Autor: Dr. Stefan Hirschmann

Bankinterenes Rating: Risikomanagement ist Trumpf

Durch Basel II und den damit verbundenen Ratingprozess stehen wichtige Veränderungen in der Finanzierungslandschaft an. Doch die Banken beginnen nicht erst zu Beginn des Jahres 2007 mit der Umstellung auf baselkonforme Ratingverfahren. Schon heute werden die meisten Kreditnehmer individuell gemäß ihrer Bonität in Ratingklassen eingeteilt. Durch diese risikosensitive Differenzierung der Eigenkapitalanforderungen kann das Kreditinstitut seine Eigenkapitalkosten dem Schuldner genauer zuordnen. Für mittelständische Unternehmen ist dies grundsätzlich positiv, denn die Kapitalunterlegung sinkt im Vergleich zu großen Firmen und institutionellen Kunden deutlich ab, sofern die Umsatzgröße fünf Millionen Euro nicht übersteigt und maximal eine Million Kredit pro Institut in Anspruch genommen wird. Für einzelne Unternehmen könnte es infolge von Basel II aber auch schwerer werden. Befinden sich diese beispielsweise in einem Umfeld mit hohen Firmen- und Branchenrisiken oder verfügen über keine oder schlecht nutzbare Sicherheiten, wird das Rating vermutlich weniger gut ausfallen. Gleiches gilt für Firmen mit geringer Eigenkapitalausstattung oder unzureichender Informationsbasis. Um ein gutes Rating und die damit verbundenen niedrigen Kreditkonditionen zu erlangen, sollten Unternehmen alle Maßnahmen nutzen, insbesondere im finanziellen Bereich, um ihr Bonitätseinschätzung zu verbessern. Ein Teil der mittelständischen Unternehmen hat sich aber noch immer nicht in ausreichendem Maße mit diesem Thema befasst und damit begonnen, bestehende Informationsdefizite abzubauen. Je besser die Geschäftsführung des kreditnachfragenden Unternehmens über den Rating- und Kreditvergabeprozess informiert ist, desto besser kann sie diesen Prozess unterstützen und die Bewertung positiv beeinflussen.

Das Bonitätsrating sollte in diesem Kontext als Chance für den Kreditnehmer, als Beratung und als Dienstleistung der Bank verstanden werden. Das Rating des Unternehmens ist eine differenzierte Analyse der wichtigsten Erfolgskennzahlen und der wichtigsten Erfolgsfaktoren des Unternehmens. Insofern können die Ergebnisse der Unternehmensführung Anregungen und Unterstützung bei der Sicherung bzw. der Verbesserung der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens geben. Zur adäquaten Vorbereitung auf das Ratingverfahren empfiehlt es sich, eine persönliche Wertschöpfungskette zu erarbeiten, Erfolg versprechende Positionen in der Gewinn- und Verlustrechnung zu identifizieren und gezielt anzugehen. Darüber hinaus sollten Firmen Daten aufbereiten und auf Informationswünsche der Bank eingehen. Dann sollte es auch weniger schwieirg sein, von den Kapitalgebern Transparenz einzufordern, wie das Rating zustande gekommen ist. Denn nur wer die Informationsbedürfnisse und Analysemodelle der Banken versteht und die Gründe für sein Rating kennt, kann Maßnahmen ergreifen, um die eigene Situation zu verbessern. In der Regel basiert die quantitative Analyse primär auf den vergangenheitsbezogenen Daten der Jahresabschlüsse. Dabei werden aus einer automatisierten Bilanz- und GuV-Analyse betriebswirtschaftliche Kennzahlen abgeleitet, um die nachhaltige Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens zu bewerten. Von Kreditanalysten gern gesehen wird, wenn die jeweilige aktuelle wirtschaftliche Situation in Form von Quartalsberichten sowie Mehrjahresplanungen stärker mit einbezogen werden kann.

Der Unternehmer sollte in der Lage ist, eine aussagekräftige, kurzfristige Erfolgsrechnung vorzulegen. Vor allem kleinere Betriebe tun sich damit allerdings schwer. Meist wird auf die in der Betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA) gebuchten Zahlen zurückgegriffen, ohne dass unterjährige Abgrenzungsbuchungen, z. B. für Abschreibungen, Zinsen, Urlaubsgelder usw., vorgenommen werden. Einen Einblick in das abgelaufene Geschäftsjahr gibt erst der Jahresabschluss. Dies dürfte in Zukunft nicht mehr ausreichend sein. Banken wollen über die Qualität der Einkünfte und den Grad, zu dem die Einkünfte und der Cashflow des Kreditnehmers aus dem Kerngeschäft fließen, in Kenntnis gesetzt werden. Daraus ergibt sich auch eine plausible Zuordnung der sonstigen betrieblichen Erträge, wie z.B. Einkünfte aus Anlagenabgängen oder aus der Auflösung von Rückstellungen, aus Mieteinnahmen o.Ä. Hierdurch wird es beim bankinternen Rating möglich, zwischen stetig wiederkehrenden und außerordentlichen Einmalerträgen zu differenzieren. Neben den quantitativen Daten aus den Jahresabschlüssen spielen auch qualitative Faktoren eine Rolle. Dabei werden insbesondere die strategischen Erfolgsfaktoren analysiert, die für die zukünftige Unternehmensentwicklung Bedeutung haben. Auch die Frage der Nachfolgeregelung wird meist betrachtet. Bei der Branchenbewertung fließen etwa die Wettbewerbsintensität, Konjunkturzyklen, Technologiewandel sowie das regulatorische Umfeld mit ein. Die Analyse der Wettbewerbsposition bezieht u.a. Marktanteile, Standort, Produkt- und Firmenimage sowie Kosteneffizienz mit ein. Bei der Einschätzung des Managements kommt es dagegen auf fachliche und persönliche Qualifikation an, aber auch auf den Umgang mit Planungs-, Steuerungs-, und Kontrollinstrumenten. Ein effizientes Risikomanagementsystem zahlt sich deshalb nicht nur für Banken, sondern auch für Unternehmen aus.

 

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Dr. Stefan Hirschmann ist verantwortlich für das Zeitschriftensegment beim Bank-Verlag, Köln.

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