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 RiskNET Newsletter vom 19. September 2007

Jeder stabilen Entwicklung wohnt ihr eigenes Scheitern inne

Plötzlich erlebt ein halb vergessener Ökonom eine Renaissance: Entsprechend Hyman P. Minskys Theorien sind Finanzkrisen und heftige Marktbewegungen als systembedingte Folgen des Verhaltens von Marktteilnehmern zu betrachten und werden im Zusammenhang mit der Subprime-Krise intensiv diskutiert. Im Kern entwickelte Minsky eine Theorie dazu, wie Finanzblasen entstehen und irgendwann platzen. Die finanzorientierte Argumentation Minskys wird oft auch als „Wall Street-Keynesianismus“ bezeichnet.

Minsky fand während seiner Zeit als Wissenschaftler nur wenig Gehör, da die neoliberale Schule der Ökonomie, die in Reaktion auf die Theorien von John Maynard Keynes entstanden war, über alle Querdenker dominierte. Die meisten neoliberalen Wirtschaftswissenschaftler waren zur damaligen Zeit davon überzeugt, dass die Finanzmärkte „effizient“ seien. Hyman Minsky sah dies anders: Erfolg führe zu größeren Wagnissen. Wenn etwas funktioniere, dann probiere man es immer weiter, immer extremer aus, bis es nicht mehr funktioniert. Stabilität führe damit notwendig zu Instabilität. Weiter

 

Anforderung der 8. EU-Richtlinie - Euro-SOX am Horizont?

Die Wirtschaftsskandale der vergangenen Monate und Jahre haben die Notwendigkeit internationaler einheitlicher Regelungen der Abschlussprüfung in Unternehmen verdeutlicht. In diesem Kontext hat die Europäische Union die 8. Europäische Richtlinie (umgangssprachlich auch Euro-SOX genannt) am 17. Mai 2006 beschlossen und am 9. Juni 2006 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht. 20 Tage nach dieser Veröffentlichung ist die Richtlinie in Kraft getreten. Sie ist seitdem in allen 27 EU Mitgliedsstaaten gültig und ist von diesen bis spätenstens zum 29. Juni 2008 in nationales Recht umzusetzen.

Frank Hülsberg, Partner und Mitglied des Management Teams ERS (Enterprise Risk Services) bei Deloitte, wies während eines Vortrags auf der RMA Jahreskonferenz 2007 in Neuss darauf hin, dass in der Folge der 8. EU-Richtlinie insbesondere das Vertrauen in die Rechnungslegung und Abschlussprüfung gestärkt werden soll. So soll u.a. die Unabhängigkeit der Abschlussprüfer erhöht werden, Pflichten und Aufgaben von Prüfungsausschüssen harmonisiert werden und insgesamt das Vertrauen der Anleger gestärkt werden. Weiter

 

Deutsche Unternehmen bei Corporate Governance auf der Überholspur

Der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) enthält neben der Darstellung wesentlicher gesetzlicher Vorschriften zur Unternehmensführung in seiner heute geltenden Fassung insgesamt 81 Empfehlungen sowie 20 Anregungen zur Leitung und Überwachung von Unternehmen. Grundsätzlich steht zwar die Befolgung der Empfehlungen und Anregungen den Unternehmen frei, börsennotierte deutsche Gesellschaften sind jedoch nach § 161 AktG gesetzlich verpflichtet, in einer jährlichen Entsprechenserklärung darzulegen, welche Empfehlungen sie nicht anwenden. In der Praxis stoßen die Kodexbestimmungen auf eine insgesamt sehr positive Resonanz, meint Prof. Dr. Axel von Werder (Bild), Mitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex sowie Vorsitzender des Nominierungsausschusses der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR). Ausgehend von einem ohnehin schon hohen Niveau habe die Zustimmung zum Kodex im vergangenen Jahr in der Tendenz noch leicht zugenommen, so von Werder im Rahmen der Jahrestagung der Risk Management Association e.V. (RMA) in Neuss. Weiter

 

Webinar 2. Okt. 2007, 14:00 Basel II Rating Plattform


Der Basel II IRB-Ansatz ermöglicht Finanzinstituten, ihr Wissen über Kunden, Prozesse und Märkte in Form interner Ratingverfahren anzuwenden - mit dem Ziel die Bestimmungsgenauigkeit von Kreditrisiken zu erhöhen.
Erfahren Sie, wie Kreditrisiken grafisch abgebildet und in der Rating Plattform operativ angewendet werden. Weiter

 

Grundsätze ordnungsgemäßer Planung (GoP) und die Blindheit für Planungsunsicherheit

Unternehmerischer Erfolg hängt maßgeblich davon ab, dass die richtigen Entscheidungen getroffen und die so angestoßenen Maßnahmen konsequent umgesetzt werden. Aufgrund der zentralen Bedeutung der Unternehmensplanung ist die Entwicklung eines Leitfadens für „Grundsätze ordnungsgemäßer Planung“ (GoP) durch den Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V. sehr zu begrüßen. Der BDU führt zur Bedeutung und Funktion der Planung aus: „Unternehmensplanungen dienen der Sicherung der Unternehmenszukunft, dem Erreichen von Unternehmenszielen, der Förderung von Innovationen sowie der Erhöhung der Wirtschaftlichkeit von Unternehmen. Die Zukunftssicherung geschieht durch Vorwegdenken der möglichen Situationen, so dass man im Ernstfall gewappnet ist und schnell reagieren kann.“ Der Leitfaden formuliert allgemeine Grundsätze, betont die Notwendigkeit der Analyse als Ausgangspunkt jeder Planung und rechtfertigt sowohl die Bedeutung einer strategischen wie auch einer operativen Unternehmensplanung nachdrücklich. Weiter

 

Conduits: Wundertüten zur Risikosteuerung

Da werden Risiken immer raffinierter in kleine Päckchen verpackt, weitergereicht, zurückgenommen und wieder transferiert. Das Ergebnis ist, dass viele Marktteilnehmer gar nicht mehr so richtig wissen, wie brisant ihr "Risikopäckchen" eigentlich ist. "In Wirklichkeit ist das eine Wundertüte, bei der Sie nicht wissen, wo der Knallfrosch drin ist.", so Finanzminister Peer Steinbrück jüngst auf einer Handelsblatt Konferenz. Keiner wisse mehr so richtig, wo die zuvor mehrfach zersägten und neu verpackten Risiken abgeblieben sind.

So gründeten Banken Investmentvehikel (sog. Conduits) mit so spannenden Namen wie "Rhineland Funding" oder "Ormond Quay", die Forderungen wie beispielsweise langlaufende Kredite, Handelsforderungen oder extern geratete Wertpapiere einmalig ankauft und diese über die Ausgabe von Geldmarktpapieren refinanziert. So hatte Rhineland in verbriefte Kredite (Collateralized Debt Obligations, CDO) über 13 Milliarden Euro investiert und diese durch Ausgabe von "Commercial Papers" (Wertpapiere mit einer Laufzeit von 30 bis 60 Tagen) refinanziert. Weiter

 

BKA legt Jahresbericht der Geldwäsche-Verdachtsanzeigen vor

Nach dem vom Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlichten Jahresbericht der FIU (Financial Intelligence Unit) Deutschland wurden im vergangenen Jahr insgesamt 10.051 Verdachtsanzeigen nach dem Geldwäschegesetz (GwG) erstattet. Dies bedeutet einen Anstieg um 1.810 Verdachtsanzeigen (22 Prozent) gegenüber dem Vorjahr und damit das höchste Anzeigenaufkommen seit dem In-Kraft-Treten des GwG im Jahr 1993.

Wie schon im Jahr 2005 dominierte im Berichtszeitraum das Phänomen "Phishing und Finanzagenten" mit 1.913 Anzeigen – 1.567 Meldungen mehr als im Vorjahr. Bei den "Finanzagenten" handelt es sich um Personen, die über das Internet dazu angeworben werden, ihr Privatkonto für Transaktionen (Annahme und Weiterleitung von Geldern auf Anweisung Dritter) zur Verfügung zu stellen. Weiter

 

15. Fachtagung Corporate RiskManagement am 17. Oktober 2007, Frankfurt am Main

Am 17. Oktober 2007 veranstaltet die Schleupen AG in Zusammenarbeit mit RiskNET und der Risk Management Association e. V. in Frankfurt/Main die "15. Fachtagung Corporate RiskManagement". Themenschwerpunkte sind: Governance, Risk und Compliance / Risikomanagement bei SAGA GWG / Software-Unterstützung für Compliance und Risikomanagement / Marktrisiken als Teil des Gesamtrisikomanagements / Ergebnisorientiertes Risikomanagement bei Austrian Airlines Weitere Informationen finden Sie hier: weiter

 

Ausweitung der Ratings auf Liquiditätsrisiken

Ratingagenturen reagieren auf die öffentliche Kritik, die im Zuge der aktuellen Liquiditätskrise an den weltweiten Finanzmärkten an ihren Bonitätsausweisen aufgekommen ist. So erwägt Moody's Investors Service eine Ausweitung ihres Bewertungsinstrumentariums bei komplexen Finanzinstrumenten. Der President und CFO der Ratingagentur, Brian Clarkson, sagte, sein Unternehmen spreche mit den Regulierern über Instrumente, mit denen Fragen von Liquidität und Marktwert behandelt werden könnten. Damit reagiert Moody's auf die öffentliche Kritik, die jüngst an der Form ihrer Ratings aufgekommen war. Investoren und Politik werfen den internationalen Ratingagenturen vor, nicht ausreichend vor Risiken gewarnt zu haben, die mit strukturierten Finanzprodukten verbunden waren. So sind in der aktuellen Krise Banken unter anderem mit Wertpapieren ins Schlingern geraten, obwohl diese eine sehr guten Bonitätsbewertung haben. Weiter

 

RiskNET Intensiv-Seminar: Industrielles Chancen-/ Risikomanagement

Das Intensiv-Seminar vermittelt Methodenkompetenz in praxisorientierten Verfahren zur Risikomessung, Risikoaggregation und -berichterstattung. Neben dem klassischen Instrumentarium und den aus dem Finanzdienstleistungsbereich bekannten Value at Risk-Modelle werden neue, speziell für die Anforderungen von Unternehmen entwickelten Cash Flow at Risk (CFaR) und Budget at Risk Ansätze erläutert. Zur integrierten Betrachtung von Risiken und Chancen werden weitere Risiko-Kennzahlen vorgestellt und diskutiert. Außerdem entwicklen wir gemeinsam ein Risikoaggregationsmodell basierend auf Excel und @RISK.

15.–16. Oktober 2007, München

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Aktuelle Uploads in der RiskNET eLibrary

Die Ermittlung möglichst exakter Unternehmens- oder Entscheidungswerte1 ist in der betriebswirtschaftlichen Praxis an vielen Stellen von zentraler Bedeutung, weil sie – oder daraus abgeleitete Größen – unternehmerische Entscheidungen beeinflussen. Der Beitrag " Unternehmensbewertung: Grundlage rationaler M&A-Entscheidungen? Eine Auswahl zwölf wesentlicher Fehlerquellen aus praktischer Sicht" präsentiert einen Bezugsrahmen für die systematische Analyse des Bewertungsprozesses. Zudem werden beispielhaft zwölf ausgewählte Fehlerquellen diskutiert, die der Bestimmung eines (gemessen an den verfügbaren Informationen) „richtigen“ Unternehmenswertes entgegenstehen. Weiter


Aktuelle Buchempfehlungen

Geldwäschebekämpfung und Gewinnabschöpfung.

Von: Herzog, Felix; Mülhausen, Dieter (Hg.), 686 Seiten, C. H. Beck, München 2006.
 
Geldwäschebekämpfung und Gewinnabschöpfung sind hochmoderne und komplexe Rechtsgebiete, die sich durch die Vernetzung von Regelungen und Maßnahmen unterschiedlicher Rechts- und Politikbereiche nationaler wie internationaler Provenienz auszeichnen. Nicht zuletzt die dritte EU-Geldwäscherichtlinie hat die Dynamik in der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung in hohem Maße beschleunigt. Dieses Praxishandbuch, eine fulminante Gemeinschaftsproduktion von 13 Wissenschaftlern und Praktikern aus den Bereichen Justiz, Polizei und Wirtschaft, behandelt folgerichtig auch erstmals die Themen Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Gewinnabschöpfung im Verbund. Dabei werden kriminologische Erkenntnisse, materielle und prozessuale Strafrechtsnormen, gewerbe-, berufs- und datenschutzrechtliche Regelungen behandelt sowie ihre Verflechtungen deutlich aufgezeigt. Weiter

 


RiskNET Aktuell Impressum

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