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Wirtschaftskriminalität: Täter im eigenen HausJedes dritte Unternehmen wurde in den vergangenen zwölf Monaten Opfer einer wirtschaftskriminellen Tat, über die Hälfte davon sogar mehrfach. Dabei sind mittelständische Betriebe mit einem Umsatz zwischen einer und zehn Millionen Euro besonders gefährdet - auf sie entfällt fast die Hälfte des Gesamtschadens von vier Milliarden Euro pro Jahr.
Das sind die Ergebnisse einer neuen Studie der Euler Hermes Kreditversicherungs-AG zur Wirtschaftskriminalität in Deutschland, die repräsentativ für den Mittelstand ist. Von den durch Forsa befragten Unternehmen betrachten 91 Prozent Wirtschaftskriminalität als eine ernsthafte Gefahr für die Unternehmen in Deutschland. 45 Prozent gehen davon aus, dass sich das Risiko noch verschärft. Für das eigene Unternehmen wird die Gefahr allerdings als wesentlich geringer eingestuft: Nur 12 Prozent gehen von einer Gefährdung durch die eigenen Mitarbeiter aus, 22 Prozent sehen die Gefahr eher bei externen Tätern. Tatsächlich werden aber mehr Unternehmen durch eigene Mitarbeiter als durch unternehmensfremde Personen geschädigt. Weiter
Risikoblindheit und MethodikschwächenBei einer Analyse der US-amerikanischen Subprime-Krise, die sich zu einer weltweiten Finanzkrise ausgeweitet hat, stellt man sich die Frage, ob diese unvorhersehbar und ein unglücklicher Zufall war. Und ist die aktuelle Krise tatsächlich, wie Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank sagt, ein Zeichen von Marktversagen, das staatliche Eingriffe erfordert? Tatsächlich waren vielen Führungskräften von Kreditinstituten potenzielle Risiken aus den extrem gestiegenen Preisen amerikanischer Immobilien und der exzessiven Kreditvergabepolitik ebenso bewusst, wie die vergleichsweise geringe Transparenz vieler derivativer Finanzprodukte (etwa der Collateralized Debt Obligations). Wie konnte es dann zu einer derartigen Krise kommen? Im Folgenden werden Erklärungen zusammengefasst, die teilweise überraschend sein mögen - aber mit einem etwas tieferen Blick in die Finanz- und Bankenlandschaft an vielen Stellen verifiziert werden können. Weiter 

Gott würfelt nicht: Vom klassischen Würfelspiel zum modernen Risikomanagement"Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns kaum näher. Jedenfalls bin ich überzeugt, dass der Alte nicht würfelt", schrieb 1926 Albert Einstein an den Physiker Max Born (1882-1970). Die Nachwelt machte daraus den bekannten Ausspruch "Gott würfelt nicht". Das Glückspiel ist quasi der Inbegriff eines bewusst eingegangenen Risikos. Das Erscheinungsbild des Würfels hat sich in den letzten 2.500 Jahren offenbar kaum gewandelt, d.h. der Würfel hat sechs Seiten, jede Seite ist mit Augen versehen und die Summe der Augen auf den einander gegenüberliegenden Flächen ergibt in der Regel immer sieben. Ebenfalls unverändert geblieben ist das statistische Risiko. Dabei ergibt sich beim sechsseitigen Würfel die Wahrscheinlichkeit aus dem Verhältnis der vermuteten Schadensfälle zu den insgesamt möglichen Fällen. Falls beim Spiel mit der gemeinten Zahl ein Verlust verbunden ist, entspricht dies der Gefahr, wird hingegen die richtige Zahl getroffen, also ein Gewinn erzielt, so spricht man im positiven Sinne von Chance. Gefahr und Chance sind hier also Komplementärbegriffe. Jene kalkuliert die Wahrscheinlichkeit eines Schadens bzw. Verlustes, diese die Wahrscheinlichkeit eines Nutzens bzw. Gewinns. Solche Überlegungen führen bereits in die Grundlagen der modernen Risiko- und Wahrscheinlichkeitstheorie, doch über Jahrhunderte haben Menschen Glücksspiele gespielt, ohne von den Systemen der Chancenverteilung zu wissen oder von der Theorie des modernen Risikomanagements beeinflusst zu sein. Weiter
Der schwarze Schwan im RisikomanagementBevor Australien entdeckt wurde, waren die Menschen in der Alten Welt überzeugt, alle Schwäne seien weiß. Diese Überzeugung war unanfechtbar, da sie durch die empirische Evidenz anscheinend völlig bestätigt wurde. Als der erste schwarze Schwan gesichtet wurde, wurde das bisherige Gedankengebäude schwer erschüttert. Die Schwarze-Schwan-Illustration veranschaulicht eine schwerwiegende Beschränkung bei unserem Lernen durch Beobachtung oder Erfahrung und die Zerbrechlichkeit unseres (historischen) Wissens. Da die meisten Beobachter über den eigenen Tellerrand nicht hinausschauen, war für sie klar, dass alle Schwäne weiß sind. Es lag schlichtweg außerhalb der eigenen Vorstellungskraft, dass schwarze (Trauer-)Schwäne in allen Bundesstaaten Australiens vorkommen, sowohl auf dem Festland wie auch in Tasmanien. Der Trauerschwan ist sogar das offizielle Wappentier Westaustraliens und wird in der Staatsflagge dargestellt. Weiter
Die (neue) Rolle des Risikomanagements in der ZukunftDie aktuelle Finanzkrise offenbart die zukünftige (neue) Rolle des Risikomanagements und vor allem die neue Bedeutung von Risikomanagern in Finanzdienstleistungsunternehmen. Wie war es bloß möglich, dass im Vorfeld der aktuellen Finanzkrise bei weltweit führenden Kreditinstituten elementare Grundsätze des internen Risikomanagements fahrlässig über Bord geworfen und für den schnellen Kapitalertrag geopfert wurden? Angesichts der Komplexität von Wirkungsketten, extrem kurzen Produktzyklen und immer schwieriger zu durchschauenden Geschäftsprozessen tun sich selbst ausgewiesene Risikoexperten schwer, die Interdependenzen vollständig zu verstehen und zu erklären. Sinnvoll in strukturierte Finanzierungen zu investieren, erfordert eben auch ein hohes Know-how.
"Wir wussten oft gar nicht, was wir uns da eingekauft haben", so Dirk Wilhelm Schuh mit Blick auf die US-Subprimes. Als wesentliche Ursachen und Treiber der Subprime-Krise identifiziert der Chief Credit Officer der Commerzbank AG u. a. das blinde Vertrauen auf externe Ratingeinschätzungen, Klumpenrisiken durch mangelndes Portfoliomanagement, ein unzureichendes Liquiditätsmanagement, Intransparenz, ein weit verbreitetes Misstrauen der Marktteilnehmer untereinander sowie eine Abwärtsspirale von Marktpreisen. Heute müssten Risikomanager sofort misstrauisch werden, wenn am Markt für vermeintlich gleiche Risiken bessere Preise gezahlt werden. Erst langsam haben einige Marktteilnehmer begriffen, dass ein externes Rating eine Bank nicht von einer eigener Risiko-/Portfolioanalyse befreit. Weiter
Neue Verkehrsregeln für die internationalen FinanzmärkteDie SPD will "eine neue Balance von Markt und Staat" erreichen und hat dazu in einem jetzt verabschiedeten Konzept "neue Verkehrsregeln für die internationalen Finanzmärkte" verlangt. Darin werden 14 Maßnahmen für mehr Transparenz und Stabilität auf den Finanzmärkten eingefordert. Die SPD spricht sich auch dafür aus, die Zahl der deutschen Landesbanken deutlich zu verringern. "Der Landesbankensektor muss horizontal konsolidiert werden", heißt es in dem Papier. Eine Umwandlung der Sparkassen in Aktiengesellschaften und andere privatrechtliche Organisationsformen oder eine Auflösung des dreigliedrigen deutschen Bankensystems wird darin allerdings abgelehnt. Die aufsichtsrechtlichen Liquiditätsvorschriften für Finanzinstitute müssten ausgebaut, Liquiditätsrisiken stärker berücksichtigt und Liquiditätspuffer geschaffen werden, verlangt die SPD. Ebenso müssten die Eigenkapitalanforderungen deutlich steigen. Hierzu wollen die Sozialdemokraten Mindesteigenkapitalquoten. Weiter
RiskNET-Kolumne: Volkes Mund tut Wahrheit kund!Die internationale Finanzmarktkrise beherrscht unser tägliches Leben. Ihr volkswirtschaftliches Drohpotenzial wird durch ein mediales Feuerwerk inszeniert – dabei darf Deutschland in Relation zu exponierteren Staaten immer noch als ein Hort der Stabilität bezeichnet werden. Nackte Fakten bewirken durch die Wucht ihrer Dimensionen beunruhigende Vorstellungen. Der Internationale Währungsfonds hat seine Verlusterwartung für die internationalen Märkte auf mittlerweile 1,4 Billionen US-Dollar (eine Ziffer mit unvorstellbaren 12 Nullen) revidiert, staatliche und privatwirtschaftliche Hilfsmaßnahmen beziffern sich grundsätzlich nur noch in Milliardenhöhe, die Konsequenzen für Industrie (Verringerung der Autoproduktion bei Opel und BMW) und Handel sind noch gar nicht absehbar.
Wechselseitige Absicherungsinstrumente (sog. Credit Default Swaps) wabern mit einem Wert von 58 Billionen US-Dollar durch die weltweiten Bilanzen und drohen aufgrund ihrer steigenden Ausfallraten zu einem Pulverfass zu werden. Mit der Kreditverknappung der Märkte (der Interbankenmarkt ist de facto zum Erliegen gekommen) beginnt eine gefährliche Abwärtsspirale, indem fehlende Finanzierungsmöglichkeiten folgerichtig Investitionsvorhaben verhindern, Wirtschaftswachstum unterbleibt und unternehmerisches Überleben wieder an eine Kostenreduktion (wobei der Fokus zumeist auf Personalkosten liegt) gekoppelt wird. Sicherheitsgarantien der Bundesregierung sollen verloren gegangenes Vertrauen reaktivieren - dabei hätte der Finanzmarkt in Deutschland schon per se ein umfassendes Sicherheitsnetz vorgehalten. Weiter
Aktuelle BuchempfehlungenDer schwarze Schwan. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse
Von: Nassim Nicholas Taleb, Hanser Wirtschaft, 455 Seiten, München 2008.
Wer weiß, dass es Schwarze Schwäne gibt, vertraut keinem Experten mehr, so Taleb in seinem Buch. Talebs Hang zur Arroganz kann er auch in seinem neuen Werk nicht verleugnen (siehe hierzu RiskNET Kolumne September 2006 sowie Buchbesprechung "Narren des Zufalls"). "Medien sind der Gipfel der Irrelevanz", so Taleb. Aus seiner Sicht ermöglichen sie nicht, bessere Entscheidungen im Beruf oder Privatleben zu treffen. Daher liest er auch seit vielen Jahren keine Tageszeitungen mehr. Für Ökonomen hat er noch weniger Verständnis. Er nennt sie Geistesgestörte. Nassim Taleb verbringt seine Zeit lieber mit der Lektüre von Universalgelehrten und Denkern wie Montaigne, Spinoza, Hume, Rousseau, Paracelsus. Denker, die ganze Wissensgebiete nicht nur beackerten, sondern gleich selbst erschufen. Praktiker, so Nassim Taleb weiter. Die wirklichen epochalen Durchbrüche kommen nie aus den Universitäten.
Fazit: Talebs neues Buch ist unterhaltsam und - als Urlaubs- oder Einschlaflektüre - uneingeschränkt empfehlenswert. Wer allerdings methodisch tiefer in das Thema einsteigen möchte, dem seien eher die Publikationen von Benoît B. Mandelbrot empfohlen (beispielsweise "Märkte zwischen Risiko und Ruin"). Mandelbrot kritisiert nicht nur, sondern zeigt auch gleichzeitig alternative Weg auf. "The Black Swan" hingegen ist unterhaltsam - aber zeigt nur wenige Alternativen, außer das Journalisten, Ökonomen und Banker Vollidioten sind. Weiter

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