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 RiskNET Newsletter vom 22. November 2007

Risiken schultern: Gesunde Balance für erfolgreiche Unternehmen

Eine im Kontext des Risikomanagements oft gebrauchte Phrase lautet: Erfolgreiche Unternehmen sind genau die richtigen Risiken eingegangen! Doch was heißt das? Offensichtlich haben diese Unternehmen mögliche Chancen unter Berücksichtigung etwaiger damit verbundener Gefahren genau analysiert. Sie gehen genau die Wagnisse ein, bei denen die zu erwartende Rendite und das damit verbundene Risiko annehmbar erscheinen. Auch theoretisch denkbare Verluste müssen in einem ausreichendem Maße getragen werden können, ohne dass das Unternehmen die Existenz riskiert; frei nach dem Motto: "Erst wägen, dann wagen!" So manch erfolgreicher Unternehmer wird nun einwerfen, dass die Fähigkeit der risikogerechten Entscheidungsfindung die eigentliche Kernkompetenz des erfolgreichen Entrepreneurs darstellt. Tatsächlich scheint diese Form der intuitiven Unternehmensführung gerade im Mittelstand nach wie vor weit verbreitet zu sein. Und der Erfolg gibt vielen dieser Unternehmenslenker ohne Zweifel recht. Dennoch werden die wachsende Komplexität und die Dynamik der Unternehmensumwelt dazu führen, dass Chancen und Risken etwas systematischer und detaillierter analysiert werden müssen. Weiter

 

Risikomanagement in Versicherungen: Bundestag hat 9. VAG-Novelle verabschiedet

Der Startschuß für Solvency II ist vor wenigen Tagen gefallen. Der Deutsche Bundestag hat am 15. November 2007 die 9. Novelle des Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG, Gesetz über die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen aus dem Jahr 1901) verabschiedet. Ein wesentlicher Pfeiler der Novelle sind neue Bestimmungen zum Risikomanagement der Unternehmen.

Ursache für die Überarbeitung ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Juli 2005 (1 BvR 782/94), wonach das Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) für verfassungswidrig erklärt wurde. Das Gericht hat dem Gesetzgeber aufgegeben, bis zum 31. Dezember 2007 eine verfassungsmäßige Neuregelung zu treffen. Daneben besteht Bedarf für die Anpassung der Versicherungsaufsicht an Veränderungen internationaler Standards für die Finanzaufsicht, insbesondere hinsichtlich des internen Risikomanagements der Unternehmen, so der Gesetzgeber in seiner Begründung. Außerdem soll das Verfahren der Mindestüberschussbeteiligung der Versicherten in der Lebensversicherung vereinfacht werden. Weiter

 




Risikomanagement im Stresstest: Liquiditäts- und Reputationsrisiken unterschätzt

Die aktuell andauernde Verunsicherung an den Finanzmärkten infolge der US-Subprime-Krise stellt die etablierten Prioritäten und Instrumente des Risikomanagements auf den Prüfstand. Unter normalen Marktbedingungen nicht im Fokus stehende Risikoarten rücken in den Mittelpunkt. "Anfang Oktober waren wir froh, dass es nicht schlimmer gekommen war, und jetzt wissen wir, dass es noch schlimmer kam", äusserte Andreas Peter auf dem siebten Experten-Forum seines Beratungsunternehmens am 15.11. in Frankfurt am Main. Die Veranstaltung unter dem Titel "Risikomanagement im Stresstest" verdeutlichte, dass zukünftig den Risiken der "zweiten Reihe" und auch den nicht monetär fassbaren Risikofaktoren höhere Aufmerksamkeit gezollt werden muss.

Mit Gerd Oliver Golz, Leiter Liquiditätsrisiko-Controlling der DZ BANK AG, und Thomas von Lüpke, Leiter der Bankenanalyse Deutschland von Fitch Ratings, adressierten zwei Referenten die speziell mit Liquiditätsrisiken einhergehenden Herausforderungen. Golz stellte in seinem Vortrag die Entwicklung der Methoden und Verantwortlichkeiten in der Liquiditätsrisikoüberwachung der DZ BANK vor. Neben der Vorstellung des Liquiditätsrisikomodells und der eingesetzten Stresstests betonte er die Bedeutung der Funktionstrennung zwischen Steuerungs- und Überwachungsfunktion sowie einer sauberen Risikoabgrenzung. Weiter

 

Steigende IT-Risiken durch Berufsverbrecher und Hacker

IT-Sicherheitsspezialisten erwarten im kommenden Jahr unter anderem eine Zunahme der Angriffe auf Webpräsenzen sowie auf das Betriebssystem Microsoft Windows Vista. Weiter rückläufig dürfte dagegen die Verbreitung so genannter Adware sein. "Die Attacken verlagern sich auf das Internet und daran anknüpfende Anwendungen wie die IP-Telefonie oder Instant Messaging", erklärt Jeff Green, der bei McAfee neben den Avert Labs auch die Produktentwicklung leitet. "In vielen Fällen sind Berufsverbrecher oder kriminelle Organisationen die Täter. Da sie immer raffinierter vorgehen, kommt es mehr denn je darauf an, beim Surfen wachsam zu sein und sich zu schützen."

Sicherheitslücken und Malware beispielsweise beim CRM-Anbieter Salesforce, an der Jobbörse Monster oder in der Freizeit-Community MySpace deuten auf einen neuen Trend in der Sabotage von Webapplikationen und Onlineforen hin. Immer mehr Hacker hängen sich an Web-2.0-Angebote, um Schadprogramme zu streuen oder zu kriminellen Zwecken Daten abzugreifen, die sorglose Nutzer freiwillig hinterlassen haben. Diese Form des Missbrauchs wird nach Meinung der McAfee Avert Labs im nächsten Jahr stark zunehmen. Weiter

 

Subprime-Krise erreicht nun auch die Versicherungswirtschaft

Die US-Kreditkrise hat nun auch die Assekuranz erreicht, die sich bisher als immun betrachtete. Die Swiss Re, der weltweit grösste Rückversicherung mit Hauptsitz in Zürich, hatte für einen Kunden, dessen Namen der Finanzchef George Quinn (Bild) nicht nennen wollte, ein Wertpapierpaket von 5,3 Mrd. Franken gegen Verluste abgesichert. Das bestand zum großen Teil aus verschiedenen Kategorien verbriefter Hypotheken. Die Papiere hätten eine statistische Ausfallwahrscheinlichkeit von einem Mal in 30 Jahren gehabt, sagte Quinn. Das Portfolio enthält 953 Mio. Franken an forderungsbesicherten Wertpapieren. Nach einer "beispiellosen Herabstufung" dieser Papiere durch die Ratingagenturen im Oktober und weil es keinen liquiden Markt dafür gebe, habe Swiss Re den Wert der Papiere auf null herabgesetzt, sagte Quinn. Der Rest des Bestands wurde auf 62 Prozent abgewertet. Weiter

 

EZB: Management von Liquiditätsrisiken stärken

Die solide Finanzlage der Banken in der EU wird nach wie vor durch das gesamtwirtschaftliche Umfeld gestützt, das auch im Jahr 2006 und in der ersten Jahreshälfte 2007 - bei einem sich allmählich beschleunigenden BIP-Wachstum und niedrigen Arbeitslosenraten in den meisten EU-Mitgliedstaaten - einen günstigen Einfluss hatte. Doch eine der größten Gefahren für den EU-Bankensektor ist die zu erwartende Entwicklung des Kreditzyklus, der von der in Gang befindlichen Neubewertung der Kreditrisiken beeinflusst werden könnte, sollte diese von Dauer sein, sowie die hieraus resultierenden Folgen für die Bonität der Kreditnehmer und das Kreditrisiko der Banken. Zu diesem Ergebnis kommt die Europäische Zentralbank in einem aktuellen Bericht über die Stabilität des Bankensektors, der vom Ausschuss für Bankenaufsicht des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) erstellt wurde. Dieser Ausschuss setzt sich aus Vertretern der nationalen Zentralbanken und Bankenaufsichtsbehörden der EU sowie der EZB zusammen. Vornehmlich auf der Basis von Bilanzdaten werden in dem Bericht die finanziellen Rahmenbedingungen in den Bankensektoren der 27 EU-Mitgliedstaaten im Jahr 2006 und in der ersten Jahreshälfte 2007 untersucht. Weiter

 

Kolumne: "Bitte anschnallen, aber keine Panik!"

Das Leben verläuft in Zyklen. Konjunkturzyklen, Produktlebenszyklen und nicht zuletzt der rätselhafte Hormonzyklus, der angeblich alle sieben Jahre zuschlägt. Auch die Aktienmärkte unterliegen Zyklen, wobei zwischen aufwärts tendierenden Perioden (Bullenmarkt oder Hausse) und rückläufigen Perioden (Bärenmarkt oder Baisse) unterschieden wird. Je nach Zyklusphase können Märkte auch als reif oder unreif qualifiziert werden. Seit neuestem wird die gegenwärtige Situation regelmäßig mit dem Begriff "mature bull market" beschrieben und das nicht von ungefähr. Der aktuelle Bullenmarkt, der im Jahr 2003 begann, geht jetzt eindeutig in eine neue Phase über. Diese so genannte Reifephase neigt zu weitaus stärkerer Volatilität, kann aber nichtsdestotrotz attraktive Renditen abwerfen. Das wichtigste Merkmal dieser neuen Phase ist ein Nachlassen der Gewinndynamik. Von 2003 bis 2006 stiegen die Gewinne nahezu explosionsartig, die Erträge verdoppelten sich in etwa von Jahr zu Jahr und die Aktienkurse schossen in die Höhe. Die Aktienbewertung veränderte sich daher kaum. Ertragswachstum allein reicht jetzt aber nicht mehr aus, um die Märkte voranzutreiben. Auch die KGVs müssen nachziehen. Da das Kursgewinnverhältnis jedoch von Makrodaten und Marktstimmung abhängt, ist es als Kurstreiber weniger verlässlich als ein hohes Ertragswachstum. Weitere typische Merkmale eines reifen Bullenmarktes sind die verstärkte Fremdmittelaufnahme bei Unternehmen und eine Zunahme der Fusions- und Übernahmetätigkeit. Weiter

 

Mangelndes Risikobewusstsein in den Unternehmen als größtes Hindernis

Unternehmen erkennen zwar die strategische Bedeutung von Risikomanagement, dennoch erfolgt die Umsetzung entsprechender Maßnahmen häufig noch zu schleppend. So stellt für 22 Prozent der Unternehmen das mangelnde Risikobewusstsein nach wie vor das größte Hindernis auf dem Weg zu einem wirkungsvollen Risikomanagement dar. Zu diesem Schluss gelangt die Economist Intelligence Unit in Kooperation mit dem globalen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG in einer aktuell veröffentlichten Studie.

"Unternehmen ist es derzeit noch nicht ausreichend klar, dass ein Risikomanagement in Bezug auf die Wertschöpfungskette intern auch Kosteneinsparungen mit sich bringen kann. Anderseits hingegen hängt davon nicht unwesentlich die äußere Marktwahrnehmung des Unternehmens in Bezug auf das Image, den Markenwert und die Verantwortung der Unternehmensleistung ab", erläutert KPMG-Geschäftsführer Peter Ertl. Laut dem Fachmann nehmen jedoch zeitgleich auch die Anforderungen an die Unternehmen zu, sodass eine rasche Umsetzung noch weitere Zeit in Anspruch nehmen wird. Weiter

 

Aktuelle Uploads in der RiskNET eLibrary

Der Vergleich des Capital Adequacy Model der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) mit dem Aufsichtsmodell des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ergibt, dass beide Modelle das Ziel verfolgen, die Kapitalausstattung von deutschen Lebensversicherern auf ihre Angemessenheit  hin zu überprüfen. Das Capital Adequacy Model ist Teil des Insurer Financial Strength Ratings, welches die finanzielle Stabilität von Versicherungsunternehmen bewertet. Das Aufsichtsmodell ist Bestandteil von Vorschlägen seitens des GDV zur Reformierung der Versicherungsaufsicht im Rahmen von Solvency II.

Download des Artikels "Vergleich zweier Modelle zur Bewertung der Kapitalausstattung deutscher Lebensversicherungsunternehmen" in der eLibrary: Weiter


Aktuelle Buchempfehlungen

Analyse des deutschen Standardmodells für Lebensversicherungsunternehmen

Von: A. Mummenhoff, Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften, 325 S., Ulm 2007.

Im Rahmen des EU-weiten Projektes Solvency II wird die Versicherungsaufsicht einer Reform unterzogen, um sie risikoorienter als unter Solvency I zu gestalten. Neben qualitativen Aspekten steht die Bestimmung des notwendigen Risikokapitals zur Disposition, des so genannten Solvency Capital Requirement (SCR). Zu seiner Berechnung sind sowohl von den Unternehmen zu entwickelnde interne Modelle als auch von der Aufsicht vorgegebene Standardmodelle geplant. Vor diesem Hintergrund wurde auf Initiative des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), dem Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) sowie der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) der "Diskussionsbeitrag für einen Solvency II - kompatiblen Standardansatz (Säule I)" als Nachfolger des 2002 vom GDV veröffentlichten "Aufsichtsmodells" entwickelt und als Vorschlag für die konkrete Ausgestaltung eines Standardmodells in den europäischen Entscheidungsprozess zu Solvency II eingebracht, um so die Diskussion im EU-Projekt zu fördern. Weiter

 


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