlichkeit nicht nur im Verhältnis zu den USA, sondern - man staune - im Verhältnis zu den arabischen Ländern.
In letzter Zeit haben wir eine Anzahl größerer Verwerfungen gesehen, die sich darauf zurückführen ließen, dass ein einmal gewählter Ansatz, mit bestimmten Risiken umzugehen, unter den nicht ganz überraschenden Umweltveränderungen zusammenbrach. Die Betroffenen gerieten in schwerste Krisen, weil sie diese Veränderungen nicht erkannt hatten, ihrer alten Strategien zu sicher waren - oder, was ich befürchte, sich nicht trauten, rechtzeitig, diskret aber entschieden eine neue Strategie zu wählen. Bei den Beispielsfällen Siemens und Liechtenstein lag das Risiko wohl schwerpunktmäßig im Bereich der Wirtschaftskriminalität, im Fall der Subprime Krise handelte es sich vorwiegend um (Finanz-) Marktrisiken. Vielleicht können wir gerade eine neue, ganz ähnliche Entwicklung beobachten, die das Zeug dazu hat, wiederum viele in einen Strudel zu reißen. Weiter


RiskAcademy: Haftungs- und Strafvermeidung für Corporate ComplianceDas Haftungsrisiko für die Organmitglieder einer Gesellschaft ist in den letzten Jahren unbestreitbar größer geworden. Um die Richtigkeit dieser Feststellung zu überprüfen, genügt ein Blick in die Tagespresse, die nahezu täglich eine Vielzahl von Meldungen über die zivil- und strafrechtliche Inanspruchnahme von Aufsichtsräten, Vorständen und Geschäftsführern, aber auch von leitenden Angestellten wegen vermeintlicher Fehler bei der Wahrnehmung der Leitungsaufgaben für ein Unternehmen enthält. Wem die Tagespresse nicht genügt, der kann die Ausweitung dieser Haftungsproblematik aber auch statistisch nachweisen. So sind die Schadensvolumina der sogenannten D&O-Versicherungen, also der Versicherungen, die sich mit der Abdeckung von durch Manager in Unternehmen verursachten Schäden befassen, zwischen 2000 und 2005 von 20 Mio. Euro auf über 2 Mrd. Euro angestiegen.
Dr. Thomas Münzenberg stellt in seinem Vortrag den Risk-Academy-Teilnehmern die aktuellen Entwicklungen zu den haftungsrechtlichen Konsequenzen von Verstößen im Kontext § 91 Absatz 2 AktG vor.
Weitere Informationen finden Sie unter www.riskacademy.de

Aktuelle BuchempfehlungenOperationelles Risikomanagement bei Finanzinstituten: Risiken identifizieren, analysieren und steuern
Von: Michael Auer, Wiley-VCH, 274 Seiten, Weinheim 2008.
Das jüngst erschienene Buch "Operationelles Risikomanagement bei Finanzinstituten" bietet eine umfassende Einführung in das Thema. Die ersten fünf Kapitel beschäftigen sich mit den aufsichtsrechtlichen Anforderungen, den Methoden und Werkzeugen sowie der Aufbau- und Ablauforganisation im Operational Risk Management. Der Einsteiger erhält auf etwa 150 Seiten eine aktuelle und kompakte Einführung in das Thema. Der Experte wird diese Seiten wohl eher überfliegen. Ab Kapitel 6 "Interne Risikomodelle für operationelle Risiken" wird es dann auch für Insider wieder spannend. Der Leser wird auf etwa 90 Seiten in die statistischen Grundkonzepte der Modellierung, die Quantifizierung gemäß LDA, szenariobasierte Ansätze, die Modellierung von Korrelationen, die Validierung von Modellen sowie die anschließende Risikokapitalsteuerung eingeführt. Weiter

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