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 RiskNET Newsletter vom 14. Juli 2008

Höheres Risikobewusstsein und Maßnahmen zum Schutz vor Katastrophen

Das Jahr 2008 wird voraussichtlich als eines der Jahre mit den höchsten Opferzahlen durch Naturkatastrophen in die Statistik eingehen. Unter anderem durch das Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan und den Zyklon in Myanmar kamen von Januar bis Juni über 150.000 Menschen ums Leben. Das sind mehr Todesopfer als in den vollen Jahren seit 2004, dem Jahr des Tsunami in Südasien. Weltweit ereigneten sich bis Ende Juni rund 400 Naturkatastrophen. Im Rekordjahr gemessen an der Zahl der Ereignisse 2007 waren es 960. Die volkswirtschaftlichen Schäden betragen 2008 bislang rund 50 Mrd. USD. Auch die versicherten Schäden waren erheblich und lagen im Halbjahresvergleich über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. "Die Tragödien von Sichuan und Myanmar zeigen, dass Risikobewusstsein und Maßnahmen zum Schutz vor solchen Katastrophen in hoch gefährdeten Regionen hohe Priorität bei den jeweiligen Regierungen haben müssen", so Torsten Jeworrek, Vorstandsmitglied der Münchener Rück. Weiter

 

Finanzkrise: Das Schwarze-Peter-Spiel geht weiter

Die EU-Finanzminister (Ecofin) haben den Vorschlag der EU-Kommission unterstützt, die Kontrolle über die Ratingagenturen zu verschärfen. Außerdem forderten sie in ihrer Abschlusserklärung das International Accounting Standards Board (IASB) dazu auf, durch mehr Transparenz die Legitimität und Akzeptanz ihrer internationalen Rechnungslegungsstandards zu erhöhen. "Ratingagenturen sollten einem EU-Registrierungssystem unterliegen", heißt es in der Ecofin-Erklärung. Auch werde ein "intensiverer Wettbewerb" durch neue Akteure befürwortet. Die Ratingagenturen - wie Standard & Poor's, Moody's und Fitch Ratings - werden für die Turbulenzen an den Finanzmärkten mit verantwortlich gemacht, weil sie die Ausfallrisiken von US-Hypothekenmarktpapieren unterschätzt hätten. Die Ratingagenturen "sind die Ursache der Krise", sagte der niederländische Finanzminister Wouter Bos. Sie hätten in den vergangenen Jahren "klar versagt", daher sei es richtig, dass nun etwas unternommen werde. Nach Aussage des belgischen Finanzministers Didier Reynders handelt es sich bei dem Registrierungssystem lediglich um eine "minimale Regulierung" der Agenturen, es stelle weder einen Verhaltenskodex noch ein großes Regelwerk dar. Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde, die den Vorsitz des Ecofin-Treffens führte, erklärte, das Registrierungssystem für die Bonitätsprüfer besitze "außerordentliche Vorteile". EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy wird den Vorschlag zur verbindlichen Regulierung der Agenturen im Herbst vorlegen. Weiter

 




Risikomanagement in Industrie und Handel, Schritt für Schritt professionell umsetzen

Wirtschaftliches Handeln ist immer mit Gefahren verbunden. Diese werden als Ursachen für mögliche Abweichungen von den geplanten bzw. erwarteten Werten aufgefasst, was Chancen (positive Abweichungen) ebenso einschließt wie Risiken (negative Abweichungen). Der Unternehmenserfolg ist maßgeblich davon abhängig, dass Chancen und Risiken gegeneinander abgewogen werden. Risikoorientierte Unternehmensführung ist ein ganzheitlicher Ansatz, der alle Funktionen, Prozesse und Bereiche eines Unternehmens umfasst. Wie kann man die offensichtlichen Vorteile eines bewussten Umgangs mit Risiken realisieren, ohne den unnötigen bürokratischen Aufwand eines überformalisierten Risikomanagementsystems akzeptieren zu müssen?

Das RiskNET-Intensiv-Seminar "Chancen-/Risikomanagement in Industrie und Handel, Schritt für Schritt professionell umsetzen" findet vom 23. bis 24. September 2008 in Linz/Österreich und vom 22. bis 23. Oktober 2008 in München statt. Am 24. Oktober bieten wir einen optionalen Aufbau-Workshop zur "Stochastischen Modellierung" an. Weiter

 

Finanzkrise erfordert Umbau der Weltfinanzarchitektur und des Risikomanagements

Nach Einschätzung von Klaus-Peter Müller, Vorsitzender des Commerzbank-Aufsichtsrates, ist die Situation an den Finanzmärkten ernst. Auf die Frage, ob es "zu einem Tsunami an den Finanzmärkten" kommen wird, sagte er  während einer Podiumsdiskussion: "Wir können nicht ruhigen Gewissens sagen, er kommt nicht." In Zukunft werde die Frage nach einem nachhaltigen Geschäftsmodell und das Risikomanagement von Banken eine höhere Bedeutung bekommen. In Deutschland gebe es derzeit eine Reihe von Banken, die große Probleme mit ihrem Geschäftsmodell haben. "Diese Banken werden Schwierigkeiten haben, in der Zukunft zu bestehen", sagte Müller weiter. Für 2009 erwartet Müller, der auch Präsident des Bundesverbands deutscher Banken ist, höhere Kreditausfälle. "Aus der Bankensicht haben wir eine Reihe unglaublich guter Jahre hinter uns", sagte er. Im Jahr 2009 rechnet er dagegen mit "ersten Verspannungen". Diese versucht die HSH Nordbank AG schon jetzt zu entkrampfen und rechnet noch im zweiten Halbjahr 2008 mit weiteren Abschreibungen. Weiter

 

Analyse: Finanzmarkt ist lernfähig und reguliert sich nach der Krise selbst

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hält wegen der Folgen der Finanzmarktkrise ein gesetzgeberisches Eingreifen des Staates für nicht notwendig, sondern erwartet eine eigenständige Marktbereinigung. Das IW geht zudem davon aus, dass sich Vergleichbares nicht wiederholen dürfte. Die Fehlentwicklungen auf dem US-Hypothekenmarkt mit den daraus resultierenden Folgen für die Finanzwelt seien inzwischen zur Genüge analysiert. "Das lässt hoffen, dass dergleichen nicht noch einmal vorkommt", heißt es in einer jüngst veröffentlichten IW-Analyse. In Deutschland sei die Finanzmarktkrise zwar noch nicht ausgestanden und schon bislang hätten in Deutschland 50 Mrd. EUR an problematischen Krediten abgeschrieben werden müssen.

Der Verbriefungsmarkt ist im Sommer 2007 eingebrochen und hat sich seitdem kaum erholt. Dennoch ist nicht davon auszugehen, dass die Verbriefungstechnologie dauerhaft ihre Bedeutung einbüßen wird. Zu gewichtig erscheinen die Vorteile der Verbriefung im Hinblick auf die Risikoallokation, so die IW-Experten. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass sich der Markt wieder erholen wird, wenn auch mit Modifikationen. Für das IW kann eine Parallele zur Krise der New Economy gezogen werden: "Wie im Rausch kauften die Investoren in den Jahren 1999 und 2000 Internet-Aktien, und jeder Börsengang wurde ein Erfolg. Nach dem Crash gingen viele Unternehmen in die Insolvenz, doch mittlerweile gibt es wieder eine breite Basis erfolgreicher Unternehmen in diesem Sektor." Weiter

 

Gute Zahlungsmoral auch bei hohem Risiko

Das Ausfall- und Insolvenzrisiko eines Unternehmens ist gerade bei mittel- und langfristigen Geschäftsverbindungen von höchster Relevanz. So sind Leasinggeschäfte oder Kredite ohne eine vorherige Bonitätsprüfung kaum vorstellbar. Häufig sind Geschäftskontakte aber auch kurzfristiger Natur. Denkt man beispielsweise an Handwerksbetriebe, ist vor allem die Frage entscheidend, ob der Kunde die gelieferte Ware oder die erbrachte Leistung pünktlich bezahlen wird. Und: Mit welcher Zahlungsmentalität muss bei dieser Geschäftsverbindung gerechnet werden? Ist ein Inkasso- oder Mahnverfahren wahrscheinlich? Wie sollen Zahlungsziele und andere Anreize gesetzt werden, um pünktlich an sein Geld zu kommen? In anderen Worten: Bei Kundenkontakten mit einem eher kurzfristigen Zeithorizont ist entscheidend, mit welcher Wahrscheinlichkeit der Kunde die übermittelte Rechnung innerhalb der vereinbarten Zahlungsfrist begleichen wird. Mit Fragen dieser Art wird Creditreform beinahe jeden Tag konfrontiert. Mittlerweile liegen im ZaC-Pool, dem Zahlungserfahrungspool von Creditreform, mehr als 70 Millionen auswertbare Zahlungsbelege zu rund 1,5 Millionen Debitoren vor. Mit diesen Zahlungserfahrungen konnte eine erste Auswertung des Zahlungsverhaltens von Unternehmen unterschiedlicher Risikoklassen vorgenommen werden - mit verblüffenden Resultaten. Weiter

 





Das Risiko Kommunikation

Für große Unternehmen aller Branchen ist es heute selbstverständlich, Risiken systematisch zu erfassen und zu behandeln - nicht zuletzt durch das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG). Jedoch ist es geradezu frappierend, dass Unternehmen in kommunikativer Hinsicht immer wieder erstaunlich unvorbereitet auf öffentliche Vorwürfe und Konfliktsituationen reagieren und gerade dadurch die Krise schüren.Eine Beobachtung illustriert diesen Umstand: Im Sommer 2007 kam es zu Störfällen in den Kernkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel. Auf immer neue Schreckensmeldungen reagierte der Betreiber Vattenfall mit Schweigen und überließ Politikern und Verbänden die Unterrichtung der Öffentlichkeit. Das führte zu weiteren Schwierigkeiten, denn diese instrumentalisierten die Vorfälle für ihre eigenen Zwecke. Am Ende stand eine desinformierte Öffentlichkeit, die nichts mehr mit Atomkraft zu schaffen haben wollte. Sogar der Konzernchef von Vattenfall Lars G. Josefsson gab zu: "Wir waren unfähig, richtig zu kommunizieren." Weiter

 

RiskNET-Kolumne Juli 2008: Risk Manager gehören zu den Gewinnern der Finanzkrise

In jeder Krise steckt eine Chance und jede Krise hat auch ihre Gewinner. Für Risikomanagement und die Finanzkrise gilt dies in besonderer Weise: Einerseits haben Schwachstellen im Risk Management die Finanzkrise (mit) ausgelöst; gleichzeitig gehören Risk Manager zu den Gewinnern der Krise und sind stärker gesucht denn je. Was auf den ersten Blick wie ein eklatanter Widerspruch wirkt, ist auf den zweiten Blick durchaus nachvollziehbar und sinnvoll. Aber der Reihe nach. Beginnen wir mit den Defiziten im bisherigen Risk Management. Große Krisen sind in der Regel multikausal, da ist die Finanzkrise keine Ausnahme. Eine Reihe von Schwachstellen sind aus heutiger Sicht eindeutig: Die bisher eingesetzten Risk Management Systeme waren in vielen Fällen unzureichend, um die Komplexität der Produkte abzubilden. Dazu kam die streckenweise fehlende Erfahrung beziehungsweise die fehlende Autorität von Mitarbeitern und Führungskräften in den Risk Abteilungen und Schwächen in der Governance. Zusammen mit dem Kurzsichtigkeit der Bonussysteme und dem psychologisch motivierten Herdentrieb war das ein fataler Cocktail. Weiter  

 

Aktuelle Uploads in der RiskNET eLibrary

Massiv gestiegene Anforderungen der Endkunden hinsichtlich Qualität, Preis und Verfügbarkeit sowie der zunehmende globale Wettbewerb veranlassen viele Unternehmen zu einer engeren Zusammenarbeit innerhalb ihrer Wertschöpfungsnetzwerke. Ergebnis sind schlanke Netzwerke mit reduzierten Beständen, hoch ausgelasteten Kapazitäten und optimierten Durchlaufzeiten. Zahlreiche Schadensfälle in den letzten Jahren lassen es jedoch zweifelhaft erscheinen, ob bei einem zunehmend volatilen Umfeld eine einseitige Ausrichtung auf schlanke Supply Chains langfristig noch richtig ist, so die Autoren in einer aktuell erschienen Schriftenreihe der Fachhochschule des bfi Wien zum Thema "Supply Chain Risk Management".

Download der Schriftenreihe "Wirtschaft und Management" zur wirtschaftswissenschaftlichen Forschung und Praxis in der RiskNET eLibrary (Sie finden den Artikel in der Rubrik Methoden): Weiter


Aktuelle Buchempfehlungen

Die Haftung von Vorstand, Aufsichtsrat und Wirtschaftsprüfer

Von: Wellhöfer/Peltzer/Müller, Verlag H. C. Beck, 913 Seiten, München 2008.

Das Buch richtet sich zum einen an die im Titel genannten Zielgruppen, zum anderen an Berater und Rechtsanwälte sowie andere "Stakeholder" des Unternehmens (wie etwa Investoren und Gläubiger). Aufgrund seiner breiten Darstellung der relevanten Organpflichten sowie der hieraus resultierenden Haftungsrisiken stellt das Werk ein ebenso fundiertes wie umfassendes Kompendium für diesen Adressaten dar. Von wenigen Ausnahmen abgesehen bleibt das Werk trotz seiner Fokussierung auf die maßgeblichen rechtlichen Aspekte dabei auch für Nicht-Juristen verständlich und weist durchgehend einen starken Praxisbezug auf. Dementsprechend kann es dem genannten Leserkreis uneingeschränkt empfohlen werden. Weiter

 


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