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 RiskNET Newsletter vom 19. Dezember 2007




4 große "R-Themen": Risikomanagement, Rechnungslegung, Ratings und Regulierung

Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des aktuellen Finanzstabilitätsberichts der Deutschen Bundesbank unterstrich Hermann Remsperger, Mitglied des Vorstands, dass die Deutsche Bundesbank - analog zu IWF, BIZ und anderen Notenbanken - eine Korrektur der lange Zeit auffällig niedrigen Risikoprämien seit längerem erwartet hatten. Auch dass eine umfassende Neubewertung finanzieller Risiken von einer Eintrübung des makroökonomischen Umfelds, konkret des amerikanischen Immobilienmarktes, ausgehen könnte, hatte die Bundesbank auf dem Radarschirm.

"Nicht zuletzt haben wir auf die Risiken aus "exotischen" Hypothekenkreditarten schon vor zwei Jahren hingewiesen. Aber ich kenne niemanden, der sich anmaßt, die Breite und Tiefe sowie die Verästelungen der jetzigen Probleme genau vorhergesagt zu haben",  so Remsperger in seinen heutigen Ausführungen. Die vom US-Subprime-Hypothekenmarkt ausgegangenen Verwerfungen belasten das internationale Finanzsystem nun schon seit mehreren Monaten in einer Weise, die das komplette Finanzsystem herausfordert. Dies gilt sowohl für die Diagnose als auch für die Therapie. Weiter

 

Köpfe des Risikomanagements: Augustin Louis Cauchy, Pionier der Analysis

Augustin Louis Cauchy (geb. am 21. August 1789 in Paris; gest. 23. Mai 1857 in Sceaux) war ein französischer Mathematiker und gilt als Pionier der Analysis. So führte er u. a. die strenge Beweisführung in die Analysis ein. Nach ihm wurde die Cauchy-Verteilung (oder auch t-Verteilung, Lorentz-Verteilung bzw. Breit-Wigner-Verteilung bekannt) benannt, die als Prototyp einer Verteilung gilt, die weder Erwartungswert noch Varianz oder Standardabweichung besitzt, da die entsprechenden Integrale nicht definiert sind.

Augustin Louis Cauchy entstammt einer streng katholischen Familie. Sein Vater Louis-François war zur Zeit der Erstürmung der Bastille am 14. Juli 1789 die rechte Hand des Lieutenant Général der Polizei von Paris, Louis Thiroux de Crosne. Wenige Wochen nach den turbulenten Zeiten in den Straßen von Paris - aber immer noch mitten in den turbulenten Zeiten der französischen Revolution - wurde Augustin Louis geboren. Nachdem im April 1794 Thiroux de Crosne nach Paris zurückkehrte, sofort verhaftet und zum Tode verurteilt wurde, floh Louis-François mit seiner Familie nach Arcueil, wo sie auf dem Land in Armut und Hunger lebten. Weiter

 

Private Equity: Balance zwischen Rendite und Risiko

In den vergangenen Jahren nahm die Bedeutung alternativer Anlageklassen weltweit zu, so dass diese einen signifikanten Einfluss auf die Volkswirtschaft und das Finanzsystem haben. Seit wenigen Monaten steht der rasant gewachsene Markt für private Unternehmensbeteiligungen (Private Equity) vor einem Wendepunkt. Die zunehmende Risikoscheu der Kreditinvestoren erlaubt es den Beteiligungsgesellschaften derzeit immer seltener, die Übernahmen zu günstigen Konditionen zu finanzieren. Der deutsche Markt für fremdfinanzierte Unternehmensübernahmen durch Risikokapitalgeber (Leveraged Buyouts, LBOs) ist seit Juli sogar beinahe gänzlich zum Erliegen gekommen. "LBO-Risiken sind durchaus vergleichbar mit Subprimerisiken", so Gerrit Frohn, Executive Director der Morgan Stanley Bank AG, im Rahmen einer Veranstaltung des International Bankers Forum (IBF) in Düsseldorf. Insofern wird die derzeitige Risikoaversion kaum ernsthaft verwundern. Weiter

 

RiskAcademy: Entwicklung und Kalibrierung eines Ratingsystems

Am 8. Januar 2008, 17 Uhr, wird sich Dr. Markus Rieder in einer Live-Präsentation mit der Entwicklung und Kalibrierung eines Ratingsystems beschäftigen. Eine der wesentlichen Innovationen des Baseler Konsultationsprozesses (Basel II) gegenüber der bisherigen Praxis ist, dass Banken von externen Agenturen durchgeführte Ratings oder alternativ eigene, interne Ratingverfahren für die Bonitätsprüfung und für die Erfüllung aufsichtsrechtlicher Pflichten verwenden dürfen, sofern die Ratingverfahren gewissen Qualitätsstandards gerecht werden. Ein zuverlässiges Ratingverfahren mit einer entsprechend präzisen Schätzung von Ausfallwahrscheinlichkeiten der Kunden kann für ein Kreditinstitut ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein, seine Abwesenheit ein gravierender und u. U. folgenreicher Nachteil.

Weitere Informationen finden Sie unter www.riskacademy.de





Richtige Balance zwischen Risiko und Performance

Unternehmen sind auf einschneidende Risiken nur unzureichend vorbereitet: 62 Prozent der Unternehmen mit einem Umsatz von über fünf Milliarden Dollar hatten in den vergangenen drei Jahren mit strategischen, operativen oder geopolitischen Problemen zu kämpfen - und 42 Prozent der Unternehmen waren nicht gut darauf vorbereitet. Dies ist das zentrale Ergebnis der neuen IBM Global CFO Studie, für die über 1.200 Chief Financial Officers (CFOs) und Führungskräfte aus Finanzabteilungen aus 79 Ländern befragt wurden. In Deutschland - mit 80 befragten Finanzexperten - waren zwar weniger Unternehmen massiven Risiken ausgesetzt (46 Prozent), aber sogar die Hälfte der CFOs fühlte sich darauf schlecht vorbereitet. Die Studie mit dem Titel "Die richtige Balance zwischen Risiko und Performance durch eine Integrierte Finanzorganisation" wurde von der Unternehmensberatung IBM Global Business Services mit Unterstützung der Wharton School der University of Pennsylvania und der Economist Intelligence Unit entwickelt. Die internationale Befragung geht der Frage nach, wie Finanzorganisationen mit den Chancen und Risiken der Globalisierung für ihr Unternehmen umgehen. Weiter

 

Risikomanagement als integriertes Steuerungsinstrument in der Lebensmittelindustrie

Die Umsetzung eines effektiven Risikomanagements wird von deutschen Unternehmen der Lebensmittelbranche - auch kleineren und mittelständischen - mehrheitlich als unverzichtbar angesehen. Doch etwa ein Fünftel der Studienbefragten ist nicht von der Wirksamkeit ihres Risikomanagementsystems überzeugt. Der hohe organisatorische Aufwand bei der Systemeinführung wird von vielen Unternehmen als belastend empfunden. Generell ist das Risikomanagement in nahezu allen Unternehmen Chefsache - die Geschäftsführung definiert dabei Ziele und Strategien gemäß den allgemeinen Unternehmenszielen. "Wer erfolgreich sein will, muss Risiken kalkuliert eingehen.

Dafür ist ein funktionierendes Risikomanagement notwendig", erklärt Stefan Huckemann, Partner Consumer Business bei Deloitte. "Als integriertes, wertorientiertes Steuerungsinstrument leistet ein Risikomanagementsystem weit mehr, als nur den allgemeinen Vorgaben zu entsprechen - so bietet es zum Beispiel die Basis zur Identifikation von Frühwarnindikatoren und ist eine wichtige Entscheidungshilfe für risikoreduzierende Maßnahmen." Weiter

 

Verbesserte Vorkehrungen gegen Risikokonzentration

Das Financial Stability Forum empfiehlt in seiner vorläufigen Analyse der jüngsten Ereignisse im US-amerikanischen Hypothekenmarkt "prompt implementation and some refinement of Basel II". Das größte Manko war, dass die in Basel II vorgesehene Anrechnung unterjähriger Kreditzusagen und die prinzipielle Eigenkapitalunterlegung von Liquiditätslinien der Zweckgesellschaften erst ab 2008 greifen, so Professor Dr. Franz-Christoph Zeitler, Vizepräsident der Deutschen Bundesbank. Zeitler wies jüngst darauf hin, dass auch in den USA zumindest einige der Kritiker an Basel II heute froh wären, wenn die aufsichtlichen Neuregelungen schon früher implementiert worden wären.

In diesem Zusammenhang schließt jedoch die grundsätzliche Haltung zur Umsetzung von Basel II nicht aus, dass im Rahmen des Baseler Regelwerks einzelne Punkte im Lichte der aktuellen Erfahrungen überarbeitet werden, so der Bundesbank-Vize. "Stichworte sind hier etwa die Eigenkapitalunterlegung von jederzeit kündbaren Liquiditätslinien oder Marktstörungslinien."
Auf internationaler oder jedenfalls europäischer Ebene wird nach Meinung der Bundesbank auch über verbesserte Vorkehrungen gegen Risikokonzentration (large exposure rules) zu sprechen sein. Die Vermeidung von "Klumpenrisiken" ist ein traditionelles Thema der Bankenaufsicht und muss - etwa mit Blick auf Liquiditätslinien an Zweckgesellschaften (und deren vorgeschaltete Aufkaufgesellschaften) - auf "innovative Gestaltungen" hin aktualisiert und präzisiert werden, so Zeitler weiter. Weiter

 

Tiefdruckgebiet: Subprime-Krise kommt in zwei Wellen

Wie bei einem Tiefdruckgebiet kommen die Störungsausläufer der jüngsten Subprime-Krise in mehreren Wellen, so Professor Dr. Franz-Christoph Zeitler, Vizepräsident der Deutschen Bundesbank. Die erste Welle erfasste im Sommer den Geldmarkt und führte zu einem zeitweisen Austrocknen der Märkte für commercial papers, insbesondere zur Finanzierung von ABS- und RMBS-Sturkturen. Nach einer gewissen Beruhigung im Herbst (mit sinkenden spreads und steigenden Anschlußfinanzierungsquoten im CP-Markt) zeigen die Geldmärkte derzeit - wohl auch bedingt durch das bevorstehende Jahresende - wieder deutliche Zeichen von Anspannungen. "Wir sehen dies an den spreads zwischen unbesicherten und besicherten Geldmarktkrediten, am ungewöhnlichen Anstieg der Geldmarktzinsen im Ein- und Dreimonatsbereich und - in der operativen Geldpolitik - an den gestiegenen marginalen Zuteilungsraten der Refinanzierungsgeschäfte des Eurosystems." so der Bundesbank-Vize in einem Vortrag. Weiter

 

Intensiv-Seminar: Industrielles Chancen-/ Risikomanagement

Das Intensiv-Seminar "Industrielles Chancen-/Risikomanagement, Schritt für Schritt professionell umsetzen" ist nicht nur wegen des außergewöhnlich schönen Ortes auf der Speckalm im Sudelfeld einmalig: Vom 12. bis 13. Juni 2008 wird auf 1408 m Meereshöhe in einer der schönsten Landschaften im Voralpengebiet Methodenkompetenz in praxisorientierten Verfahren zur Risikomessung und -berichterstattung vermittelt. Optional wird am 14. Juni ein Modellierungs-Workshop (@RISK) angeboten.

Die aussichtsreiche Umgebung zwischen saftigen Almwiesen und grasenden glücklichen Kühen vermittelt den für das Risikomanagement nötigen "Weitblick". Sie gibt den nötigen Abstand vom Alltagsgeschäft für diesen Intensiv-Workshop in kleiner Gruppe, der neben dem klassischen Instrumentarium und den aus dem Finanzdienstleistungsbereich bekannten Value at Risk-Modelle neue, speziell für die Anforderungen von Unternehmen entwickelte Cash Flow at Risk (CFaR) und Budget at Risk Ansätze erläutert. Zur integrierten Betrachtung von Risiken und Chancen werden weitere Risiko-Kennzahlen vorgestellt und diskutiert. Danach sind sie dem "Gipfelsieg" ganz nah!

Die Alm ist mit dem PKW erreichbar und bietet moderne Zimmer mit Dusche/WC. Alternativ bieten wir das Intensiv-Seminar vom 9. bis 10. April 2008 in München an. Weiter

 

Aktuelle Uploads in der RiskNET eLibrary

Modelle zur Quantifizierung der Marktrisiken bei Finanzdienstleistern (Kreditinstitute, Asset Manager) müssen alle wesentlichen Risiken angemessen erfassen. Ein aktueller Beitrag beschreibt ein Verfahren, anhand dessen entschieden werden kann, ob ein Portfolio in signifikanten Umfang Finanzinstrumente enthält, deren Wert sich nichtlinear mit den unterliegenden Marktrisikofaktoren ändert. Die Identifikation derartiger Portfolios mit signifikant nichtlinearen Risiken ist die Voraussetzung für die Wahl eines geeigneten Risikomodells. Es wird die Situation untersucht, in der grundsätzlich ein parametrisches Modell zur Anwendung kommt und gegebenenfalls flankierend eine Monte-Carlo-Simulation zur Abdeckung nicht-linearer Risiken durchgeführt werden muss.

Download des Artikels "Vorgehensmodelle zur Identifikation von Portfolios mit signifikant nichtlinearen Marktrisiken" in der eLibrary: Weiter


Aktuelle Buchempfehlungen

Handbuch Managerhaftung: Risikobereiche und Haftungsfolgen für Vorstand, Geschäftsführer, Aufsichtsrat

Von: Gerd Krieger; Uwe H. Schneider, Verlag Dr. Otto Schmidt, 1001 S., Köln 2007.

Durch die unsorgfältige oder fehlerhafte Führung der Geschäfte können einerseits dem Unternehmen selbst, andererseits Dritten Schäden entstehen. Schäden innerhalb des Unternehmens treten in der Regel durch finanzielle Verluste ein. Bei Dritten geht es um den Verlust von Forderungen gegen das Unternehmen wegen dessen Insolvenz oder um Beeinträchtigungen von absolut geschützten Rechtsgütern wie Leben, körperliche Unversehrtheit, Eigentum oder gewerblichen Schutzrechten. Die gesetzlichen Regelungen der verschiedenen Haftungsfälle sind in der Praxis eher selten Vorständen, Geschäftsführern und Aufsichtsräten bekannt. [...] Das Handbuch Managerhaftung ist eine wahre Fundgrube für alle Organmitglieder und Aufsichtsratmitglieder. Die einzelnen Beiträge folgen insgesamt einem logischen Aufbau, sind in einer klaren Sprache verfasst und lassen nur wenige Fragen offen. Bei einer Neuauflage sollte man über eine transparentere Strukturierung der insgesamt 33 Beiträge nachdenken, da die Aufteilung in die drei Blöcke "Grundlagen", "Besondere Risikobereiche" und "3 Teil" zu grob ist und keine wirkliche Hilfe darstellt. Weiter

 


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